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Bei den Tiefbauern wird’s eng

Weil die Lagerfläche nicht reicht, kauft die Firma Baucom in Bautzen ein Grundstück. Ein Schritt Richtung Zukunft.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

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Bautzen. Viele Sätze macht Roland Zetsch nicht, wenn er auf seine neue Investition angesprochen wird. Vor ein paar Wochen erst hat der Geschäftsführer der Firma Baucom ein leeres Grundstück gekauft. „Die Fläche ist einen Hektar groß, unerschlossen und befindet sich an der B 96“, fasst er kurz zusammen. Mehr, so meint Roland Zetsch, gibt es dazu nicht zu sagen. Doch dann fängt er doch mit dem Erzählen an, berichtet von den Anfängen seiner Firma, von den vielen Aufträgen und der ständigen Suche nach neuen Mitarbeitern.

Gegründet hat Zetsch die Firma für Tief- und Straßenbau gleich nach der Wende. Erst saßen er und seine Mitarbeiter in Auritz, seit 1997 befindet sich ihr Sitz an der Hoyerswerdaer Straße nahe der Autobahnabfahrt Bautzen West. Eine Fläche in Dreistern gehört noch mit dazu – und nun auch das neue Grundstück, das keine 150 Meter vom Stammsitz entfernt liegt.

Zetsch braucht das Areal als Lager. Beim Tiefbau werden teure Materialien benötigt. Stahlträger oder Spundwände zum Beispiel, die von der Baufirma mehrfach verwendet werden können. Vorausgesetzt, das Unternehmen kann die Materialien lagern. „Der Platz hat nicht mehr gereicht“, erklärt Zetsch. Das Angebot der Stadt Bautzen kam da gerade recht. Die Fläche an der B 96 hatte eigentlich einem Autoteile-Versand gehört. Doch weil das Areal nicht so einfach zu erschließen ist, bot die Stadt dem Unternehmer aus Ebersbach eine Fläche im Gewerbegebiet Salzenforst an. Für Roland Zetsch war der Weg frei.

Natürlich weiß auch er, dass das Grundstück nicht ideal ist, dass es schwer ist, darauf etwas zu errichten. Doch das stört den Bauunternehmer nicht. Schließlich plant er dort keine Halle oder Ähnliches. Eine Zufahrtsstraße genügt für seine Zwecke. Außerdem ist Zetsch Experte, wenn es um die Erschließung von Grundstücken geht.

Das hat er in der Vergangenheit gleich an mehreren Stellen bewiesen. Für Wohngebiete in Auritz und in Wittichenau hat seine Firma die Tiefbauarbeiten übernommen. Und auch am Spittelwiesenweg in Bautzen errichten er und seine Mitarbeiter die Fundamente für die neuen Eigenheime. Bei der Toskana-Siedlung arbeitete er eng mit seinem Bruder zusammen. Harry Zetsch besitzt in Bautzen eine Hochbaufirma und übernimmt immer dann, wenn es um Arbeiten über der Erde geht.

Doch die Tiefbauer sind längst nicht nur bei Eigenheimen gefragt. Gern erinnert sich Roland Zetsch an große Aufträge, wie die Kläranlage im Industriepark Schwarze Pumpe, oder die große Stahlhalle für Bombardier in Görlitz. In letzter Zeit standen aber vor allem Maßnahmen für den Hochwasserschutz auf seinem Zettel. Beim Bau des Wehrs in Niedergurig war der Spezialtiefbau der Firma gefragt. Gerade sind seine Mitarbeiter zum Beispiel damit beschäftigt, den Bautzener Stausee von Sedimenten zu befreien. Und das ist längst nicht alles. Zetsch könnte noch stundenlang weitere Projekte aufzählen. Doch er macht es wieder einmal kurz und sagt nur: „90 Prozent unserer Aufträge kommen aus der öffentlichen Hand.“

Zufrieden blickt der Chef auf die Zahlen. Die Umsätze seiner Firma möchte er nicht verraten, doch es wird schnell deutlich, dass Zetsch nicht klagen kann. Zum Beispiel dann, wenn er von der guten Auftragslage der vergangenen zwei Jahre berichtet. Oder dann, wenn er erzählt, dass sich das Einzugsgebiet seiner Firma rund 100 Kilometer rund um Bautzen erstreckt und er es nicht erweitern muss. Der Bauunternehmer könnte zum Beispiel Aufträge im Ausland annehmen. Doch das möchte er nicht. Schon allein deshalb, weil er seine Mitarbeiter nicht quer durchs Land schicken will. „Viele wollen am späten Nachmittag wieder bei ihrer Familie zu Hause sein. Das ist auch ihr Recht“, meint er.

Ohnehin muss Roland Zetsch mehr darauf achten, dass sich seine Angestellten bei ihm wohlfühlen. Von Anfang an beschäftigte seine Firma 100 Mitarbeiter. Heute sind es 110 Fachkräfte. Mit weniger Personal könnte er die vielen Aufträge nicht erfüllen. Die Suche nach neuen Mitarbeitern beschäftigt ihn deshalb, wie kein anderes Thema. Dabei hat Roland Zetsch früh angefangen, sich darum zu kümmern. Die Hälfte seiner Mitarbeiter, so erklärt er, wurden in seiner Firma ausgebildet. Das ist auch der Grund, warum das Durchschnittsalter noch nicht allzu hoch ist. Und doch merkt er, dass es immer enger wird.

Früher hatte er fünf bis sieben Auszubildende pro Lehrjahr. Heute sind es maximal zwei. „Dabei bezahle ich gut“, sagt der Firmenchef. Der Unterschied zu westdeutschen Unternehmen sei auf dem Gehaltszettel kaum noch zu spüren. „Aber die jungen Leute wollen nicht von April bis November in der Baugrube stehen“, meint er. Zetsch berichtet von Tiefbaufirmen, die bereits aufgeben mussten, weil das Personal fehlte. So weit soll es bei ihm nicht kommen. Deshalb fährt er jetzt zu Jobbörsen – und stellt sich überall dort vor, wo er die Chance dazu hat.