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Bei Förstgen brüten seltene Vögel

Seit fünf Jahren gibt die Klittener Agrargenossenschaft ein Stück Feld für den Kiebitz. Nicht das einzige Projekt.

Von Katja Schlenker

Das Fernglas ist immer dabei. Damit er „seine“ Vögel beobachten kann, wie Maik Apelt lächelnd erzählt. Er ist Vorstand der Klittener Agrargenossenschaft. Die gibt seit fünf Jahren ein Stück Feld vor den Toren Förstgens her, damit sich auf zirka zweieinhalb Hektar Feld Kiebitze ansiedeln können. Jene Vögel haben ein auffälliges schwarz-weißes Federkleid, welches an der Oberseite metallisch grün schimmert. Ihr Kopf wird von einer Federhaube geziert.

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Doch nicht nur für Maik Apelt sind die Kiebitze interessant, sondern auch für die sächsische Regierung. Denn die Vögel sind vom Aussterben bedroht, stehen auf der sogenannten Roten Liste gefährdeter Arten. Hat es um 1980 noch zwischen 2 000 und 4 000 Brutpaare in Sachsen gegeben, sind es heute noch 400 bis 800. Weshalb die Agrargenossenschaft beim Bodenbrüterprojekt des Freistaates Sachsen mitmacht. Damit soll bedrohten Vögeln, wie Kiebitz, aber auch Rebhuhn und Feldlerche, ein neues Zuhause geschaffen werden.

Es ist nicht das einzige Projekt, welches die Klittener unterstützen. Auch Honigbienen und Wildinsekten werden von ihnen geschützt. Auf einer Fläche von fast zehn Hektar werden im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft Bienenweideaussaatmischungen angebaut. Für den Verband für Landschaftspflege werden Blühmischungen mit Wildkräutern auf dem Grünland ausprobiert. Außerdem baut die Agrargenossenschaft den sogenannten Champagnerroggen an. Der ist ursprünglich im frühen 19. Jahrhundert aus der Region Champagne in Frankreich nach Deutschland gekommen und hier zu einer der häufig verbreiteten Winterroggensorten geworden. „Obwohl wir ein konventioneller Landwirtschaftsbetrieb sind, wollen wir uns beim Naturschutz engagieren“, sagt Maik Apelt.

Dies sei bei großen Betrieben auch einfacher, fügt Jan-Uwe Schmidt vom Förderverein Vogelschutzwarte Neschwitz hinzu. Jene haben mehr Fläche, um so etwas wie eine Kiebitzinsel auszuprobieren. Denn dafür wird ein Teil des Feldes im Herbst nicht bestellt, also quasi freigelassen. In Förstgen wird das seit 2009 gemacht. Damals hat es mit zwei Brutpaaren der etwa taubengroßen Vögel angefangen – und ohne Nachwuchs. In diesem Jahr sind vier oder fünf Brutpaare auf der Wiese unterwegs. Jan-Uwe Schmidt geht davon aus, dass alle Paare Nachwuchs haben, ein Kiebitzpärchen auf alle Fälle. Da es sich um sehr scheue Vögel handelt, kann der Diplom-Geograf nicht einfach nachschauen gehen, was da im Nest ausgebrütet wird. Zumal der Nachwuchs mittlerweile bereits flügge ist.

Da heißt es geduldig zu beobachten, was das Fernglas einem zeigt. „Ursprünglich hat der Kiebitz Niedermoore, Überschwemmungsbereiche in Auen sowie Feucht- und Nasswiesen besiedelt“, erklärt Jan-Uwe Schmidt. „Später konnten die Vögel erfolgreich auf Äcker, abgelassene Teiche oder Ödlandflächen umgesiedelt werden.“ Der Kiebitz mag es feucht, aber er will auch freie Sicht nach allen Seiten haben, um seine Feinde früh genug zu erblicken. Aus diesem Grund bietet sich die Fläche auf dem Feld in Richtung Dauban/Weigersdorf an. „Wir haben hier eine leichte Senke, in der es im Frühjahr nass ist“, sagt Jan-Uwe Schmidt. „Da ist es für die Landwirtschaft vorteilhaft, weil sie ihr Geld nicht mit Getreide, sondern mit dem Kiebitz verdient.“

Denn wer einen Teil seines Feldes für den Vogelschutz hergibt, wird dafür vom Freistaat entschädigt. Über konkrete Geldbeträge wollen beide Seiten nicht sprechen. Nur so viel: „Die Kosten sind ganz gut gedeckt“, sagt Maik Apelt. Immerhin muss die Agrargenossenschaft Grundsteuer und Pacht zahlen, auch wenn sie auf der Kiebitzinsel kein Getreide anbauen kann. In Sachsen gibt es 22 solcher Kiebitzinseln mit insgesamt 32,44 Hektar Fläche. Zehn dieser Schutzgebiete liegen mit 16,84 Hektar Fläche im Landkreis Görlitz – die meisten um Waldhufen herum. Je eine weitere gibt es bei Buchholz und Petershain. Ein weiterer Schwerpunkt mit sechs Kiebitzinseln ist der Raum Moritzburg.

Die größte Frage ist alljährlich, ob die Vögel ihre kleine Insel mitten im Feld als Kinderzimmer für ihren Nachwuchs akzeptieren. Erste Erfolge zeigen sich bereits. In den Jahren 2010 bis 2012 haben auf den zwanzig Kiebitzinseln in Sachsen jährlich jeweils etwa 40 Paare gebrütet. Das entspricht fünf bis zehn Prozent des sächsischen Bestandes. Zudem hat ein Drittel, bis die Hälfte der Vogelpaare Nachwuchs gehabt.