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Beiersdorfer spenden 35 000 Euro fürs Schützenhaus

Das Gebäude muss saniert werden. Doch obwohl jetzt viel Geld da ist, stocken die Pläne.

Von Carina Brestrich

Zurück in die Heimat!

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Wenn’s um Geld geht, lassen sich die Beiersdorfer nicht gern unter Druck setzen. Das marode Schützenhaus im Ort ist dafür der beste Beweis. Das gemeindeeigene Veranstaltungshaus an der Beiersdorfer Hauptstraße ist seit vielen Jahren sanierungsbedürftig, stand eigentlich schon leer – bis vor vier Jahren Hagen Kettmann und mehrere andere Beiersdorfer die Interessengemeinschaft (IG) Schützenhaus gründeten. Weil die Gemeinde kaum Geld für das Schützenhaus beisteuern kann, bringen sie das Gebäude Stück für Stück selbst auf Vordermann. Große Unterstützung erhalten die Schützenhausfreunde dabei jetzt auch aus der Bevölkerung.

Denn vor Weihnachten startete die IG einen großen Spendenaufruf. Per Brief schreiben sie jeden im Ort an, baten um finanzielle Unterstützung für die weitere Sanierung des 1879 eingeweihten Flachbaus, unter dessen Dach sich auch die Turnhalle befindet. Die Beteiligung war immens: 35 000 Euro sind auf diesem Weg auf dem extra eingerichteten Spendenkonto zusammengekommen. Hagen Kettmann und die 20 anderen IG-Mitglieder sind überwältigt von der großen Spendenbereitschaft: „Das zeigt, dass den Beiersdorfern das Schützenhaus nicht egal ist“, sagt er. Und dass sie bereit sind, für das Gebäude Geld zu geben.

Ein etwas anderes Bild zeigte sich im vergangenen Jahr. Um Fördermittel für die Sanierung zu bekommen, sollten sich alle Beiersdorfer Grundstücksbesitzer mit eigenen Beiträgen am Ausbau beteiligen. Rechtlich möglich gewesen wäre dieses Finanzierungsmodell durch das sogenannte Flurneuordnungsverfahren, an dem sich Beiersdorf seit 1997 als eine von wenigen Kommunen im Landkreis beteiligt. Ziel des Verfahrens ist, unter anderem durch die Neuaufteilung von Flurstücken das Leben auf dem Land attraktiver zu gestalten.

Schließlich aber sprachen sich die Beiersdorfer bei einer Abstimmung gegen diese Idee aus. Ein Ergebnis, dass die IG nach wie vor begrüßt. Nicht nur, weil sie eine Sanierung auf Kosten aller Bürger ablehnt, sondern auch, weil das Vorhaben mit geschätzten Kosten von 620 000 Euro überdimensioniert gewesen sei. Eine Sanierung sei stattdessen zu einer weitaus kleineren Summe möglich, ist die IG überzeugt: „Es geht nicht darum, ein Schloss aus dem Schützenhaus zu machen“, kommentiert Hagen Kettmann. So würden 185 000 Euro reichen, um das Dach und die tragenden Stützen statisch fachgerecht zu verstärken, die Fassade aufzuarbeiten und dem Saal frische Farbe zu verleihen.

Um diesen Plan B umsetzen zu können, setzte die IG wiederum auf die Hilfe der Flurneuordnungsbehörde. Diese hatte nach dem Ausgang der Abstimmung angeboten, für die abgespeckte Sanierungsvariante eine Unterstützung durch Fördermittel zu prüfen – diesmal ohne Zwangsabgabe der Bürger. Vielmehr setzte die IG auf Freiwilligkeit: „Durch die Spendenaktion wollten wir die nötigen Eigenmittel zusammenbekommen“, sagt Hagen Kettmann.

Doch obwohl bei der IG die Freude über die Spendenerfolg groß ist, bekommt die Stimmung unterdessen wieder einen Dämpfer. Denn die Sanierungspläne geraten erneut ins Stocken. Die Flurneuordnungsbehörde kann für die abgespeckten Pläne keine Fördermittel in Aussicht stellen. „Der Freistaat hat im Dezember die Richtlinie zur Förderung geändert“, erklärt Steffen Schneider. Damit lassen sich Projekte wie das Schützenhaus vorerst nicht mehr mit Fördergeldern unterstützen.

Stattdessen will die IG nun nach anderen Fördertöpfen Ausschau halten. So werde sie versuchen, EU-Mittel aus dem Programm zur ländlichen Entwicklung zu ergattern. Das Programm, das bisher unter der Abkürzung „Ile“ bekannt war, geht jetzt in eine neue Runde, Beiersdorf und die anderen Kommunen warten auf das Startsignal. „Wir lassen uns auf jeden Fall nicht entmutigen“, stellt Hagen Kettmann klar. Immerhin habe man eine Verpflichtung gegenüber den Beiersdorfern. Diese nutzen das Schützenhaus nämlich durchaus. Rund 40 Veranstaltungen pro Jahr zählt das Schützenhaus, darunter private Feiern oder Termine der Grundschule. „Damit das Dorfleben nicht einschläft, braucht es einen Treffpunkt“, bekräftigt Kettmann.

Einen Lichtblick gibt es immerhin: Die Chancen stehen nicht schlecht, finanzielle Unterstützung für den Bau eines barrierefreien Zugangs zu bekommen. Vor Kurzem hatte die IG über die Gemeinde einen entsprechenden Antrag gestellt. Die Mitglieder möchten gern an der Giebelseite des Schützenhauses einen rollstuhlgerechten Eingang bauen und eine barrierefreie Toilette installieren, damit auch Menschen mit Handicap das Schützenhaus nutzen können. „Unsere Pläne wurden zumindest schon mal als förderfähig eingestuft“, sagt Hagen Kettmann.

Wer die IG Schützenhaus unterstützen will: Die Mitglieder treffen sich jeden zweiten Montag im Monat, ab 19 Uhr, im Schützenhaus.

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