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Bei Hitze werden Wespen hungriger

Görlitz. In der Notaufnahme des Klinikums geben sich Patienten mit Insektenstichen derzeit die Klinke in die Hand.

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Von Susan Ehrlich

Da hat der junge Mann noch einmal Glück gehabt. Weil er geistesgegenwärtig den eben getrunkenen Schluck Bier über den Tisch spuckte, blieb ihm das Krankenhaus erspart. Die Wespe, die er mit dem Getränk im Mund gespürt hatte, kam gar nicht erst zum Stechen.

Weniger glücklich ging das Wochenende für andere Görlitzer aus. „Bei mir klingelte fast jede Stunde die Notaufnahme“, sagt Lutz-Uwe Wölfer. 17 Patienten mit Wespenstichen hat der Chefarzt der Hautklinik am Städtischen Klinikum in nur 24 Stunden gezählt. Einige seien mit stärkeren Schwellungen an der Einstichstelle gekommen, für andere wurde der Kontakt mit der Wespe so gefährlich, dass sie auf der Intensivstation landeten.

Grund dafür ist fast immer, dass der Wespenstich im Mund- und Rachenraum geschah oder dass der Patient allergisch auf das Wespengift reagiert. „Manche von ihnen erleben erst jetzt, dass sie Allergiker sind“, sagt Lutz-Uwe Wölfer. Und er weiß auch, woran man eine solche Allergie erkennen kann: an allen Symptomen, die über den Schmerz und gewöhnliche Schwellungen hinausgehen. Wer Hautausschlag bekommt oder Kreislaufprobleme, wer an Magen- und Darmkoliken leidet, ist gefährdet. „Denn die Reaktion auf einen Stich kann von Mal zu Mal schwerer werden und bis zu Atemnot und Bewusstlosigkeit führen“, sagt der Arzt.

Die Aggresivität der Wespen in diesem Jahr schiebt der Allergologe auf den heißen Sommer. „Wespen nehmen die Temperatur der Außenwelt an und werden bei Wärme entsprechend aktiver und hungriger“, erklärt Lutz-Uwe Wölfer. Also gehöre zum A und O der Vorbeugung, Lockstoffe, wie herum stehendes Essen und Getränke, zu vermeiden. „Auch bunte Kleidung zieht Wespen an“, sagt er. Und wer an Papierkörben vorbei geht oder leere Flaschen in die Glasbehälter im Stadtgebiet werfen will, sollte ebenfalls aufpassen: Wo Müll und Abfälle sind, sind auch Wespen.

Wer tatsächlich eine Allergie vermutet, sollte einen Allergologen aufsuchen und sich testen lassen. Immunbehandlungen gibt es auch an der Hautklinik des Görlitzer Klinikums. „Sie werden bei uns stationär eingeleitet und dann fünf Jahre ambulant weitergeführt“, so Chefarzt Wölfer. Die Erfolgsrate liege immerhin bei 95 Prozent.