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Behindertenwerkstatt bekommt neue Räume

Sport treiben ist im umgebauten Trakt in Panschwitz-Kuckau möglich. Auch das Outdoorfeuer entsteht künftig dort.

Von Manuela Reuß

Karin Ziesch ist zufrieden. Das grenzübergreifende Projekt „Et Labora“ hat einiges bewirkt, schätzt die Leiterin der Werkstatt für behinderte Menschen St. Michael ein. Ohne die EU-Förderung wäre das Nordwestgebäude sicher nicht ausgebaut worden. Mitte Juni soll es gesegnet und übergeben werden. Dann brauchen die Werkstattbewohner ihre Rückenschule nicht mehr im Speiseraum absolvieren. Denn in dem ausgebauten Gebäudetrakt ist im Obergeschoss unter anderem ein wunderschöner Sportraum entstanden. Der soziale Dienst bekommt neue, größere Räume, und auch ein Computerkabinett wird eingerichtet. Dort sollen die Werkstattbesucher regelmäßig Schulungen an der modernen Technik erhalten. Das Erdgeschoss ist für Produktion und Verkauf vorgesehen. Denn die Behindertenwerkstatt hat ein vollkommen neues Arbeitsfeld für sich entdeckt. Man will künftig auch Kerzen ziehen und gießen.

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Eigenproduktion aufgestockt

„Wir haben lange hin und her überlegt, was noch ganz gut in unser Spektrum passen würde“, erzählt die Werkstattleiterin. Denn die Panschwitz-Kuckauer wollten ihre Eigenproduktion ein wenig aufstocken. Es sei von Vorteil, wenn sich die Arbeit in der Werkstatt zu je einem Drittel in Dienstleistungen, Montage und eigene Produktion aufteile. Ganz genau bekomme man das allerdings nicht hin. Doch diese Mischung helfe, flexibel agieren zu können. „Das verschiebt sich nämlich immer mal ein bisschen“, weiß Karin Ziesch.

Auch das Florianfeuer wird ab Juni dann im umgebauten Flügel entstehen. Dieses Outdoorfeuer ist eine kreative Neuentwicklung, die das „Et Labora - Rehabilitation behinderter Menschen in der Euroregion Neiße“ hervorgebracht hat. Die Behindertenwerkstätten „St. Michael“ und die Anstalt für berufliche Aktivität ZAZ Swierzawa des Landkreises Zlotoryja in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien haben es gemeinsam entwickelt.

Die besondere Herausforderung war, dass die behinderten Menschen mit ihren Mitarbeitern und Betreuern bei „Et Labora“ ein kreatives Produkt zur Marktreife führen. In Workshops und bei Besuchen in Betrieben in der Lausitz und in Niederschlesien kam man mit Fachleuten ins Gespräch und konnte Erfahrungen austauschen. Diese Erkenntnisse und die vorhandenen Möglichkeiten führten zum Ergebnis, dass man sich für ein Outdoorfeuer entschied, das auch zum Recyceln von Wachsresten genutzt werden kann. Hergestellt wird es in Panschwitz-Kuckau, für die Verpackung zeichnen die polnischen Partner verantwortlich. Auf der Kamenzer Gewerbemesse WIR hatten die Panschwitz-Kuckauer ihre kreative Neuentwicklung mit dabei. „Es kommt bei den Leuten sehr gut an“, weiß die Werkstattchefin.

Das Projekt „Et Labora“, so unterstreicht sie, stärke beide Seiten. Es fördert das Selbstvertrauen der Behinderten. Es öffnet sie für die Nachbarkultur. Das Projekt lebt durch viele gemeinsame Treffen. So weilten die Polen zum Beispiel zum Brot-Tag, zum Kräuter-Tag, zum Kartoffel-Tag und zum Tag der offenen Tür der Werkstatt St. Michael bereits in Panschwitz-Kuckau. Die deutsche Seite wiederum fuhr schon öfter nach Zlotoryja. Dort nahm sie an den Grillmeisterschaften, den Paralympischen Spielen, an einem Workshop zur Herstellung von Weihnachtskugeln und an den Goldwäscher-Meisterschaften teil. Auch gemeinsame Fachkonferenzen fanden statt. „Wir können viel voneinander lernen“, meinte Leiterin über das Projekt „Et Labora“. Deshalb sei es auch wichtig, die Sprachbarriere zu überwinden, weiß Karin Ziesch. Aus diesem Grund lernen die deutschen Behinderten Polnisch. Die polnischen Behinderten lernen im Gegenzug Deutsch.

Kontakte nicht einschlafen lassen

Bis Mitte 2014 ist das Projekt „Et Labora“, für das der Landkreis Zlotoryja die Gesamtverantwortung trägt, befristet. Karin Ziesch hofft, dass es danach vielleicht eine weitere Förderungsperiode geben wird. Noch sei nichts entschieden. Doch egal, wie die Entscheidung aussehen wird: Die gemeinsamen Kontakte will man nicht einschlafen lassen. „Wir werden auch ohne Förderung uns weiter gegenseitig besuchen.“ Trotzdem sei die Zusammenarbeit natürlich wesentlich einfacher, wenn es dabei Unterstützung gibt. Auf alle Fälle hat das Projekt bereits jetzt nachhaltigen Erfolg gebracht.