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Bei schlechter Sicht gilt: runter vom Gaspedal

SZ und Polizei beantworten an dieser Stelle Leserfragen zum Straßenverkehr. Heute: Fahren bei Nebel

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Dass auch der Winter die Kraftfahrer mit dichtem Nebel überraschen kann, bewies der Dezember ebenso eindrucksvoll wie die vergangenen Tage. Mehrere Leser wollten wissen: Gibt es eine Pflicht zum Einschalten der Nebelscheinwerfer? Anrufer schilderten ihre Verwunderung darüber, dass ihnen bei nur sehr geringer Sicht viele Autos ohne jegliche Beleuchtung entgegenkamen.

Letztere Feststellung hat auch die Polizei getroffen: Viele Fahrzeugführer verhalten sich bei Nebel leichtsinnig, bestätigt Oberkommissar Demme vom Revier Görlitz. Eine Pflicht, Nebelscheinwerfer anzuschalten, gibt es allerdings nicht. „Schließlich gibt es noch viele Fahrzeuge, die gar keine solche Lampen haben“, erinnert der Verkehrsexperte. „Das gilt auch für die Nebelschlussleuchte“. Die alte Bauart vom „Nebelschlusslicht auf der einen, Rückfahrscheinwerfer auf der anderen Heckseite“ gilt lange nicht mehr. Heute sind viele Autos schon mit zwei Nebelschlussleuchten ausgestattet. Sie dürfen allerdings erst benutzt werden, wenn Sichtweiten unter 50 Meter herrschen.

Nebelbänke sind gefährlich

Eine der größten Gefahren sind die plötzlich auftretenden Nebelbänke. Mit ihnen muss man vor allem am frühen Morgen rechnen. Nebelscheinwerfer einschalten ist dann statthaft. Generell dürfen diese Leuchten „bei starker Sichtbeeinträchtigung“ (also nicht nur bei Nebel) benutzt werden.

Sichtweiten von 150 Meter und weniger bedeuten eine Beschränkung der Geschwindigkeiten auf Autobahnen. Empfohlen werden maximal 100 km/h. Ab 100 Meter Sicht muss auch auf den Landstraßen langsamer gefahren werden (empfohlen sind hier 80 km/h). Bei unter 50 Meter Sicht ist der Verkehr generell stark beeinträchtigt, dann darf nur noch höchstens 50 km/h gefahren werden.

Abstand ist sehr wichtig

Nebel beeinflusst allerdings die Tempo-Wahrnehmung des Fahrers, so dass dieser den Eindruck hat, er fahre langsamer, als es tatsächlich der Fall ist. Also: Bei Nebel auch mal öfter auf den Tacho schauen. Auch die nebelbedingte Feuchte der Fahrbahn kann zu gefährlichen Situationen führen, da die Bremsverzögerung herabgesetzt wird. Die Grundregel sollte aber immer sein: „Sehen und gesehen werden.“ Deshalb muss man bei Nebel rechtzeitig zumindest das Abblendlicht anschalten. Zum Thema Nebel noch ein paar Tipps in aller Kürze: Früh immer mit Nebel rechnen, also nicht „auf den letzten Pfiff“ losfahren. – Immer genügend Abstand zum Vordermann halten. – Bei Einfahrt in Nebelbänke keine heftigen Bremsmanöver durchführen, da sonst der Hintermann unter Umständen auffährt. – Orientierungshilfen nutzen (Fahrbahnmarkierungen, Leitpfosten und Rücklicht des Vordermannes beobachten). – Bei Nebel mit Sichtweiten unter 50 Meter gilt für alle Kraftfahrzeuge über 7,5 Tonnen generell Überholverbot. – Verschmutzte Scheiben und Lampen vor Fahrtantritt reinigen und dies in regelmäßigen Abständen auch wiederholen. – Scheibenwischer einschalten, um die Scheibe klar zu halten.

Notiert von Ralph Schermann

Weitere Fragen: SZ, An der Frauenkirche 12, 02826 Görlitz, Telefon 03581/47105250