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Beim ersten Mal erwischt

Sebnitz. Die großenFische fangen die Zöllner an der Autobahn und nicht an der Grenze.

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Von Anja Weber

Was hier geschmuggelt wird, sind nur kleine Mengen. Die großen Fische gehen uns an der Autobahn ins Netz, wenn die Zigaretten aus Polen und der Ukraine geschmuggelt werden“, sagt Wolfgang Sträche. Er ist Chef der Mobilen Kontrollgruppe Pirna.

Das 39-Mann starke Team wurde nach Auflösung der Zollkontrollen an den Grenzen gebildet. Wolfgang Sträche koordiniert die Einsätze in der gesamten Region, begrenzt von Neurehefeld, Steinigtwolmsdorf, der Autobahn A 4 und Dresden. Schwerpunkte sieht Sträche in Altenberg und an der Fähre in Schmilka. Ab und zu steht auch Sebnitz auf dem Plan. Meist schlagen die Beamten ihre Zelte dann am Waldstadion oder am Parkplatz Böhmische Straße auf, beides Einflugschneisen aus Richtung Grenze. An der Böhmischen Straße, nur wenige Meter vom Grenzübergang entfernt, baute die Gruppe letzte Woche ihre Technik auf. Lange musste sie auch nicht auf „Kundschaft“ warten. Der Verkehr ist dicht. Eine roter Mitsubishi rollt aus Richtung Grenze heran. Der Fahrer bekommt die Kelle. „Guten Tag, Zollkontrolle.“ Der Mann am Lenkrad scheint nervös. Das erste Auto und schon ein Erfolg? Zu früh gefreut. Stutzig macht die Beamten nur der kasachische Reisepass des Mannes. „Er kann sich noch bis Herbst hier aufhalten. Also, alles okay.“ Der Mann darf weiter. Und schon steht das nächste Auto bereit. Eine Familie aus Kamenz. Die Kontrolle ist gründlich. Zollbeamter Holger Hardtmann holt einen Klapptisch. „Den haben wir immer dabei, damit die Leute ihre Taschen und Koffer nicht in den Schmutz stellen müssen“, sagt er. Das weiß der 50-jährige Mann aus Kamenz auch zu schätzen. Trotzdem verrät seine Miene, dass er nicht gerade begeistert ist, Koffer und Tasche auszuräumen. Schicht für Schicht soll er hochheben. Eine rosa Tasche und eine weiße Bluse kommen zum Vorschein, Handtücher und ähnliches. Dann muss noch die Tasche ausgepackt werden. Lauter Schuhe. Keine Zigaretten, kein Schnaps. Der Mann kann alles wieder einräumen. „Danke und gute Weiterfahrt“, sagt der Zollbeamte. „Wir kontrollieren vor allem die klassischen Verstecke, wie das Ersatzrad, die Seitenfächer, Stoßstange und Kotflügel. Da findet man mitunter etwas“, erzählt Olaf Kraus. Natürlich gäbe es auch speziell präparierte Autos mit doppeltem Boden. Aber hier in der Region hat er da noch keines gefunden.

Auf der anderen Seite des Parkplatzes wird inzwischen ein grüner Suzuki gefilzt. Die zwei Frauen sind unruhig. Kein Wunder. Unterm Sitz liegen tatsächlich zwei Stangen Marlboro und eine Stange Burton. Die hätten sie nicht mitbringen dürfen, da sie in der Gemeinde Hohwald wohnen.

„Es war der erste Versuch. Der ist schief gegangen“, zuckt die Fahrerin mit den Schultern. Die Zigaretten kann sie abschreiben. „Zwischen 18 und 20 Euro pro Stange müssen jetzt etwa bezahlt werden. Die Zigaretten gibt es nicht zurück. Die werden gesammelt und dann vernichtet“, erklärt Alexander Ehlers. Im mobilen Büro, ausgestattet mit Laptop, Drucker und Kopierer gibt er alle Daten ein.

Die beiden Frauen sind aber die einzigen, die in dieser Zeit beim Schmuggeln erwischt werden. Und nach etwa eineinhalb Stunden wurde der Fahrzeugstrom auch merklich dünner. „Wir werden hier natürlich gesehen, und viele, die sich hier auskennen, fahren dann durch die Stadt zurück, damit sie unsere Kontrollstelle umgehen“, sagt Wolfgang Sträche. Zeit zum Aufbruch. In Bahratal wird die nächste Kontrollstelle aufgebaut.