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Beim Laufen gibt es keine Altersgrenze

Der Herzspezialist Dr. Carsten Nolte schwört auf Sport als Medizin. Er warnt aber auch vor Risiken.

© Eric Münch

Die Sommerzeit ist ideal zum Laufen. Die Landeshauptstadt bietet dafür beste Bedingungen. In der Serie Dresden läuft will die SZ besonders Anfängern, aber auch anderen Hobbyläufern Tipps geben, wie sie ihre ersten und noch viele weitere Kilometer gut bewältigen. Der Dresdner Internist und Kardiologe Dr. Carsten Nolte hilft Sportlern oft auch in kritischen Fällen.

Herr Dr. Nolte, Sie laufen auch als 54-Jähriger noch. Melden sich da Ihre Gelenke?

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Nein. Sie hatten sich aber eine Zeit lang gemeldet. Ich hatte große Rückenschmerzen und auch große Probleme mit beiden Achillesfersen. Dadurch hat mir das Laufen wenig Spaß gemacht. Inzwischen habe ich meinen Rumpf sehr stark trainiert und mich regelmäßig gedehnt. Meine Rücken- und auch Bauchmuskulaturen sind stark geworden. Insofern kann ich meinen Patienten aus eigener Erfahrung sagen, was sie falsch gemacht haben, wenn sie über diese Beschwerden klagen.

Was reizt Sie an diesem Sport?

Dass ich überall laufen kann. Ich bin ein großer Naturfreund. Ich laufe phasenweise sehr gern allein, teilweise in der Nacht, teilweise in den frühen Morgenstunden. Dabei habe ich die Augen auch sehr weit offen, genieße die Natur und versuche sie auch zu fühlen – mit dem Atem, der Temperatur und dem Wetter. Es macht mir viel Spaß, mich dort als Teil der Natur zu bewegen.

Gibt es das ideale Alter für den Start ins Läuferleben?

Ein ideales Alter gibt es nicht. Ich kenne viele junge, tolle Läufer, die auch schon zehn, fünfzehn oder zwanzig Kilometer laufen. Ich kenne auch ältere Läufer, die mit 75 wieder anfangen zu laufen und beeindruckende Leistungen abliefern.

…und eine Altersgrenze?

Ich sehe keine.

Also könnte ein gesunder 80-Jähriger auch noch laufen?

Selbstverständlich.

Viele entschließen sich in der wärmeren Jahreszeit, regelmäßig zu trainieren. Was sollten angehende Freizeitläufer beachten?

Sie sollten sehr darauf achten, sich vorher ordentlich untersuchen zu lassen. Außerdem sollten sie genügend trinken, nicht mit zu langen Strecken beginnen und sich vorher ordentlich warm machen.

Wie ist die richtige Ernährung?

Das ist sehr individuell. Es hängt davon ab, mit welchen Voraussetzungen man beginnt. Empfehlenswert ist eine Ernährung aus vorwiegend natürlichen und frischen Lebensmitteln. Dazu zählen beispielsweise frisches Obst und Gemüse, bevorzugt aus biologischem Anbau oder aus eigener Ernte; Vollkorngetreide, Reis, Samen, Nüsse und ausgewählte hochqualitative tierische Produkte. Weitgehend vermieden werden sollten industriell verarbeitete Fertigprodukte, Softdrinks und raffinierter Zucker.

Der Körper braucht mehr Vitamine und Mineralstoffe. Was ist besonders nötig?

Um im Winter die Schleimhäute zu stabilisieren, ist Zink eine gute Hilfe. Viele Leute, die tagsüber im Büro sitzen, brauchen Vitamin D, um weniger Erkältungen zu bekommen. Wichtig ist, nicht nur Magnesium einzunehmen, sondern auch Salz. Das schwitzt man beim Laufen schnell aus.

Welche gesundheitlichen Effekte bringt dieser Sport?

Laufsport hat viele Effekte. Erstens wird die Konzentrationsfähigkeit deutlich besser. Beim Laufen wird ein spezieller Stoff freigesetzt, der die Aktivität und Qualität der Hirnzellen verbessert. Das Zweite ist, dass die Herzfrequenz durchs Lauftraining sinkt. Dadurch wird die Variabilität der Herzfrequenz erhöht. So kann man deutlich besser entspannen oder beispielsweise einer Diabetes vorbeugen. Wenn man viele Herz-Kreislauf-Risikofaktoren hat, eignet sich der regelmäßige Grundlagen-Ausdauersport dazu, sie zu reduzieren.

Sie behandeln auch erfahrene Sportler bis hin zum Ultramarathonläufer. Werden die wirklich seltener krank?

Ja, das ist so. Aber nur dann, wenn sie das Laufen nicht übertreiben. Wenn jemand drei- bis viermal die Woche läuft, ist das in Ordnung. Wenn er aber meint, zu überziehen und über das gesamte Jahr hinweg sechs bis zehn Einheiten wöchentlich trainiert, ist die Gefahr deutlich erhöht, krank zu werden.

Sollten auch Kranke laufen?

Kranke dürfen laufen, aber nur nach klarer Absprache mit ihren Ärzten, die sowohl orthopädisch als auch internistisch etwas davon verstehen sollten. Wir betreuen auch herzkranke Patienten, die Marathon laufen. Vor zehn, 15 Jahren hätten das Ärzte noch nicht zugelassen.

… und was ist mit dem erkälteten Freizeitläufer?

Erkältungen sind tückisch. Wir haben gelegentlich diese Sporttoten im Alter bis zu 35 Jahren, von denen man in der Zeitung liest. Das ist auf Herzmuskelentzündung zurückzuführen. Diese akuten Infekte zerstören den Herzmuskel. Auf der anderen Seite könnte die Erkältung wieder aufflammen, wenn man einen Halbmarathon oder einen Marathon läuft. Das kann sehr gefährlich werden, weil unsere Abwehr nach dem Laufen sehr geschwächt ist.

In welchen Fällen kann Laufen krankmachen?

Wenn man beispielsweise mit sehr hohem Blutdruck läuft. Dann gibt es Rhythmusstörungen, die zu Schlaganfällen führen können. Orthopädische Probleme kann es geben, wenn beispielsweise der Laufschuh nicht passt und man mit einer falschen Belastung der Fuß- und Kniegelenke trainiert.

Das Gespräch führte Peter Hilbert.

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