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Dresden

Baut Koettnitz bald keine Brücken mehr?

Ihn kennt halb Dresden: Reinhard Koettnitz ist  Leiter des Dresdner Straßen- und Tiefbauamts. Nun wird über eine Versetzung spekuliert, mit der so niemand gerechnet hatte.

Weiß genau, wie es um die Brücken der Stadt bestellt ist: Reinhard Koettnitz, der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes.
Weiß genau, wie es um die Brücken der Stadt bestellt ist: Reinhard Koettnitz, der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes. © René Meinig

Kaum ein Amtsleiter ist in Dresden so bekannt wie Reinhard Koettnitz. Das liegt nicht nur daran, dass er seit 1995 im Amt ist. Vielmehr ist er auch oft der Buhmann, wenn Dresdner kaputte Fuß- und Radwege bemängeln oder marode Straßen. Koettnitz tritt in gewohnt trockener Art in Bürgerversammlungen auf und erläutert fachliche und finanzielle Grenzen.

Nun könnte sich eine neue berufliche Herausforderung für den 64-Jährigen ergeben, der auch als Honorarprofessor an der Fakultät Verkehrswissenschaften der Technischen Universität lehrt. Offenbar ist im Gespräch, ihm die Leitung des Schulverwaltungsamtes zu übertragen. Dessen Chef, Falk Schmidtgen, ist im vergangenen November tödlich verunglückt. Seither ist die Stelle unbesetzt, kommissarisch führt Michael Fücker.

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Das Presseamt der Stadt hält sich jedoch bedeckt zur Personalie Koettnitz. „Derzeit laufen Gespräche über mehrere personelle Veränderungen auf Ebene der Amtsleiter. Diese Gespräche sind noch nicht abgeschlossen, so dass wir Ihnen noch kein Ergebnis dazu mitteilen können“, schreibt Pressesprecher Kai Schulz auf Anfrage. Allerdings fügt er hinzu, dass die Ausschreibung der Stelle des Schulverwaltungsamtsleiters gerade in Vorbereitung ist. Und: „Eine Besetzung im Wege einer Versetzung bzw. Umsetzung ist allerdings auch ohne Ausschreibung möglich.“ Das klingt nicht nach Dementi.

Nach SZ-Informationen kursiert das Gerücht von Koettnitz´ Versetzung schon seit Tagen auf den Fluren der Stadtverwaltung. Es entstand wohl nach einer Personalversammlung am vergangenen Freitag, auf der Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) Führungskräften sein neues Organisationsentwicklungskonzept vorstellte. Die Themen High-Tech-Standort Dresden und Smart City standen dort ganz oben, was personelle Veränderungen nach sich ziehen könnte.

Koettnitz selbst will sich zu den Wechselgerüchten nicht äußern und verweist auf das Presseamt. Er geht ohnehin 2020 in den Ruhestand. Würde er tatsächlich der neue Leiter des Schulverwaltungsamtes, wäre er es nur etwas mehr als ein Jahr. Koettnitz gilt als Fachmann auf seinem Gebiet, arbeitet pragmatisch und effizient. Das bestätigen fast alle baupolitischen Sprecher der Stadtratsfraktionen. Nach der Kostenexplosion auf dem Schulcampus Pieschen wäre ein bauerfahrener Amtsleiter von Vorteil. Im Umkehrschluss wäre das Straßenbauamt seinen Chef los.

In der Politik zeigt man sich äußert verwundert über die mögliche Umbesetzung. „Reinhard Koettnitz, ob man ihn mag oder nicht, ist der oberste Straßenbauer und macht dort einen guten Job mit Leidenschaft“, sagt Thomas Löser, Fraktionschef der Stadtrats-Grünen. Die Stelle im Schulverwaltungsamt müsse ausgeschrieben und langfristig besetzt werden, damit dort endlich Kontinuität einziehe.

Sollten sich die Gerüchte bestätigen, wäre das aus Sicht von CDU-Bildungspolitikerin Heike Ahnert eine ungeheuerliche Provokation nicht nur der Mitarbeiter in den Ämtern, sondern auch des Stadtrates, dem die Ernennung und Abberufung von Amtsleitern von Rechts wegen obliege. „Bei aller Kritik am Straßen- und Tiefbauamt durch die CDU habe ich Professor Koettnitz als Fachmann sehr geschätzt“, sagt ihr Kollege Gunter Thiele. Als schwer zu lenkenden alten PS-starken Diesel mit unzureichender Abgasreinigung vergleicht Linken-Politiker Tilo Wirtz Koettnitz. Es könne sein, dass der durch ein grüneres Modell mit Servolenkung ersetzt werden soll. Trotzdem sei zu beachten, dass das Schulverwaltungsamt kein Gebrauchtwagenparkplatz ist, sondern selbst eine passgenaue effiziente Zugmaschine braucht, um die dort anstehenden komplexen Aufgaben zu bewältigen, so Wirtz.

Nicht zu Spekulationen möchte sich Holger Zastrow äußern, der die FDP-Fraktion im Stadtrat führt. Er nehme an, dass Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) vernünftige Personalentscheidungen treffe. Die SPD fände eine Versetzung Koettnitz’ schwierig. Immerhin sei er Tiefbauexperte und lehre dies auch an der TU. Die Schulbauten aber seien Hochbau, sagt Fraktionschefin Dana Frohwieser.

Als Amtsleiter hat Koettnitz viele Großprojekte durchgezogen – und das oft mit Schwierigkeiten und gegen Widerstände. Schon beim ersten Großvorhaben, der Löbtauer Hochstraße, ging bis zur Fertigstellung 1996 vieles schief. Vermesser pfuschten, dann ging die Baufirma pleite. Das kostete Nerven, die Koettnitz dort und auch in den folgenden Jahren bewies. Unter seiner Federführung sind fünf Tunnel gebaut sowie fast alle Elbbrücken saniert worden.

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Zur größten Herausforderung wird die Waldschlößchenbrücke. 17 Jahre vergehen vom Stadtratsbeschluss bis zur Übergabe. Der Bau beginnt später, der Unesco-Welterbetitel wird aberkannt, die Zeitpläne platzen ständig und die Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen will viel mehr Geld. Allein viermal muss der Übergabetermin verschoben werden. Doch Koettnitz zieht das mit seinen Leuten durch. Viele schwören auf ihn. Denn der Chef hat eine wichtige Eigenschaft: Er stellt sich vor seine Mitarbeiter, wenn es hart auf hart kommt.

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