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Bei Weißwassers ältester Trainerin

Trotz ihrer 80 Jahre ist Erika Noack noch immer voller Energie. Die gibt sie beim PSV gerne an die Kinder weiter.

Von Constanze Knappe
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Seit 1970 trainiert Erika Noack (Bildmitte) die Akrobaten des Polizeisportvereins Weißwasser. Unter ihrer Anleitung bereiten sich Evelin und Leni (links), Maxi und Veronika (rechts) auf einen Auftritt am 14. Dezember im Turnerheim Weißwasser vor.
Seit 1970 trainiert Erika Noack (Bildmitte) die Akrobaten des Polizeisportvereins Weißwasser. Unter ihrer Anleitung bereiten sich Evelin und Leni (links), Maxi und Veronika (rechts) auf einen Auftritt am 14. Dezember im Turnerheim Weißwasser vor. © Foto: Joachim Rehle

Weißwasser. Wenn man sich bewegt, bleibt man beweglich. Wie viel Wahrheit in der Binsenweisheit steckt, weiß wohl kaum jemand besser als Erika Noack. Weißwassers älteste Trainerin ist 80 geworden! Und das sieht man ihr ganz und gar nicht an.

Seit dem 1. September 1970 trainiert sie die Akrobatengruppe des Polizeisportvereins (PSV) Weißwasser. Als eine von vier Übungsleiterinnen hat sie zurzeit 23 Mädchen zwischen 5 und 16 Jahren unter ihren Fittichen, darunter ein Mädchen aus Syrien. Trainiert wird montags und mittwochs jeweils 16 bis 18 Uhr in der Sporthalle an der Brunnenstraße. Nach der Erwärmung sind Hebefiguren und Pyramiden dran. Was so leicht aussieht, erfordert Kraft, Geschicklichkeit und den Ehrgeiz, im Sport etwas erreichen zu wollen. Ein bisschen schade findet es Erika Noack, dass sich kaum Jungs für Akrobatik begeistern. Die es gelegentlich versuchen wollten, waren noch zu jung, um „standfeste Untermänner“ zu sein. Und so allein unter Mädels hätte es auch keiner für lange ausgehalten, erzählt die Trainerin.

Sie selbst kam einst dazu, weil sie ihre Tochter in einer Sportgruppe unterbringen wollte. Ungefähr sechs Jahre alt sei ihre Petra da gewesen. Erika Noack erzählt von Günther Standfuß: Der hatte in den 50er-Jahren die Akrobatik in Weißwasser aufgebaut. Weil man als Übungsleiter in diesem Sport mehrere Kinder schlecht alleine betreuen kann, half Erika Noack hin und wieder bei den Kleinen aus. So wuchs sie hinein in Trainingsbetrieb und Auftritte. Als Günther Standfuß Mitte der 80er-Jahre aufhörte, stand die Frage: Wie weiter mit den 30 Kindern? Erika Noack wollte sie nicht im Stich lassen – und blieb.

Bis heute von Akrobatik fasziniert

Mittlerweile bringen Mädels, die einst bei ihr trainierten, Kinder und Enkelkinder zum Training. Darüber freut sich die Übungsleiterin, die mit ihren Schützlingen gerade den nächsten Auftritt vorbereitet. Akrobatik gefällt ihr noch immer wie am ersten Tag. „Es ist ein kraftraubender Sport, aber auf der Bühne sehr schön anzusehen“, begründet sie und man hört ihre Begeisterung heraus. Nicht jeder schaffe es in den Leistungssport. Aber auch für alle anderen Kinder sei es wichtig, sich regelmäßig zu bewegen. Und wenn ihre Schützlinge in der Schule für den Handstand eine Eins bekommen, dann ist auch sie ein ganz klein bisschen stolz.

Sie selber spielte einst Handball, dann Volleyball. Danach hat sie 59 Jahre gekegelt. Sie war Bezirksmeisterin und durfte an den DDR-Meisterschaften teilnehmen. Zu mehr als Rang 10 hat es dort aber nicht gereicht. Sie sagt das ohne Groll. Schließlich sei die Nationalmannschaft dabei gewesen. Über die Jahre war es nicht ganz einfach, Sport und Familie unter einen Hut zu bringen. Sie erzählt von ihrem vor Jahren verstorbenen Mann, der einst selber Handball spielte und auch für ihren Sport viel Verständnis aufbrachte. Nach der Wende trat sie als Sachsenmeisterin einmal bei den Deutschen Meisterschaften an. Da war sie schon 70 und sportlich in einer Seniorenklasse unterwegs. Vor zwei Jahren hat sie das aktive Kegeln aufgeben müssen. Der Akrobatik aber ist sie bis heute treu.

Erika Noack ist in Weißwasser geboren und gelernte Feinschleiferin. Anfang der 50er-Jahre habe es hierzulande nicht so viel Auswahl gegeben, sagt sie. Und dass ihre Mutti froh gewesen sei, dass sie überhaupt unterkam. Nachdem Tochter Petra geboren war, blieb Erika Noack zu Hause. Das Kind wurde in die damalige Schule 2 in Weißwasser eingeschult.

Als Hortbetreuerin tätig

Der Zufall wollte es, dass sie im Hort aushelfen konnte. Viele Jahre arbeitete sie daraufhin zur Hortbetreuung im Frühdienst (die Einrichtung hatte ja schon ab 6 Uhr geöffnet) und beaufsichtigte die Kinder bei den Hausaufgaben am Nachmittag, sprang auch als Vertretung für erkrankte Erzieherinnen ein. Als Anfang der 90er-Jahre die Entlassungswelle durch Kindereinrichtungen rollte, traf es auch sie als Ungelernte. Mit einigen früheren Kolleginnen trifft sie sich aber noch heute manchmal.

Sport und Bewegung haben ihr geholfen, dass sie weitgehend fit ist. Erika Noack fährt noch Fahrrad, betut sich im Garten. Froh ist sie darüber, dass die Familie in der Nähe lebt – die Enkel und die beiden Urenkel: ein Junge (5) und ein Mädel (3). „Die wollen schon Handstand und «Schubkarre» machen“, sagt die Uroma schmunzelnd.

Vor drei Jahren hat Erika Noack im Polizeisportverein die Leitung der Abteilung abgegeben. Dass sie die älteste Trainerin von Weißwasser ist, hat sie überrascht. Die 80-Jährige wirkt immer, als habe sie gerade selbst eine Übung beendet „Ich habe nicht die Absicht, von heute auf morgen aufzuhören“, sagt sie. Dass sie dem PSV noch lange erhalten bleibt, darauf hoffen ihre Mitstreiter – und zusammen mit ihr, dass nach einem der Auftritte jemand so begeistert ist wie sie und sich als dringend benötigter Sponsor meldet. Am 14. Dezember zeigen die PSV-Akrobatinnen im Rahmenprogramm eines Ringerwettkampfs im Turnerheim in Weißwasser ihr Können.