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Bei Schmucksteinen wird jede Frau zur Elster

Mittelalterliches Spektakel auf dem Großenhainer Schlossplatz begeistert Groß und Klein.

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Von Julia Polony

„Im Keller könnt ihr saufen, im Graben könnt ihr schlafen“, sagt die Fürstin zum Volk und wendet sich zu Schultheiss Burkhard Müller. Er erhebt den Tonbecher und nimmt einen großen Schluck. „Das Fest ist eröffnet. „Habt Spaß und lasst viel Geld hier“, ruft er seinen Untertanen zu. Und das Volk tat wie ihm geheißen. Groß und Klein bummelten zwischen den Ständen von Handwerkern, Krämern und Kaufleuten hindurch und stärkten sich mit Hanffladen, Spießbraten oder Rahmflecken. In historischem Gewand eröffnete der Großenhainer Bürgermeister Burkhard Müller am Freitagabend gemeinsam mit den Schmierenkomödianten Rokus Kokus den Mittelaltermarkt am Schloss Großenhain. Es ist der Höhepunkt des Festjahres der 800-jährigen Röderstadt. Die Erwachsenen kosteten sich durch allerlei selbst gebraute Elixiere, bestaunten Suppenlöffel in Größe XXL und andere Küchengegenstände aus Holz oder schnüffelten an Mohnblumen, Lavendel und Pfefferminze.

Die Kinder fanden im Schlossgraben jede Menge Beschäftigung und Interessantes zu entdecken. So konnten sie sich im Pfeil- und Bogenschießen testen, aus Naturhölzern und Steinen kleine Instrumente basteln oder einer Seilerin über die Schultern schauen.

Am Stand von Christian Schöne wird jede Frau zur Elster. Das meint zumindest eine Besucherin, die die eingefassten Edelsteine neugierig beäugt. Der Coswiger Schmied schlägt mit einem Hammer geschickt auf ein Stück Kupferdraht ein und zeigt, wie mit einer alten Eisenschmiede und dem nötigen Werkzeug kleine Broschen und Anhänger entstehen. Eher eine Männerdomäne war das Pfeil- und Bogenschießen im Schlossgraben. Mit hilfreichen Tipps und kleinen Kniffen vom Fachmann konnte jeder seine Zielsicherheit testen. Wie aus dem Mittelalter entsprungen sah auch ein Falkner aus, der mit seinem Greifvogel einige Kunststückchen vorführte. Doch selbst der bestausgebildet Falke streikt, wenn es ihm zu warm wird. Und statt von seiner Sitzstange zurück auf die Hand des Falkners zu fliegen, zieht er krächzend den Gang über die kühle Schlossmauer vor. „Mecker nicht!“, sagt der Falkner zu dem Tier, „Mir ist auch warm.“ Die umstehenden Leute amüsierten sich über das ungewöhnliche Paar und feierten noch bis in die Nacht mit den Kaufleuten und Scharlatanen.

Impressionen vom Festumzug auf S. 11.