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Alexa: Öffne die Bar

Benjamin Stamer aus Beiersdorf hat ein außergewöhnliches Möbelstück kreiert. Das reagiert auf digitale Befehle. Vielleicht macht das auch bald der Kühlschrank.

Benjamin Stamer hat seinen Meisterbrief in der Tasche. Sein Meisterstück, eine Bar, wird mit modernster Technik ferngesteuert.
Benjamin Stamer hat seinen Meisterbrief in der Tasche. Sein Meisterstück, eine Bar, wird mit modernster Technik ferngesteuert. © Foto: Handwerkskammer Dresden/Matthias Ander

Wie von Zauberhand öffnen sich die Türen. Ohne, dass Benjamin Stamer den Schrank berührt. Der 28-Jährige tippt auf seinem Smartphone – und nun geht auch noch das Licht an.

Der Beiersdorfer hat ein ganz außergewöhnliches Möbel kreiert. Das gute Stück braucht auch keine Griffe. Eine Bar, die per App abschließbar ist. 172 Stunden Arbeitszeit stecken in dem besonderen Schrank. Sein Meisterstück. Zu steuern mit moderner Technik. „Türen und Fächer öffnen per App. Möglich ist das auch mit einer Sprachsteuerung von Alexa“, sagt er. Alkoholische Getränke und teure Gläser seien so vor fremdem Zugriff bestens geschützt.

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Benjamin Stamer gehört zu zehn Tischlern, die jetzt von der Handwerkskammer Dresden ihre Meisterurkunden erhielten. Bei einer Ausstellung in der Messe Dresden präsentierten die frischgebackenen Handwerksmeister geladenen Gästen ihre Meisterstücke – darunter das Barmöbel aus der Oberlausitz. 

In den letzten zwölf Monaten absolvierten Benjamin Stamer und seine Kollegen beim Bildungszentrum des Handwerks ihren Vollzeitkurs für den Meisterabschluss. „Corona wirbelte zwar alles ein wenig durcheinander und eine Woche Schulausbildung fehlte“, sagt der Vater eines neunjährigen Sohnes. Allerdings konnte die Woche nachgeholt werden, die Prüfung trotz der Pandemie stattfinden. 

Eine „Zitterpartie“ war das für Benjamin Stamer trotzdem. Denn die Zeit drängte. Sein erster Entwurf für die Meisterprüfung – eine Couch mit Tisch – wurde von der Kammer abgelehnt. Innerhalb von vier Tagen musste eine neue Idee wachsen. Die ferngesteuerte Bar hatte der junge Mann bereits seit Längerem in der gedanklichen Schublade. Dass das Möbel auf so gute Resonanz bei der Handwerkskammer stieß, freut ihn sehr.

Zurück in den Betrieb nach Löbau

Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, lobte die neuen Tischlermeister bei der Verleihung der Urkunden. Mit ihren Stücken hätten die jungen Leute gezeigt, welche große Bedeutung die Kreativität im Handwerk hat und welche Möglichkeiten das Handwerk bietet. „Für ihre Zukunft sind sie mit dem Meisterbrief nun bestens gerüstet“, so Andreas Brzezinski.

Mit dem Abschluss in der Tasche will sich Benjamin Stamer nicht selbstständig machen. „Ich gehe in meinen alten Betrieb, die Hein-Pohle-Objekteinrichtung GmbH, zurück“, sagt er. Dort in Löbau möchte der Tischlermeister nach der Ausbildung wieder Fuß fassen.

Dem Oberlausitzer wurde die Liebe zum Handwerk quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater und sein Onkel sind ebenfalls Tischler. Nach einer Lehre in einer Bautischlerei in Neusalza-Spremberg arbeitete Stamer in einer Möbeltischlerei. „Wir stellten da auch Möbel für Yachten wie Betten und Schränke her“, sagt er. Ursprünglich gelernt hat der junge Mann Bautischler. Sein Gesellenstück: Eine Rundbogenhaustür mit zwei runden Fenstern. Das Meisterstück ist nun noch mal ein besonderes Kaliber. Selbst erfunden hat er die Apps nicht. „Die gibt es vom Hersteller“, erklärt er. Allerdings sei die Benutzung noch etwas umständlich, da zwei solcher Programme benötigt werden. „Ich möchte gern noch eine eigene App entwickeln, mit der Licht und das Verschließen der Türen zusammen gesteuert werden können“, blickt Benjamin Stamer in die Zukunft. 

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Auf Interesse stößt die App-Bar allemal. Erste Anfragen aus dem Bekanntenkreis habe es bereits gegeben. Wenn sich ein Käufer findet, wird der Tischlermeister das gute Stück auch verkaufen. 8.600 Euro kostet die App-Bar. Neben der Arbeitszeit steckt auch die Entwicklungszeit und mehr an Aufwand und Material dahinter. „Aber erst einmal wird die Bar bei mir oder bei meinen Eltern stehen“, sagt er. So oder so kann sich Benjamin Stamer vorstellen, sein Zuhause technisch aufzurüsten. Büromöbel oder Aktenschränke ließen sich so gut verschließen. „Sogar für den Kühlschrank ist das möglich“, erzählt er.

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