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Löbau

Beiersdorfer bauen sich ein Dorfzentrum 

Ein Verein macht das Schützenhaus wieder schick. Jetzt ist die Außenfläche dran, ein Dorfplatz soll entstehen. Hier kann man künftig nicht bloß Autos parken. 

Jörg Kasper von der IG Schützenhaus steckt mit anderen Mitstreitern viel Arbeit in das neue Dorfzentrum.
Jörg Kasper von der IG Schützenhaus steckt mit anderen Mitstreitern viel Arbeit in das neue Dorfzentrum. © Matthias Weber

Was macht das Leben auf dem Dorf eigentlich aus? Klar, die Gemeinschaft - da ist sich auch Jörg Kasper aus Beiersdorf sicher. Was aber, wenn es keinen Platz gibt, wo man diese Gemeinschaft pflegen kann? So war es auch in Beiersdorf. Den geselligen Dorfbewohnern fehlte es an einem Gemeinschaftshaus. Also packten sie selbst an - und schafften sich eines. 

Im Ort gibt es das Schützenhaus, das schon seit dem 19. Jahrhundert an der Löbauer Straße gegenüber vom Feuerwehrdepot steht. Doch der Zustand des Gebäudes war miserabel. "Unter dem ehemaligen Bürgermeister sollte es sogar abgerissen werden", erinnert sich Jörg Kasper. Er ist Mitstreiter der Interessengemeinschaft (IG) Schützenhaus. Weil der Gemeinde für eine Renovierung das Geld  fehlte, fand sich vor ein paar Jahren eine Gruppe Engagierter zusammen, die dem Verfall nicht weiter zusehen wollten. Inzwischen ist aus der Gruppe ein eingetragener Verein geworden. 

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Mit dem Haus selbst sind die Mitstreiter der IG Schützenhaus schon gut vorangekommen. Seit mehreren Jahren wird in Abschnitten saniert und renoviert. Jede Menge Arbeitsstunden der 25 Freiwilligen stecken in dem Gebäude. Inzwischen ist ein neues Dach drauf, die Statik gesichert, der Innenausbau hat begonnen. Innen bauten die Vereinsmitglieder unter anderem Theken ein für den Barbetrieb. Den übernehmen sie bei regelmäßigen Tanzveranstaltungen, die sie organisieren, selbst. Der Frühjahrs- und der Kirmestanz sind die wichtigen Einnahmequellen für den Verein. 

Nun sind unübersehbar auch draußen Bauarbeiten im Gange. Große Berge Baumaterial türmen sich vor dem Schützenhaus. Der Patz selbst gleicht einer großen Baugrube. Die Gemeinde lässt jetzt den Vorplatz gestalten, ein Dorfplatz soll hier entstehen, bestätigt Bürgermeister Hagen Kettmann (parteilos). 

In der neuen Dorfmitte vor dem Schützenhaus sollen unter anderem Parkplätze entstehen für die Arztpraxis nebenan. Strom wird verlegt, damit der Platz auch für Feste genutzt werden kann. "Wir machen hier ja auch den Beiersdorfer Weihnachtsmarkt. Und da werden Elektroanschlüsse gebraucht", so Jörg Kasper. Und mitten auf den Platz soll eine Linde gepflanzt werden mit einer Bank drumherum. Die Dorflinde - das hat Tradition in der Oberlausitz. "Früher wurde oft die Krone auch so verschnitten, dass sie wie ein Dach wuchs. Dann wurde zu Dorffesten darunter getanzt", erzählt Jörg Kasper.

In diesem Jahr bekam die Gemeinde über das Leader-Programm, ein Förderprogramm für die ländliche Entwicklung, erstmals eine große Summe für das Schützenhaus. 100.000 Euro standen zur Verfügung. Davon wurde die Statik verbessert, große Stützpfeiler im Saal wurden ausgetauscht. Außerdem soll die Fassade neu verklinkert werden. Der Saal wurde innen neu verputzt, nachdem die Vereinsmitglieder in Eigenleistung den alten Putz abgehackt hatten. In der nächsten Woche sollen die Maler kommen und die Wände im Veranstaltungssaal streichen. Auch das alte Parkett wird wieder aufgearbeitet.

Zuvor werden aber am Sonnabend die Beiersdorfer ABC-Schützen hier ihre Schuleintrittsfeier haben. "Das Haus ist voll in Betrieb", sagt Kasper. Nur ein Vierteljahr war zwischendurch mal dicht, als es gar nicht anders ging. Denn das Schützenhaus wird gebraucht als Treff in Beiersdorf. Es ist Tanzsaal, Versammlungsraum und Partyraum, wird oft für Familienfeiern gemietet. Bis zu 200 Personen passen rein. Und am 1. September wird das Schützenhaus wieder Wahllokal sein. 

Im nächsten Jahr hoffen die Beiersdorfer, noch einmal einen Zuschuss zu bekommen. Damit wollen sie die historische Ansicht des Schützenhauses wieder herstellen. Auf alten Fotos ist zu erkennen, dass es in Richtung Löbauer Straße und Vorplatz einen kleinen Anbau an das Schützenhaus gab. Den wollen die Beiersdorfer gern wieder errichten. 

So wie die Beiersdorfer es jetzt machen, wurde am Schützenhaus schon immer Stück für Stück gewerkelt, gebaut und erweitert. Zunächst war es nämlich nur als offener Schießstand vom Schützenverein errichtet worden. Das war 1879. Später wurde es mit Brettern verkleidet, sodass ein geschlossener Raum entstand. Nach und nach wurde es ein richtiges Haus. "Zu DDR-Zeiten gab es hier Kino-Vorführungen, deswegen wurde eine spezielle Akustikdecke eingebaut", erzählt Jörg Kasper. Sie ist bis heute erhalten geblieben. 

Außerdem hofft Jörg Kasper, dass es auch mit dem Kretscham vorangeht, damit der Platz insgesamt künftig ein schönes Bild abgibt. Der liegt direkt neben dem Schützenhaus, ebenfalls am zukünftigen Dorfplatz. Das ehemalige Hotel, das seit Jahren nicht mehr in Betrieb ist, ist in Privatbesitz. Aber auch hier haben erste Bauarbeiten am Gebäude begonnen. 

Die historischen Ansicht des Schützenhauses zeigt, dass es früher einen Anbau an der Straßenseite gab. So soll es wieder aussehen. 
Die historischen Ansicht des Schützenhauses zeigt, dass es früher einen Anbau an der Straßenseite gab. So soll es wieder aussehen.  © privat/Repro: SZ

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