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Bei den Dresden Monarchs hat ein Minister das Sagen

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz ist mehr als nur ein Fan von American Football. Am Sonntag ist das sogar im TV zu sehen.

Christian Piwarz ist am Sonntag ganz Football-Fan.
Christian Piwarz ist am Sonntag ganz Football-Fan. © kairospress/Thomas Kretschel

Das hört sich ziemlich skurril und einmalig an. Ein amtierender Minister eines Bundeslandes kommentiert live im frei empfangbaren Fernsehen ein Play-off-Meisterschaftsspiel. Christian Piwarz, Kultusminister des Freistaates, sitzt für die American Footballer der Dresden Monarchs regelmäßig am Mikrofon. Der 44-Jährige ist Vereinsmitglied und Chef des American-Football-Verbandes Sachsen. Der Sender Sport1 schaltet sich am Sonntag ab 15.45 Uhr ins Dresdner Heinz-Steyer-Stadion, wenn der Gastgeber gegen Marburg (Beginn: 14 Uhr) um den Einzug ins Halbfinale kämpft. Im Interview erklärt Piwarz, wie es zu diesem ungewöhnlichen Nebenjob kam.

Herr Piwarz, Sie sind selbst noch im DDR-Schulsystem aufgewachsen. Da spielte American Football überhaupt keine Rolle. Wie haben Sie Ihre Affinität dafür entdeckt?

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Das war Mitte der 1990er-Jahre während meiner Studentenzeit, als ich mir einfach vorgenommen habe, einen Super Bowl zu gucken: das Spiel zwischen den Green Bay Packers und den New England Patriots. Ich habe durchgehalten und festgestellt, dass dieser Sport wesentlich faszinierender ist, als ich vorher dachte. Seitdem bin ich mit Haut und Haaren hängen geblieben. Selbst gespielt habe ich aber nie. Ich bin sozusagen der Beste aller Tribünen-Coaches (lacht). Ich komme aus dem Fan-Sein.

Seit wann kommentieren Sie Spiele der Dresden Monarchs?

2002 haben wir unser Radio-Projekt gestartet. Der Impuls dafür kam damals beim Aufstiegs-Relegationsspiel gegen Kiel im alten Harbig-Stadion, als die Gäste eine Übertragung angeboten haben. Wir durften dabei sein und haben uns gesagt: Wir wollen das für die erste Bundesliga-Saison selbst hinbekommen und haben das geschafft. Das Spannende ist: Wissen Sie, was das erste Spiel war, das wir übertragen haben?

Gegen Marburg?

Richtig. Marburg war damals auch Aufsteiger. Das allererste Bundesligaspiel der Monarchs, der erste Sieg und unsere erste eigene Übertragung. Da schließt sich am Sonntag so eine Art Kreis für uns.

Das Team von Radio Monarchs ist ein Fanprojekt. Fällt es Ihnen schwer, in Ihrer Rolle objektiv zu bleiben?

Wir haben immer gesagt, dass wir in dem Bereich keine Profis sind. Dass bei uns das Fan-Sein immer mal durchkommt, werden wir nicht ganz von der Hand weisen können, wenngleich wir versuchen, möglichst objektiv zu berichten. Es war schon immer ein Projekt von Fans für Fans. Unter Live-Stream-Bedingungen ist das noch mal eine andere Hausnummer, weil wir das auch offiziell für die German Football League machen. Wir müssen an uns einen professionellen Anspruch haben. Das ist keine Frage. Aber trotzdem: Das Projekt kommt aus der Ehrenamtlichkeit. Manchmal merkt man uns an, dass das Herz doch für die Monarchs schlägt.

Im Normalfall kommentieren Sie für bis zu 1.500 Internet-User. Am Sonntag werden ein paar mehr Zuschauer auf Sport1 einschalten. Macht das einen Unterschied?

Ich glaube nicht. Wir machen das jetzt lange genug. Wir sind seit 2003 als Radioteam unterwegs, seit 2012 mit bewegten Bildern. Wir haben schon German Bowls und Play-offs übertragen – mit großer Resonanz. Es ist eine wunderschöne Geschichte, auch mal im linearen TV zu sein. Ich denke aber nicht, dass wir da unter einem besonderen Druck stehen – maximal unter dem Druck, es besonders gut zu machen. Ich freue mich drauf. Das ist für uns ein Highlight.

Weiß der Sender, auf welchen Kommentator er sich eingelassen hat?

Sport1 hat in seiner Presseankündigung auch auf mich Bezug genommen. Mir ist die Publicity, was meine Person betrifft, nicht wichtig. Was mir wichtig ist und was ich voranstellen will: Wir haben das all die Jahre als Team gemacht, sind gemeinsam zu Auswärtsspielen gefahren, haben 7 000 Kilometer pro Saison auf der Autobahn zurückgelegt. Das funktioniert nur, wenn jeder an seinem Platz seinen Job macht, vor allem Matthias Held mit der Technik, Thomas Aust als Co-Kommentator und Kameraleute. Ich hoffe, dass wir dafür künftig noch Leute hinzugewinnen. Von daher nehme ich es dankbar hin, wenn da einer sagt: Hey, da ist ja ein komischer Typ am Mikrofon. Mit dem müssten wir mal reden.

Warum war es Ihnen auch nach der Berufung zum Kultusminister Sachsens wichtig, Zeit für Ihr Hobby zu haben?

Bei der Übernahme des Ministeramtes habe ich zwei, drei Wochen überlegt. Für mich war Football schon immer ein ganz wichtiger Ausgleich zu dem, was man beruflich tut. Football hat mir unwahrscheinlich viele positive und natürlich auch schwere Momente bereitet. Was ich besonders schätze, ist, dass ich im Stadion mit meinem Spitznamen angeredet werde und nicht mit „Herr Minister“. Ich bin da einer unter Gleichen, wie sich das gehört. Wir sind eine große Familie, und diese Familie schätze ich. Das geht über das Steyer-Stadion und die Monarchs hinaus.

Wie lautet denn Ihr Spitzname?

Das ist kein Geheimnis: Piwi. Jeder in Football-Deutschland spricht mich so an.

Geben Sie als Kommentator vorher einen Tipp für Sonntag ab?

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Ich glaube, dass es ein enges Spiel und uns Marburg vor allem offensiv unwahrscheinlich fordern wird. Aber die individuelle Qualität und die Erfahrung der Monarchs schätze ich höher ein. Es wird kein klares Ergebnis, aber Dresden wird schon gewinnen und wieder im Halbfinale stehen.

Das Interview führte Alexander Hiller.

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