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Bekommt Kodersdorf eine neue Kita?

Der Standort dafür steht schon fest. Aber ob an der Torgaer Straße überhaupt gebaut werden darf, ist noch nicht klar.

Charlotte, Ronja und Luca (von rechts) besuchen in Kodersdorf die Kita „Brüderchen und Schwesterchen“. Den angedachten Neubau an der Torgaer Straße werden sie selbst aber wahrscheinlich nicht mehr besuchen.
Charlotte, Ronja und Luca (von rechts) besuchen in Kodersdorf die Kita „Brüderchen und Schwesterchen“. Den angedachten Neubau an der Torgaer Straße werden sie selbst aber wahrscheinlich nicht mehr besuchen. © André Schulze

Seit Jahren sucht die Gemeinde Kodersdorf händeringend nach Bauland im Ort. Nun scheint sie an der Torgaer Straße fündig geworden zu sein. Im Zuge der Arbeiten für einen Bebauungsplan gab es jetzt eine frühzeitige Bürgerbeteiligung, bei der die Chancen erörtert wurden, aber auch Probleme zutage traten. Die SZ erklärt, worum es geht.

Warum ist es so schwierig, in Kodersdorf Baugrundstücke zu finden?

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Mit dem Arbeitskräftezuwachs – vor allem im Gewerbegebiet – und den dank starker Finanzkraft guten Entwicklungsmöglichkeiten des Ortes sind in den vergangenen Jahren immer mehr potenzielle Zuzügler in der Gemeindeverwaltung vorstellig geworden. Ihr Anliegen: Baugrundstücke, um sich in Kodersdorf niederzulassen. Doch außer in einigen wenigen Lücken sind geeignete Standorte kaum verfügbar. Eine intensive Flächenprüfung ergab, dass auf 42 Grundstücken der Bau von Eigenheimen möglich wäre. Davon können aus den unterschiedlichsten Gründen aber nur zwei tatsächlich genutzt werden. Hauptsächlicher Hinderungsgrund sind Eigentumsprobleme. Darüber hinaus gibt es weitere Schwierigkeiten, die die Zahl der Standorte einschränken: In Kodersdorf gibt es zahlreiche überschwemmungsgefährdete Flächen und Naturschutzgebiete. Die Lage an A 4 und B 115 sorgt für Lärm- und Staubbeeinträchtigungen.

Wie hat sich die Fläche an der Torgaer Straße als günstig herauskristallisiert?

Laut Ansgar Kaup vom Görlitzer Ingenieurbüro Richter + Kaup war der Standort in den 1990er Jahren schon einmal als Wohnbaufläche vorgesehen, wurde etwa 2004 aber wieder aus dem Flächennutzungsplan herausgenommen, weil es keinen Bedarf gab. Der ist jetzt vorhanden. Deshalb fasste der Gemeinderat im April 2018 einen Aufstellungsbeschluss. Das Plangebiet umfasst 3,24 Hektar Grünland, zu dem auch ein kleiner Teich gehört. Günstig erscheint das Areal durch seine zentrale Lage, die gute Verkehrsanbindung an Torgaer Straße und die nahe B 115 sowie die Eigentumsverhältnisse. „Der Eigentümer würde das Land an die Gemeinde verkaufen“, weiß Kaup. Im Dorfumbauplan sei das Gelände zudem als Baufläche deklariert.

Für welche Nutzer wäre die Fläche geeignet?

Die Gemeinde möchte Ersatz für die überfüllte Kita schaffen. Neben der Kindertagesstätte soll auch eine Anlage für altersgerechtes begleitetes Wohnen entstehen. Und schließlich sind Parzellen für bis zu acht Wohnhäuser vorgesehen.

Warum will man die Kita gerade an der Torgaer Straße bauen?

Die vorhandene Einrichtung am Abzweig Särichen wurde zwar erst vor zwölf Jahren saniert, ist aber mit fünf Eingängen sehr unübersichtlich gestaltet und befindet sich in direkter Nähe der B 115. Bürgermeister René Schöne: „Im Jahr sind hier über drei Millionen Fahrzeuge unterwegs. Das bedeutet nicht nur jede Menge Verkehr, sondern auch eine hohe Feinstaubbelastung.“ Außerdem müsse man derzeit vielen interessierten Familien eine Absage erteilen, weil die Einrichtung nur eine Betriebserlaubnis für 132 Kinder besitze. „Wir haben fünf andere, aus unserer Sicht für einen Kita-Neubau geeignete Grundstücke überprüfen lassen, sind aber überall gescheitert“, macht Schöne das Dilemma deutlich. Bleibt nur das Gelände an der Torgaer Straße.

Wie soll das Wohnen für ältere Menschen aussehen?

Die Diakonie St. Martin will hier eine Anlage für altersgerechtes begleitetes Wohnen schaffen. Nach Angaben von Bärbel Schuster, die im Nordkreis bereits zwei andere, ähnliche Projekte betreut, sind barrierefreie Wohnungen für eine oder zwei Personen in Größen von 44 bis 56 Quadratmetern vorgesehen. „Ältere Menschen möchten so lange wie möglich selbstbestimmt leben. Das ist ihnen hier möglich“, erklärt die beim Nachfolger des Martinshofes für Unternehmensentwicklung zuständige Mitarbeiterin. In den Wohnungen gebe es Schlaf- und Wohnzimmer, Küche, Nasszelle und Terrasse. Außerdem für alle Bewohner ein Gemeinschaftshaus, zu dem auch eine Serviceeinheit gehört. Dort kann – je nach Wunsch – gemeinsam gegessen werden. Möglicherweise könne hier zudem eine Tagespflege einziehen, überlegt Bärbel Schuster. Auf jeden Fall möchte sie die Erfahrungen der ersten beiden Objekte in Gablenz und Groß Radisch mit einfließen lassen. Gablenz steht kurz vor der Eröffnung, Groß Radisch befindet sich in der Ausführungsplanung.

Gibt es Vorschriften für die geplanten Eigenheime?

Keine gravierenden. Laut Oliver Grottke, dem zuständigen Bearbeiter vom Pla-nungsbüro Richter + Kaup, dürfen 40 Prozent der Flächen versiegelt werden. Die Dachneigung könne bis zu 48 Prozent betragen, die Ausführung der Dächer sei unterschiedlich möglich. Die Häuser sollen maximal in Zweigeschossbauweise entstehen. Durch das Gebiet ist eine Stichstraße als öffentliche Verkehrsfläche geplant. An der Torgaer Straße ist von der B 115-Kreuzung aus bis zum Wohngebiet ein Gehweg vorgesehen.

Wo liegen die Schwierigkeiten bei dem Bauprojekt?

Ansgar Kaup redet nicht lange um den heißen Brei herum: Vor allem natur- und umweltschutzrelevante Belange müssen berücksichtigt werden. So befindet sich das Baugelände direkt in einem Weißstorchrevier. Der Görlitzer Ornithologe Markus Ritz fertigt dazu einen artenschutzrechtlichen Prüfbericht an. Fest steht schon, dass 5 000 Quadratmeter Ausgleichsfläche für ein neues Storchhabitat nötig sind. Um es ortsnah zu gestalten, könnte es westlich des Plangebietes entstehen. Besonders anspruchsvoll ist wegen der Hanglage am Heideberg der Wasser- und Bodenschutz. Ein Erdwall soll das Gebiet bei Starkregen vor hereinbrechenden Wasserströmen von den Feldern schützen. Schließlich ist die Raumordnung zu beachten. Der Standort ist im Flächennutzungsplan noch nicht als Bauland ausgewiesen. Bei manchen Dingen geht Oliver Grottke schon ins Detail. So solle die Niederschlagsentwässerung über ein Regenwasserrückhaltebecken geregelt werden. Erste Ergebnisse eines hydrologischen Gutachtens lägen bereits vor. „Aus diesen Untersuchungen erhoffen wir uns auch Erkenntnisse zum Hochwasserschutz.“ Darüber hinaus sei ein schallschutztechnisches Gutachten in Arbeit. Grottke vermutet, dass der Lärm von Gewerbebetrieben aus der Umgebung weniger entscheidend ist als der Krach, den der Verkehr auf der A 4 mit sich bringt.

Was sagen die Kodersdorfer Einwohner zum Baugebiet?

Grundsätzlich gibt es Zustimmung, wenngleich der Standort nicht als erste Wahl betrachtet wird. Im gut gefüllten Ratszimmer der Gemeindeverwaltung kommt bei der frühzeitigen Bürgerbeteiligung aber auch Kritik auf. Vor allem das Starkregen- und damit Entwässerungsproblem wird als schwer lösbar eingeschätzt. Zudem sei der Autobahnlärm schon jetzt eigentlich nicht zumutbar. Und schließlich wird auf das Verkehrschaos im Ort hingewiesen. Von der Torgaer Straße auf die B 115 aufzufahren, sei extrem schwierig. Bürgermeister René Schöne setzt auf spürbare Entlastung durch die Umgehungsstraße, die zwar noch nicht genehmigt ist, aber kommen soll. Im Moment stehe alles auf dem Prüfstand. Und er verspricht: „Wir werden genau abwägen und nichts erzwingen.“

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