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Der Bäcker mit der Hygiene-Ampel

Die Landbäckerei Schmidt hat viel Geld in sauberes Arbeiten investiert - schon vor Corona. Sorgen machen dem Betrieb jetzt andere Vorschriften.

So wie es hier Geschäftsführer John Arko an der Hygiene-Schleuse vormacht, muss sich jeder desinfizieren, bevor er in die Produktion der Landbäckerei Schmidt in Leupoldishain darf.
So wie es hier Geschäftsführer John Arko an der Hygiene-Schleuse vormacht, muss sich jeder desinfizieren, bevor er in die Produktion der Landbäckerei Schmidt in Leupoldishain darf. © Daniel Schäfer

Die Technik ist unbestechlich. Auch der Chef kommt nicht durch die Hygiene-Schleuse, ohne sich die Hände ausreichend zu desinfizieren. Das geht auch nicht Husch-Husch. Erst wenn die Ampel auf Grün wechselt, öffnet sich das Drehkreuz und der Weg in die Produktionshalle der Landbäckerei Schmidt in Leupoldishain wird frei.

Das alles nur wegen Corona? Geschäftsführer John Arko muss schmunzeln und verneint die Frage. "Die Schleuse und das Hygiene-Center haben wir schon lange", sagt er. Jetzt würden es nur viele Kunden besonders wohlwollend zur Kenntnis nehmen, wie sauber in der Landbäckerei Schmidt gearbeitet wird. Davon kann sich auch in Corona-Zeiten weiterhin jeder selbst ein Bild machen. Denn direkt von der Verkaufs-Theke aus kann  jeder durch eine Glasfront in die Produktionshalle in Leupoldishain schauen.

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Auch was von der Hintertür in die Halle kommt, wird nach jeder Tour gründlich gereinigt. Routiniert nimmt Christoph Eisoldt die Behälter vom Band der Waschstraße. Erst danach können die Kisten wieder neu bestückt oder die Formen erneut befüllt werden. "Bei 85 Grad Celsius beginnt die Reinigung. Da sterben so gut wie alle Keime ab", erklärt Geschäftsführer Arko.

Alle Behälter und Kuchenformen gehen nach der Auslieferung durch die 85 Grad Celsius heiße Waschanlage, an der Christoph Eisoldt arbeitet.
Alle Behälter und Kuchenformen gehen nach der Auslieferung durch die 85 Grad Celsius heiße Waschanlage, an der Christoph Eisoldt arbeitet. © Daniel Schäfer

Da hat sich wegen der Corona-Epidemie nichts verändert. Auch sind die Arbeitszeiten so versetzt, dass es in Sozial- oder Pausenräumen kein Gedränge gibt. Jetzt kommt höchstens noch Mundschutz hinzu, wo sich mal ein paar Kollegen näher kommen. In der weitläufigen Produktions-Halle ist das aber kaum der Fall. 

Dennoch geht auch hier der Chef vorbildlich voran und hat seinen Mundschutz immer dabei. Für die Beschäftigten hatte er 1.000 Stück in Tschechien nähen lassen. Das hatte eine Mitarbeiterin von dort vermittelt.

Grenzen als wirtschaftlicher Hemmschuh

Doch das Pendeln zwischen den beiden EU-Staaten ist jetzt nicht mehr möglich. Tschechien hat die Grenze dafür geschlossen. Für Arko ein Unding. Denn schließlich gelte das Arbeitnehmerfreizügigkeitsgesetz ja trotz Krise weiter. Das müsse für Pandemie-Fälle unbedingt überarbeitet werden, wünscht er sich für die Zukunft. 

Für einige Beschäftigte aus Tschechien hat er Ferienwohnungen nahe der Arbeitsorte organisiert. Nach drei Wochen sehnen sie sich nach ihren Familien und Freunden. Bei einer Rückkehr müssten sie aber 14 Tage in Quarantäne. "Das ist immenser Planungsaufwand", sagt er.

Zumal das Unternehmen auch nicht weiß, wann der Café-Betrieb an den Standorten wieder aufgenommen werden kann. Größere Bäckereien wie Schmidt haben mehr als zehn Beschäftigte und sind so vom Hilfs-Zuschuss des Bundes ausgeschlossen. Der Freistaat hat größeren Betrieben günstige Darlehen angeboten.

Selbst die Bäcker-Stände auf Marktplätzen laufen nicht mehr wie gewohnt. Weniger Anbieter müssen weiter voneinander entfernt stehen. Weniger Kunden dürfen auf den Platz. In der Sächsischen Schweiz und Dresden kommt hinzu, dass Touristen fehlen. 

Die Landbäckerei schätzt, dass allein der normale Absatz von Brot und Brötchen etwa um zehn Prozent zurückgegangen ist. Die Cafés bringen gar nichts mehr ein und bei der eigenen Eis-Produktion sieht es ähnlich aus. Die Fixkosten bleiben aber. "Wenn das noch zwei Monate so geht, wird es schwierig", sagt John Arko.

Was sich zukünftig ändern sollte

Für zukünftige Krisen würde er sich auch wünschen, dass es eine zentrale Ansprechstelle für Unternehmen gibt. "Wir können nur recherchieren und suchen, um Informationen zu bekommen", sagt Michaela Völker, die Vertretung der Geschäftsleitung. Dankbar ist sie, dass im Bäcker-Brief der Innung oder von der Handwerkskammer etwas veröffentlicht wird. Doch die Lage ändert sich so rasant, dass man kaum hinterher kommt.

Deshalb bedankt sich die Unternehmensleitung bei den 307 Beschäftigten, dass sie so gut mitziehen. Allein in der Zentrale in Leupoldishain sind es 120. "Es gibt jetzt so viele neue Regeln, die von jetzt auf gleich umgesetzt werden sollen, das ist für unsere Beschäftigten schon belastend", sagt Mitinhaberin Heike Arko anerkennend. 

Mittlere Unternehmen suchen Unterstützung

Bei Grit Großmann von der Bäckerei Hiekel in Kreischa ist das ähnlich. Allerdings sieht  sich die Inhaberin noch zwischen allen Förderprogrammen sitzen. Das Unternehmen hat etwas mehr als zehn Angestellte. Deshalb gilt für sie der Sofort-Zuschuss des Bundes nicht mehr. Und die Corona-Kredite gibt es erst für Firmen mit mehr als einer Million Euro Jahresumsatz. "So hat man mir das jedenfalls erklärt", sagt sie. Den Umsatz erreicht ihr Unternehmen aber nicht. Jetzt hat sie eine Anfrage bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) laufen, welche Unterstützung denn für Betriebe ihrer Größe vorgesehen ist.

Tatenlos auf die Antwort warten will sie aber nicht und hat mit ihren Beschäftigten besprochen, dass es hilfreich wäre, alle Arbeitsverträge in den Stunden so zu kürzen, dass niemand entlassen werden muss. Denn ihr Café Central in Pirna musste sie schließen. Bedienung an Tischen ist nicht erlaubt. Auch der Außer-Haus-Verkauf hätte nicht gelohnt. "Die Stadt ist doch komplett tot", sagt sie. 

An den Standorten in Kreischa und Dippoldiswalde liefe es etwas besser. "Arbeit ist da. Doch es reicht nicht für alle. Ich möchte aber auch niemanden verlieren oder Einzelne in Kurzarbeit schicken", sagt sie. Das Kurzarbeitergeld müssen Betriebe auch erst mal vorschießen und erhalten es später von der Arbeitsagentur zurück. 

Mit den geänderten Arbeitsverträgen käme sie zwar unter die Größe von zehn Vollzeitstellen und an den Zuschuss des Bundes. Ob das aber an einen einzigen Stichtag gebunden ist oder sich im Laufe der Krise verändern darf, muss noch bestätigt werden. Viel schlimmer sei allerdings die Ungewissheit, dass keiner weiß, wie lange das alles noch dauert. "Und ob die Menschen danach noch so viel Geld für Gastronomie übrig haben wie zuvor", fragt sich  Großmann.

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