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Bei Meister’s läuft es rund

Der Bautzener Wurst- und Fleischwarenhersteller hat den Absatz gesteigert – und will nun mit einer Wurst für Kinder punkten.

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© Robert Michalk

Von Sebastian Kositz

An diesem Arbeitsplatz geht’s buchstäblich um die Wurst. Mit geübten Bewegungen greifen die beiden Frauen nach dem in Scheiben geschnittenen Nussschinken, den das Band in abgewogenen Portionen in flotter Abfolge herüberbefördert. Geschnitten wird der Schinken beim Bautzener Fleischwarenhersteller Meister’s von der Maschine. Das Einlegen in die Plasteverpackung wird jedoch per Hand erledigt.

Die Frauen und Männer an den Bändern haben reichlich zu tun. Jeden Tag verarbeiten die Mitarbeiter von Meister’s an der Edisonstraße etwa 15 Tonnen Fleisch. Nussschinken und Lendchen, Wiener Würstchen und Knacker, Sülze und Steaks – das Unternehmen aus dem Bautzener Süden hat inzwischen um die 250 verschiedene Produkte im Angebot. Und immer wieder kommt Neues hinzu. Wie etwa die Saurierwürstchen. Eine Wurst für Kinder, mit weniger Salz und Fett, die Meister’s in Kürze in den Handel bringen möchte.

Die neueste Kreation ist in Eigenregie entwickelt worden, wie Marketingverantwortliche Maria Engert stolz erklärt. Weil weniger Salz und Fett hineinkommt, sei die Wurst auch gesünder. Dahinter stecke eine stetig zunehmende entsprechende Erwartungshaltung beim Kunden. „Darauf werden wir künftig auch verstärkt unser Augenmerk legen“, sagt Maria Engert.

Die Verantwortlichen bei Meister’s setzen aber nicht nur bei ihrer Wurst und dem Fleisch auf stetige Innovationen. Im vergangenen Jahr haben sich die Strategen auch Gedanken über die Verpackung gemacht. Schritt für Schritt erhalten die unter der Marke Meister’s abgepackten und vertriebenen Produkte derzeit ein neues Aussehen. Auf dem Etikett wird das Logo jetzt von einer grünen Wiese umsäumt. „Die Aufnahme stammt aus Weifa“, verrät Maria Engert. Gewissermaßen packt jeder Kunde, der in einem Supermarkt zu Wurst und Fleisch aus Bautzen greift, damit künftig immer ein auch sichtbares Stück Oberlausitz mit in den Einkaufswagen.

Die meisten Kunden in Sachsen

„Wir wollen damit zeigen, dass wir aus der Region kommen. Auch darauf kommt es vielen Verbrauchern an“, erklärt Maria Engert. Entsprechend wird ein Großteil der Produktion auch in Sachsen verkauft. Fast jede zweite Scheibe Wurst beziehungsweise jedes zweite Steak landet bei einem Kunden im Freistaat auf dem Teller. Wichtige Märkte sind außerdem Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Darüber hinaus genießen aber auch Menschen in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern Fleisch und Wurst aus Bautzen.

Eher durchwachsen sind die bisherigen Bemühungen, auch im Ausland richtig Fuß zu fassen. Vor eineinhalb Jahren hatte die Geschäftsleitung gehofft, in Tschechien neue Märkte erschließen zu können. Richtig auf den Geschmack gekommen sind die Nachbarn allerdings nicht. „Die Kunden dort mögen fettigere Wurst“, erklärt Maria Engert. Stattdessen schaut Meister’s nun auch nach Polen. Mit Knackern und anderen deftigeren Spezialitäten wollen die Bautzener jenseits der Neiße das Exportgeschäft ankurbeln. Die Ausfuhren ins Ausland machen aktuell vier Prozent des Gesamtumsatzes aus. Bis Ende des Jahres, so zumindest der Wunsch, soll sich die Quote auf bis zu sechseinhalb Prozent erhöhen.

In den vergangenen Monaten konnten die Bautzener die Produktion und den Absatz insgesamt leicht steigern. Auf das Betriebsergebnis hatte das jedoch kaum Auswirkungen. Das lag 2014 knapp unter dem Vorjahresergebnis. Ein Grund dafür: Der Mindestlohn. „Das hat die Kosten für die Löhne um acht Prozent nach oben gedrückt“, sagt Maria Engert. Zugleich lastet aber auch der heftige Preisdruck durch die Handelskonzerne auf dem Unternehmen. Für 2016 wird trotz eines eher verhaltenen Starts ein klares Umsatzplus angepeilt.

Aktuell sind bei Meister’s insgesamt 83 Mitarbeiter beschäftigt. Dazu gehören allerdings nur zwei Lehrlinge. Die Suche nach dem Nachwuchs gestaltet sich auch in der Fleischbranche schwierig, obendrein besteht auch hier das Problem der immer älter werdenden Belegschaft. „Entsprechend haben Lehrlinge bei uns dann gute Chancen, im Unternehmen voranzukommen“, sagt Maria Engert.

Für den körperlich schweren Job an der Verpackungsanlage, wo durchweg Temperaturen zwischen null und zwei Grad Celsius herrschen, finden sich inzwischen schon gar keine deutschen Mitarbeiter mehr. Die Frauen und Männer, die hier im Zweischichtsystem arbeiten, kommen zumeist aus Rumänien.