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Löbau

Bei Hommels herrschen goldige Zeiten

Die Familie macht in Neugersdorf seit neun Jahrzehnten Schmuckstücke mit besonderer Note. Die haben nicht nur in der Oberlausitz Anhänger.  

Meisterstücke aus drei Generationen: Marianne Hommel (rechts) trägt das ihres Mannes, Ring und Kettenanhänger. Den Halsschmuck von Ute Hommel fertigte ebenfalls ihr Mann. Und Ulrich Hommel zeigt das Werk des Geschäftsgründers, eine filigrane Silberschale.
Meisterstücke aus drei Generationen: Marianne Hommel (rechts) trägt das ihres Mannes, Ring und Kettenanhänger. Den Halsschmuck von Ute Hommel fertigte ebenfalls ihr Mann. Und Ulrich Hommel zeigt das Werk des Geschäftsgründers, eine filigrane Silberschale. © Matthias Weber

Treffen sich zwei junge Frauen in Leipzig. Die eine sagt zu der anderen: "Dein Schmuck ist wohl von Hommels?" Darauf die andere: "Deiner aber auch." Ute Hommel lacht und man erkennt auch Stolz, wenn sie von dieser Begebenheit erzählt. Immerhin zeuge das davon, dass die Arbeit ihres Familienbetriebes einen besonderen Stil hat, eine spezielle Handschrift trägt. Ute Hommel führt mit ihrem Mann die Goldschmiede Hommel in Neugersdorf. Seit 90 Jahren ist das Geschäft in Familienhand. Ute und Ulrich Hommel sind die dritte Hommel-Generation in der Goldschmiedewerkstatt. 

Die Handschrift des Hommel-Schmucks prangt an ihrem Hals. Sie trägt das Meisterstück ihres Mannes, einen auffälligen Halsschmuck aus Gelb-und Weißgold mit zwei Edelsteinen, der sich außerdem zur Brosche umfunktionieren lässt. "Mein Mann hat mir das Schmuckstück geschenkt, als er damit seine Prüfung bestanden hatte", erzählt Ute Hommel. "Für die Schublade ist es doch viel zu schade." Auch ihre Mutter hat so ein besonderes Schmuckstück. Marianne Hommel leitete zuvor gemeinsam mit ihrem Mann Rudolf den Familienbetrieb, war über 50 Jahre im Geschäft tätig. Ihr Mann fertigte sein Meisterstück zum Goldschmiedemeister 1959 an, den Ring und den Kettenanhänger von damals trägt Marianne Hommel bis heute zu besonderen Anlässen. 

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Drei Generationen Meisterstücke bewahren die Hommels auf. Auch das Werk des Geschäftsgründers Heinrich Hommel, der sich 1929 selbstständig machte, hat die Familie aufgehoben. "Allerdings ist das nur ein Teil", vermutet Ute Hommel. In Zeiten der Wirtschaftskrise und des Krieges mussten die Goldschmiede oft alles verkaufen, was sie irgendwie zu Geld machen konnten. Dabei verschwand wohl auch ein Teil des Meisterstückes aus dem Familienbesitz. Übrig geblieben ist eine filigran gearbeitete Schale aus Silber, die mit Korallen besetzt ist. 

Mit Gold hatten es die Hommels aber schon deutlich länger als 90 Jahre. "Mein Großvater hat sich mal mit Ahnenforschung beschäftigt", erzählt Ute Hommel. Dabei stellte sich heraus: Schon seit 300 Jahren gehören die Hommels und Gold zusammen. Ihre Vorfahren arbeiteten zum Beispiel als Goldschläger, Münzpräger, Goldschmiede.

Utes Opa Heinrich Hommel war der erste, der sich selbstständig machte. Er kam aus Zwickau nach Neugersdorf. Von einem Edelsteinhändler, mit dem er zusammen arbeitete, bekam er damals den Tipp, dass hier eine Goldschmiede abgegeben wurde. 1936 kam Heinrich Hommel mit seiner Frau nach Neugersdorf und übernahm das Geschäft an der Hauptstraße. Aus der Firma Pitkowsky, wie das Geschäft zuvor hieß, wurde die Goldschmiede Hommel - und blieb es bis heute. Dass dieses Haus eine lange Tradition hat, davon zeugt auch die Einrichtung. Die dunklen Holzmöbel mit schnörkeligen Verzierungen stammen noch aus der Zeit der Hommel-Vorgänger. 

An einer Vitrine steht in goldenen Lettern sogar noch der Name des früheren Inhabers Georg Pitkowsky. Über eine Modernisierung haben Hommels durchaus schon nachgedacht. Aber dann würde der Laden seinen Charakter verlieren, finden Hommels. Sie entschieden sich dagegen, ließen nur Glas-Schiebetüren an den Vitrinen austauschen und eine LED-Beleuchtung installieren, um den Schmuck besser in Szene zu setzen. Alles, was erneuert wurde, passten sie der alten Einrichtung an. 

Hinten, in der Werkstatt steht auch so eine historische Rarität. Die Walzmaschine zum Walzen von Edelmetallen gehörte schon zur Einrichtung, als Heinrich Hommel 1936 das Geschäft übernahm. Sie stammt wohl noch aus dem 19. Jahrhundert, vermuten Hommels. Sie funktioniert bis heute tadellos und auch an der Technik hat sich nichts grundlegendes geändert. "Wenn sie heute eine neue kaufen, sieht die wahrscheinlich genauso aus. Sie hält nur nicht so lange", scherzt Goldschmiedemeister Ulrich Hommel. 

Die Ladeneinrichtung verrät, dass dieses Geschäft eine lange Tradition hat. Sie stammt noch vom Vorgänger Georg Pitkowsky, der hier schon eine Goldschmiede betrieb, bevor Familie Hommel sie 1936 übernahmen. 
Die Ladeneinrichtung verrät, dass dieses Geschäft eine lange Tradition hat. Sie stammt noch vom Vorgänger Georg Pitkowsky, der hier schon eine Goldschmiede betrieb, bevor Familie Hommel sie 1936 übernahmen.  © Matthias Weber

Trotzdem, sagt Ulrich Hommel, müsse man in seiner Branche auch mit der Zeit gehen. Das haben Hommels über die Jahrzehnte getan. Denn Veränderungen gab es immer. Nach der Wende zum Beispiel sei der Ansturm auf industriell gefertigten Schmuck riesig gewesen. Da drehte sich auch bei Hommels vieles um den reinen Verkauf. "Das hat sich wieder gewandelt", erzählt Ulrich Hommel. "Heute wollen die Leute wieder mehr individuellen Schmuck." Davon profitieren der Goldschmied und die Mitarbeiter mit ihrer Kreativität. Mit ihrem ungewöhnlichen Schmuck gehören sie eigentlich in eine Großstadt haben Hommels schon oft gesagt bekommen. Sie wollen aber in Neugersdorf bleiben, in ihrem historischen Lädchen. 

"Die Kunden finden auch so zu uns", sagt Ute Hommel. "Übers Internet gebe es außerdem heute viele Möglichkeiten, sich mit den Kunden auszutauschen, Bestellungen und Sonderwünsche entgegenzunehmen. Sogar im Ausland, zum Beispiel in Moskau haben sie Kunden, erzählt Ute Hommel, die eine waschechte Neugersdorferin ist. Noch ein Grund, dem Oberland treu zu bleiben. Ihren Mann Ulrich lernte sie an der Ostsee kennen. Er stammt aus Brandenburg, aus der Gegend von Neuruppin. Er fand durch die Begegnung nicht nur seine Frau, sondern auch seine Berufung. Denn Ulrich Hommel war ursprünglich gelernter Forstarbeiter. Im Beruf des Goldschmieds, den er durch seine Frau kennenlernte, fand er seine Leidenschaft und schulte um. "Es hat mir einfach Spaß gemacht - und macht es bis heute."

Das Jubiläum 90 Jahre Gold-Hommel feierten Hommels am 16. Juni. In der Jubiläumswoche bis zum 22. Juni gibt es für alle Kunden eine Überraschung. 

Ute (vorn links) und Ulrich Hommel mit ihren Mitarbeiterinnen, Goldschmiedin Cornelia Kreißig (von rechts) und Verkäuferin Silke Adam. Utes Mutter Marianne Hommel (hinten rechts) ist ebenfalls noch regelmäßig im Geschäft anzutreffen. 
Ute (vorn links) und Ulrich Hommel mit ihren Mitarbeiterinnen, Goldschmiedin Cornelia Kreißig (von rechts) und Verkäuferin Silke Adam. Utes Mutter Marianne Hommel (hinten rechts) ist ebenfalls noch regelmäßig im Geschäft anzutreffen.  © Matthias Weber

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