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Bei der Enteignung glatt vergessen

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht Brigitte Eulzer mit Sicherheitsabstand der Sprengung zu. Das Geschehen zieht sie sehr in den Bann, so dass sie beinahe vergisst, den letzten Akt der Miederwaren Pabst & Co.

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Von Dagmar Doms-Berger

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht Brigitte Eulzer mit Sicherheitsabstand der Sprengung zu. Das Geschehen zieht sie sehr in den Bann, so dass sie beinahe vergisst, den letzten Akt der Miederwaren Pabst & Co. für die Nachwelt festzuhalten. Brigitte Eulzer und ihre Schwester Petra Villegas sind die Erben der Miederwarenfabrik Pabst & Co.

„Natürlich geht es mir nahe“, sagt die 55-Jährige. „Ich habe hier meine Kindheit verbracht.“ Oft saß sie als Kind neben ihrer Großmutter im Produktionssaal und hat den Näherinnen bei der Arbeit zugesehen. „Die Frauen nähten mir damals mein erstes Bustier“, sagt Brigitte Eulzer, lacht und gibt zu, dass sie sich gern an die Zeit erinnert.

Das Unternehmen wurde im Jahre 1883 als Korsettfabrik gegründet. Im Jahre 1908 übernahmen die Großeltern von Brigitte Eulzer, Carl und Emmi Eulzer, das Unternehmen. 1959 ist die Familie in den Westen gegangen.

Fast unglaublich klingt die Tatsache, dass das Eulzersche Unternehmen bei der Enteignungswelle 1972 vergessen wurde. Jedenfalls ging dies aus den Unterlagen hervor, als Brigitte Eulzer nach der Wende die Rückführung beantragen wollte. „Das war schließlich gar nicht nötig, da wir nie enteignet worden waren“, sagt die Erbin. Es habe sich nicht bestätigt, dass die Fabrik als einziges Gebäude den Stadtbrand von 1806 überstanden habe

1991 schloss der Betrieb. Später gingen die Anstrengungen dahin, Fördermittel für den Abriss zu bekommen. Die Hoffnung erfüllte sich nicht. „Es war schon schwierig, einen Versicherer für den maroden Industriebau zu bekommen“, sagt Brigitte Eulzer. Teile des Inventars übergab die Erbin der Schule und einem Verein.