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Bei Advita wird investiert

Auf dem Gelände in Radeberg soll noch ein Gebäude mit Wohnungen entstehen. Der Park bleibt weitgehend erhalten.

© Thorsten Eckert

Von Reiner Hanke

Radeberg. Fast 20 Jahre lang dümpelte der gewaltige Gebäudekomplex an der Güterbahnhofstraße trist als Investruine vor sich hin. Bis vor einigen Jahren die Firma Advita – ein in Berlin ansässiges Pflegedienstunternehmen – den mit 5 000 Quadratmetern gewaltigen Gebäudekomplex übernahm und umbauen ließ.

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Zur Güterbahnhofstraße bietet der gewaltige Komplex schon wegen seiner Länge entlang der Straße einen imposanten Anblick.
Zur Güterbahnhofstraße bietet der gewaltige Komplex schon wegen seiner Länge entlang der Straße einen imposanten Anblick. © Thorsten Eckert

Seit Anfang 2016 pflegt und betreut Advita hier ältere Menschen in verschiedenen Wohnformen: im Betreuten Wohnen, einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz und in einer Tagespflege. „Das Grundstück in der Güterbahnhofstraße, auf dem das Haus steht, ist Teil eines umfangreich sanierten oder neu errichteten Wohngebietes und umgeben von zahlreichen Parks ...“, heißt es auf der Internetseite. Auf einen schauen die Bewohner nach Süden und haben einen Blick ins Grüne. Der Garten gehöre mit zum Gebäudekomplex, heißt es. Doch wie steht es um das Grün? Das bewegt offenbar Anwohner in dem Bereich, und es gibt Vermutungen. So schreibt B. Liebschner an die SZ: „Der Park soll weg ... und zwei Häuser errichtet werden. Stimmt das?“

Die Antwort interessiert nicht nur den Leser. Die SZ-Nachfrage dazu in der Advita-Zentrale in Berlin, bei der Advita Pflegedienst GmbH, landete schließlich bei Dr. med. Matthias Faensen. Der Diplompsychologe lebt ebenfalls in Berlin. Doch was hat er damit zu tun? „Ihre Anfrage ist an mich weitergeleitet worden“, erklärt der Mediziner. Denn er sei Gesellschafter und Vorsitzender des Beirates von Advita. Bis 2017 sei er auch deren Geschäftsführer gewesen.

Die Frage betreffe ihn aber privat, da er „persönlich Eigentümer der Gewerbeeinheiten der Immobilie in der Güterbahnhofstraße 7 bis 9 a“ sei, wie er erklärt. Es betrifft die Räume im Erdgeschoss unter anderem mit dem Pflegedienst. „Mit dem Kauf der Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss durch mich ist damals die Sanierung und Fertigstellung des Rohbaus ermöglicht worden“, so Dr. Faensen, „der über 15 Jahre leer stand und langsam verwitterte, da sich zwar für die einzelnen Wohnungen Käufer gefunden hatten, aber nicht für die große Fläche des Erdgeschosses.“

Das bedeutet: Der Komplex hat unterschiedliche Eigentümer. Betreiber ist Advita. Mit dem Kauf der Flächen im Erdgeschoss seien bestimmte Rechte verbunden gewesen. Die wurden bereits in einer sogenannten Teilungserklärung aus dem Jahr 2004 verankert. Dabei geht es um das Recht, die ursprünglich einmal geplanten weiteren punktartigen Wohngebäude zwischen den beiden riegelartigen Wohngebäuden des Komplexes zu errichten. Dieses Recht ist quasi auf den neuen Eigentümer übergegangnen. Und darauf beziehen sich wohl auch die Fragen.

Der Berliner Mediziner berichtet auch von einem Masterplan für das gesamte Grundstück. Der sei zum Zeitpunkt der ursprünglichen Baugenehmigung Anfang der 90er-Jahre erarbeitet worden und sah drei weitere Wohnhäuser vor. Die werde es nicht geben. Aber daran anknüpfen will der Investor schon: „Jetzt ist geplant, nur ein Wohnhaus zu errichten, das zwei Wohngemeinschaften und einige Wohnungen beinhalten soll.“ Das bedeute tatsächlich, dass ein kleinerer Teil der Gartenfläche zwischen den beiden länglichen Baukörpern bebaut werde.

Park wird in großen Teilen erhalten

Der Investor versichert aber: „Das bedeutet aber keineswegs, dass die Freifläche verschwindet. Der weitaus größere Teil bleibt als parkartige Anlage erhalten.“ Auch in diesem Gebäude werde Advita der Nutzer sein. Hintergrund ist die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen. Das Objekt sei ausgelastet und es gebe immer wieder die Nachfrage von Interessenten. Auch in dem Neubau werde es unter anderem Betreutes Wohnen geben. Mit den Bauarbeiten soll es schon in absehbarer Zeit losgehen. Der Investor will bereits nach der Sommerpause den Bauantrag stellen. So könnte im kommenden Jahr gebaut werden. Die Investitionssumme liege bei 3,5 bis 4 Millionen Euro. Aufmerksam geworden sei er schon 2009/10 auf den Gebäudekomplex, durch einen Tipp. Damals habe Advita das Projekt aber nicht realisieren können. Einige Jahre später hatte sich die Situation geändert und es eröffnete sich die Möglichkeit, das Objekt anzumieten. Diese Chance eröffnete sich, weil nach Jahren des Stillstandes eine Dresdner Investorengruppe den Gebäudekomplex übernommen hatte. Sie ließ den Komplex sanieren und zu Ende bauen. Und tilgte damit einen Schandfleck aus dem Radeberger Stadtbild.

Es gehöre auch durchaus zum Konzept von Advita, solche maroden Standorte zu entwickeln, hieß es vor ein paar Jahren zum Einzug in das Gebäude. In Radeberg ist das an der Güterbahnhofstraße gelungen und eine schmucke Anlage entstanden. Nun wird erneut investiert. Und auch der Park soll weiter zum Spazieren, zum Verweilen auf den Bänken einladen.

Das hat Advita zu bieten: Betreutes Wohnen mit 24 Ein-Raumwohnungen, 28 Zweiraumwohnungen und neun Dreiraumwohnungen. Dazu kommt eine Wohngemeinschaft für zwölf Bewohner mit Demenz und eine Tagespflege für 40 Gäste

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