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Döbeln

Beirat beschwert sich beim Landeschef

Seit inzwischen zwei Jahren und bei 13 Terminen vor Ort ist nach einer Lösung für den zu steilen Fußweg an der Döbelner Straße gesucht worden: ergebnislos.

Statt der zulässigen Querneigung von 2,5 Prozent weist der Fußweg an der Döbelner Straße in Roßwein abschnittsweise eine Neigung von bis zu 15 Prozent aus. Eine Lösung gibt es seit zwei Jahren nicht. Dem Behindertenbeirat reicht’s.
Statt der zulässigen Querneigung von 2,5 Prozent weist der Fußweg an der Döbelner Straße in Roßwein abschnittsweise eine Neigung von bis zu 15 Prozent aus. Eine Lösung gibt es seit zwei Jahren nicht. Dem Behindertenbeirat reicht’s. © André Braun

Roßwein. Bauplanerin Kerstin Bauer wird für ihre ruhige, besonnene Art geschätzt. Doch gerade möchte sie aus der Haut fahren. Wut und Verzweiflung sind ihr anzusehen.

Es geht um den neuen Innenstadtring. Den hat das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) über mehrere Jahre auf Teilen der Staatsstraßen 34 und 39 im Stadtgebiet von Roßwein ausbauen lassen. Vor reichlich zwei Jahren wurden die Straßen freigegeben. Seitdem kämpfen die Mitglieder des Behindertenbeirates der Stadt Roßwein darum, dass offensichtliche Baufehler behoben werden.

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Das schreiben die Vorstandsmitglieder des Behindertenbeirates – neben Kerstin Bauer sind das auch Thorsten Gruner und Roßweins Vize-Bürgermeister Peter Krause – jetzt in einem offenen Brief an Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sowie den Beauftragten der sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung Stephan Pöhler. Überdies gingen Briefe gleichen Inhalts an den Sozialverband VdK Sachsen, Landrat und Bürgermeister, Kreisbehindertenbeirat, die Stadträte, das Lasuv sowie die beiden Abgeordneten Veronika Bellmann (CDU) und Henning Homann (SPD).

Veronika Bellmann hatte sich in die Sache schon einmal eingeschaltet. Danach schienen sich die Wogen glätten zu wollen. Wirklich gebracht haben ihr Hinweis und ihre Forderung, dass alle Menschen öffentliche Straßen und Gehwege gleichermaßen nutzen können, aber nichts.

Denn in Roßwein ist das bei dem neu gebauten Fußweg an der Döbelner Straße auf einem beachtlichen Abschnitt nicht der Fall. Statt der zulässigen Querneigung von 2,5 Prozent haben die Mitglieder des Behindertenbeirates eine Neigung von stellenweise zwölf bis 15 Prozent nachgewiesen. Ein Praxistest mit unterschiedlichen Rollstühlen und Rollatoren machte deutlich, dass angesichts des Gefälles ein großes Risiko besteht, dass Nutzer solcher Gehhilfen von der Straße abdriften können.

Mit einem offenen Brief hat sich der Roßweiner Behindertenbeirat an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und den Behindertenbeauftragten Stephan Pöhler gewendet. 
Mit einem offenen Brief hat sich der Roßweiner Behindertenbeirat an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und den Behindertenbeauftragten Stephan Pöhler gewendet.  © Dietmar Thomas

Dass mit den Höhenverhältnissen etwas nicht stimmt, das haben zuerst die Anwohner bemerkt, „und mehrfach mit Vehemenz darauf hingewiesen“, sagt Kerstin Bauer. Daraufhin habe sich auch der Behindertenverband eingeschaltet und verschiedene Male um Prüfung gebeten. Selbst, als die Beiräte auf dem Zentimetermaß die Abweichungen zeigten, sprach der Bauleiter davon, dass die bestehenden DIN-Normen eingehalten worden sind.

Weil das nicht so ist, gibt es seit zwei Jahren Überlegungen. Aber auch bei 13 Terminen vor Ort wurde keine Lösung gefunden. „Ich glaube nicht, dass dieses Jahr noch gebaut werden kann“, sagt Kerstin Bauer inzwischen resigniert. Es gebe nicht ansatzweise eine Idee, wie die Fehler korrigiert und dabei die Normen in etwa eingehalten werden könnten. Mit dem aktuellen Vorschlag einer Querneigung zwischen vier und sieben Prozent können die Behindertenbeiräte nicht guten Gewissens leben. „Die Abweichungen sind immer noch zu groß“, so Kerstin Bauer.

In dem offenen Brief fragen sie und ihre Vorstandskollegen unter anderem: Weshalb konnte die in Sachsen bauaufsichtlich eingeführte Norm (DIN 18040, Teil 3) derart missachtet werden? Sieht so Inklusion im Freistaat Sachsen aus? Und: Warum fühlt sich niemand verantwortlich?

Seit inzwischen 25 Jahren setzen sich in Roßwein Ehrenamtliche mit und ohne eigenes Handicap für Menschen mit Behinderungen ein. Der Bau des Innenstadtrings erweist sich als besonders harter Brocken. „Wir fühlen unsere Interessen und Bedürfnisse auf das Gröbste missachtet und verletzt“, sagen die Vorstände ganz offen in ihrem Brief.