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Behr’sche Villa soll saniert werden

Das denkmalgeschützte Gebäude führt seit Jahren ein Schattendsein. Dabei hatte es durchaus schillernde Momente.

© Norbert Neumann

Von Ulrike Kirsten

Verlassen steht das historische Behr’sche Haus in der Wigardstraße 21. Die Fenster sind mit Holzbrettern verschlagen, Sprayer haben Graffiti an die Wände geschmiert. Die Natur hat sich das Grundstück an der Kreuzung zur Glacisstraße längst zurückerobert. Gräser wuchern, Bäume verdecken Teile der Fassade. Zwar ist das Dach des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes vor fünf Jahren notdürftig gesichert worden. Auch neue Dachrinnen wurden angebaut. Seitdem hat sich aber nicht mehr viel getan an dem spätklassizistischen Haus.

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Zwei Jahre zuvor hatte die Künstlerin Patricia Westerholz dem Gebäude zu einem kurzen Moment im Rampenlicht verholfen. An den Fenstern hatte sie Lichtinstallationen angebracht und das Haus so zum Kunstobjekt gemacht. An 78 Abenden bis in den Januar 2009 wurde das Gebäude illuminiert und so an die eindrucksvolle Geschichte des Hauses erinnert.

Auch wenn sich derzeit nichts auf dem Grundstück rührt, solle das repräsentative Gebäude in der Nähe der Albertbrücke restauriert werden, teilt das Amt für Stadtentwicklung mit. Es gebe einen Bauvorbescheid, der neben der Sanierung des Behr’schen Hauses vorsieht, auf dem Grundstück zusätzlich zwei weitere Wohnhäuser zu errichten, teilt Rathaussprecherin Anke Hoffmann mit.

Die Dresdner müssen daher nicht befürchten, dass das Haus einfach so abgerissen wird. „Der Status des Gebäudes als Kulturdenkmal wie auch sein Zustand, der trotz Leerstandes als sanierungsfähig eingestuft wird, lassen einen Abbruch als unrealistisch erscheinen. Uns liegen auch keine Informationen in diese Richtung vor“, sagt Bernhard Sterra, Leiter des Denkmalamtes. Wem das Gebäude derzeit gehört, sei ihm aber nicht bekannt.

Das Behr’sche Haus in f der Wigardstraße zählt zu den letzten erhaltenen Gebäuden des Ensembles Innere Neustadt. Entstanden ist es zwischen 1824 und 1832 und wurde von dem späteren sächsischen Finanz- und Justizminister Johann Heinrich August von Behr bewohnt. Er führte das Bürgerliche Gesetzbuch ein und gilt als ein Vorvater der Marktwirtschaft in Sachsen. Nach seinem Tod im Jahr 1871 lebte sein Sohn Camillo von Behr dort. Anschließend war dort der Sitz der „Standers Bierbrauerei“. Zuletzt wurde das Haus bis Anfang der 90er-Jahre von einem Großhandel für Souvenirs und Werbemittel genutzt.