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Behörden-Pingpong in Waditz

Von einem Grundstück werden Fäkalien in den Feuerlöschteich eingeleitet. Doch kein Amt unternimmt etwas, sagt ein Anwohner. Nun sollte es der Ministerpräsident richten.

© Steffen Unger

Von Kerstin Fiedler

Kubschütz. Wolfgang Manitz ist sauer. Als er kürzlich wieder einmal dokumentieren konnte, wie Abwasser in einen der drei Feuerlöschteiche in Waditz geleitet wurde, reichte es ihm. Er versuchte, sofort jemanden im Landratsamt zu erreichen. Doch an diesem Mittwoch hatte er kein Glück. „Ist ja auch kein Sprechtag, muss man ja nicht ans Telefon gehen“, sagt Wolfgang Manitz. Deshalb rief er die Polizei. Als die Streife kam, war der Schlauch wieder verschwunden. Dennoch suchten die Kollegen das Gespräch mit den Nachbarn, die laut Manitz dort Fäkalien einleiteten. „Es knallte die Tür, was rausgekommen ist, weiß ich nicht“, sagt Manitz. Und weil er nicht den erwünschten Erfolg hatte, schrieb er nun an Ministerpräsident Michael Kretschmer. Dass der seine Post nicht selber beantwortet, war Manitz klar. Allerdings erwartete er doch überhaupt einmal eine Antwort. Geschrieben hat er am 26. April. Einen Zwischenbescheid erhielt er aus dem Innenministerium. Mit dem Verweis, dass das Umweltministerium zuständig ist. Also rief Wolfgang Manitz am Montag beim Ministerpräsidenten an. Die Kollegin, mit der er sprach, kannte offenbar den Vorgang, denn von ihr erfuhr der Waditzer, dass er nun wohl an die Landesdirektion verwiesen wurde. „Ich kann das nicht mehr nachvollziehen, wie die Behörden arbeiten“, sagt Wolfgang Manitz. Jeder andere muss doch auch sichern, dass sein Abwasser ordentlich entsorgt wird, findet er.

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Im Landratsamt bestätigte die Pressestelle, dass das Problem an den Ministerpräsidenten herangetragen wurde. Deshalb bat das Umweltministerium um eine Stellungnahme. Bis Ende voriger Woche sollte das Problem auch aus Sicht der Gemeinde, die für die Abwasserentsorgung zuständig ist, betrachtet werden. „Der Antwort an das SMUL möchten wir nicht vorgreifen“, schrieb Landkreissprecher Peter Stange in der vorigen Woche. Eine Anfrage im Umweltministerium ergab, dass, so die Recherche von Ministeriumssprecherin Bianca Schulz, „meiner Kenntnis nach der Bürger eine schriftliche Information dazu erhalten hat“. Das war die Antwort von Freitag. Doch Wolfgang Manitz hat noch keine Post aus dem Ministerium erhalten.

Bürgermeister ärgert sich

Für den Kubschützer Bürgermeister Olaf Reichert (parteilos) ist der Fall nun klar: Er muss handeln. „Die Mieter sind in diesem Fall nicht zuständig“, weiß Reichert. Der Eigentümer muss sich um eine ordnungsgemäße Entsorgung kümmern“, sagt Olaf Reichert. Doch der Vermieter ist ein Landwirt, der nicht aus Kubschütz stammt. „Das Landratsamt kennt die Zusammenhänge“, sagt der Bürgermeister und ärgert sich, dass er sich mit diesem aus seiner Sicht kleinen Problem so oft beschäftigen muss.

Das Landratsamt hat nun vom Umweltministerium Fotos von Wolfgang Manitz bekommen. „Sie zeigen eine Grube mit einer Pumpe und einem Ablauf, in den ein Schlauch geführt wurde, beides innerhalb eines geschlossenen Raumes. Einen Rückschluss auf eine konkrete Örtlichkeit lassen sie leider nicht zu“, sagt Landkreissprecher Peter Stange. Außerdem kritisieren die Mitarbeiter die Art des Vorgehens des Waditzers. „Er hat sich – möglicherweise illegal – Zutritt zu einem fremden Grundstück oder gar Gebäude verschafft und dann Fotos gemacht, die uns nicht weiterhelfen, solange er nicht sagen will, wo das ist. Abgesehen davon dürften wir sie vermutlich nicht verwenden, weil sie rechtswidrig zustande gekommen sind.“