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Görlitz

Begrüßungspaket wird unterschiedlich genutzt

Neu-Görlitzer können 20 Geschenke erhalten, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen. Aber nicht jedes Präsent kommt an.

Das Begrüßungspaket gibt es für Zuzügler seit 2012 und ist eine „Erfindung“ des städtischen Großvermieters Kommwohnen. (Symbolbild)
Das Begrüßungspaket gibt es für Zuzügler seit 2012 und ist eine „Erfindung“ des städtischen Großvermieters Kommwohnen. (Symbolbild) © dpa-tmn

Dagmar und Frank Herbig sind Ende April 2018 von Zittau nach Görlitz gezogen. „Das haben wir noch keine Minute bereut“, sagt Dagmar Herbig. Ihre drei Kinder und die Enkel leben hier, die Familie hat eine schöne Wohnung in Königshufen und einen wunderschönen Garten. „Wir sind rundum zufrieden“, betont die Neu-Görlitzerin.

Als solche hat sie im Vorjahr den speziellen Görlitzer Willkommensgruß für neue Einwohner genutzt: das Begrüßungspaket. Das gibt es seit 2012 und ist eine „Erfindung“ des städtischen Großvermieters Kommwohnen. In dem Paket sind Geschenke wie Mietrabatt oder Gratis-Strom für eine bestimmte Zeit enthalten. Im Laufe der Jahre wurde immer wieder mal ein neues Paket mit anderen Inhalten gepackt – also mit Geschenken und Rabatten von anderen Partnern versehen.

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Im Februar 2018 haben Kommwohnen, Stadtwerke Görlitz (SWG) und die Görlitzer Verkehrsgesellschaft (GVG) ein neues Paket geschnürt. Bis Ende dieses Jahres läuft die Aktion, über eine Verlängerung werde kurzfristig entschieden. Allerdings sieht Kommwohnen-Chef Arne Myckert, dass die Pakete gut nachgefragt seien. „Darüber freuen wir uns und sehen keinen Anlass, über ein Ende nachzudenken“, hatte er in diesem Frühjahr gesagt. Ganz im Gegenteil sei er in Gesprächen mit weiteren potenziellen Anbietern von Paketinhalten. Diese bestehen derzeit aus den Angeboten von 20 Partnern inklusive Kommwohnen.

Für dieses Jahr sind bislang 50 Mietverträge mit Zuzüglern abgeschlossen worden, 28 davon haben das Begrüßungspaket in Anspruch genommen, informiert Kommwohnen-Sprecherin Jenny Thümmler. Im vergangenen Jahr gab es 67 Nutznießer, ein Jahr davor 63.

2015 wurde das Paket 102-mal ausgereicht, 2016 nur 85-mal. Wer wie viele und welche Angebote aus dem Paket nutzt, ist sehr unterschiedlich. „Erfahrungsgemäß werden der Tierpark und die Verkehrsbetriebe favorisiert“, sagt Frau Thümmler.

Familie Herbig hat gleich mehrere Inhalte des Pakets ausprobiert: Miet- und Stromrabatt, Besuch im Görlitzer Tierpark, Essen in der Vierradenmühle und Ermäßigung bei Fahrten mit der Straßenbahn. Aus Sicht von Kommwohnen lasse es sich schwer beantworten, welche Mieter welche Vorteile genutzt haben. „Das wissen die Partner selbst am besten“, erklärt Sprecherin Thümmler.

Deshalb fragte die Sächsische Zeitung bei einigen der Partner nach. Marko Weber-Schönherr, Geschäftsführer des Kreissportbundes Oberlausitz (KSBO), hatte sich gefreut, dass der Sportbund beim Begrüßungspaket eine Rolle spielen darf. „Für uns wäre das ein Einstieg der Menschen in den Görlitzer Sport oder ins sportliche Ehrenamt“, sagt er und sieht das Angebot zudem als schöne Werbung für Sportvereine an. Neu-Görlitzern bietet der Sportbund freie Mitgliedschaft in drei Sportvereinen für einen Monat. So können sich die Umzügler ein Bild von den Sportangeboten machen und sich dann entscheiden. In der Sportbundverwaltung habe sich bislang noch niemand gemeldet, den dieser Teil des Begrüßungspaketes interessiert. Vielleicht werde dafür zu wenig Werbung gemacht, spekuliert der KSBO-Chef.

Spätestens mit der Anmeldung beim Einwohnermeldeamt sollten alle Zuzügler über das Angebot informiert werden, betont Weber-Schönherr. Familie Herbig hatte im Radio davon gehört und gezielt danach gefragt.

Bei der Anmeldung im Meldeamt kommt der Hinweis auf das Begrüßungspaket allerdings zu spät. Mitarbeiterin Jaqueline Strehle verweist darauf, dass sich die Zuzügler dann schon für eine Wohnung entschieden hätten. Die Vorteile des Begrüßungspakets gibt es aber nur, wenn eine Wohnung von einem der vier Vermieter gemietet wurde, die beim Paket mitmachen und der neue Mieter Kunde bei den Stadtwerken wird.

„Bei uns im Haus gibt es eine Mitarbeiterin, die sich speziell um Anliegen von Zuzüglern kümmert“, berichtet Frau Strehle. Von ihr bekommen die Interessenten den Hinweis auf das Begrüßungspaket bei der ersten Kontaktaufnahme.

Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) ist beim Begrüßungspaket ein weiterer Partner. „Bislang wollte noch niemand unseren kostenfreien Erste-Hilfe-Grundkurs in Anspruch nehmen“, bedauert Henri Burkhardt vom ASB. Das kostenlose, vierwöchige Probe-Abo der SZ haben seit Mitte des Vorjahres drei Interessenten abgeschlossen. Seit dem Jahr 2014 lädt das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz Zuzügler speziell über das Begrüßungspaket in die Einrichtung ein.

Insgesamt 32 Familien haben eine kostenlose Familieneintrittskarte bisher abgeholt. Während 2016 sich niemand meldete, waren es 2015 und 2018 jeweils elf Familien, im Premierenjahr zwei, 2017 sieben und in diesem Jahr bislang eine Familie. „Die Besucher sind von der Vielfalt der Ausstellungen überrascht“, sagt Christian Düker von Senckenberg.

Nicht jeder Zuzügler nach Görlitz, der die Bedingungen für das Begrüßungspaket erfüllt, nutzt den Willkommensgruß tatsächlich. Die Gründe dafür sind verschieden. Manche Mieter wollen sich beispielsweise nicht für 18 Monate an einen Vermieter binden.

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