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Beim Nachwuchs sind Faultiere nicht faul

Margit Schulze freut sich über den dicken Hintern. Sie ist Tierpflegerin und das Hinterteil gehört dem vor wenigen Tagen zur Welt gekommenen Faultier. „Zuchterfolge kommen bei diesen Tieren gar nicht so häufig vor“, sagt die junge Frau.

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Von Monika Dänhardt

Margit Schulze freut sich über den dicken Hintern. Sie ist Tierpflegerin und das Hinterteil gehört dem vor wenigen Tagen zur Welt gekommenen Faultier. „Zuchterfolge kommen bei diesen Tieren gar nicht so häufig vor“, sagt die junge Frau. Im Dresdner Zoo gab es allerdings schon mehrere Geburten. Faultier Daniel, Vater des Neulings, wurde zum zweiten Mal Papa. Seine erste Partnerin hieß Britta. Mit ihrer Nachfolgerin Marlies verstand der sich gleich gut. „Daniel und Marlies geben ein harmonisches Paar ab“, sagt Margit Schulze.

Die Tierpfleger wussten um das Datum, an dem die beiden Faultiere sich gepaart hatten. „Zwischendurch hatten wir die Hoffnung schon mal wieder aufgegeben. Manchmal dachten wir: Ah, dicker Bauch – aber dann war Marlies eben doch bloß kurz vorm aufs Klo gehen.“ Im Dezember brachte ein Ultraschall aber die schöne Gewissheit: Marlies war schwanger und zwar im zehnten Monat. Im Januar kam das Kleine auf die Welt.

Die Geburt verlief komplikationslos. Nur fühlte sich Marlies von ihrem ersten Kind irgendwie bedrängt. An die Brust wollte sie den kleinen Kerl gleich gar nicht lassen, schob ihn immer wieder weg. „Das ist aber auch kein Wunder, der Kleine hat ganz schöne Krallen. Und da es ihr erstes Kind ist, fehlt ihr einfach die Erfahrung.“ Die Pflegerin mag ihre Faultiere: „Daniel ist etwas schüchtern. Doch Marlies lässt sich gern von uns streicheln.“

Margit Schulze und die anderen Pfleger sprechen beim Faultiernachwuchs immer von „ihm“. Sie haben da so eine Ahnung. Obwohl eine Geschlechtsbestimmung sehr schwierig ist und erst später stattfinden kann. Dann gibt es auch einen Namen.

Das Kerlchen ist im Moment der Liebling der Pfleger im Primatenhaus. Das ist zu spüren. Wenn es gefüttert wird, schauen alle gern vorbei. Obwohl Mutter Marlies ihr Kind inzwischen vorbildlich säugt, führten die Startschwierigkeiten zur Gewichtsabnahme. „Also entschlossen wir uns, zuzufüttern.“ Marlies Schulze nimmt den kleinen Kerl auf den Arm und reicht ihm Nudeln, gekochte Möhren, Reis. Wenn das Faultierkind richtig schmatzt – und das kann es gut – freuen sich alle. Inzwischen bringt es 547Gramm auf die Waage – 460 waren es bei der Geburt. „Er entwickelt sich prächtig“, sagt die Tierpflegerin und tätschelt den knuffigen Hintern des Tieres. Das schließt wohlig die Augen. Beginn einer wunderbaren Freundschaft.