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Bekommt Oberkaina einen Supermarkt?

An der B 96 liegen die Flächen neben der Zufahrt ins Wohngebiet seit Jahren brach. Nun soll sich doch etwas tun.

Rechts die B 96, links die Zufahrt ins Wohngebiet und dazwischen eine leere Fläche – so sieht es seit vielen Jahren in Oberkaina am Ortsausgang in Richtung Ebendörfel aus. Nun soll sich hier etwas tun.
Rechts die B 96, links die Zufahrt ins Wohngebiet und dazwischen eine leere Fläche – so sieht es seit vielen Jahren in Oberkaina am Ortsausgang in Richtung Ebendörfel aus. Nun soll sich hier etwas tun. © Steffen Unger

Bautzen. Schon ist wieder dürres Gras drüber gewachsen. Vor gut einem Jahr herrschte auf der großen Brachfläche entlang der B 96 in Oberkaina nach langer Zeit plötzlich Bewegung, sämtliche Bäume und Sträucher wurden entfernt. Anwohner verfolgten das Geschehen mit Interesse, aber auch Skepsis. Was tut sich da? Die Fläche wird für eine Bebauung vorbereitet, hieß es damals. Doch dann wurde es wieder ruhig, zurück blieb eine kahle Fläche, auf der nun wieder dürre Grashalme stehen.

Geht es nach Josef Krämer, soll das nun wirklich nicht mehr lange so bleiben. Krämer ist Gesellschafter der Firma Centurio Projekt, der die Fläche gehört. Schon vor einem Jahr hatte er angekündigt, dass hier gebaut werden soll. Demnach hätte es längst losgehen sollen. Man habe aber noch mal umplanen müssen, begründet Krämer den Zeitverzug. Nun sei er aber optimistisch, dass es nicht mehr allzu lange dauert. „Wir planen einen Mix aus Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern“, erklärt Josef Krämer. Schließlich gebe es in Bautzen großen Bedarf an Wohnraum. Das seit den 1990er-Jahren gewachsene Wohngebiet Oberkaina wird also Zuwachs bekommen.

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Meinungen sind geteilt

Zudem soll nun tatsächlich noch etwas entstehen, das seit Anfang an geplant war, aber nie verwirklicht wurde – eine Einkaufsmöglichkeit. Dass davon ganz Oberkaina profitieren könnte, betonte Bautzens damaliger Baudezernent Peter Hesse bereits im November 1995, als die Zufahrtsstraße fürs entstehende Wohngebiet freigegeben wurde. Eigenheime schossen danach wie Pilze aus dem Boden, aber die Fläche an der B 96 blieb leer. 

Und während anfangs immer mal wieder Bewohner von Oberkaina und aus der Südvorstadt nachfragten, wann denn der versprochene Lebensmittelmarkt kommt, verstummten diese Stimmen nach und nach. Wohl auch weil mit dem Netto- und dem Lidl-Markt an der Neusalzaer Straße Mitte der 2000er-Jahre in nicht allzu weiter Entfernung andere Einkaufsmöglichkeiten entstanden.

Mittlerweile sind die Meinungen zu einem Einkaufsmarkt in Oberkaina geteilt. Das zeigte sich jetzt im Einwohnerforum, zu dem die Rathausspitze die Bewohner der südlichen Stadtgebiete eingeladen hatte. „Bei uns liegt die Information vor, dass sich ein erheblicher Teil der Einwohner einen Nahversorger wünscht“, sagte Baubürgermeisterin Juliane Naumann. „Dann staut sich hier auf der B 96 noch mehr der Verkehr“, gab ein Anwohner zu bedenken. Und eine Frau meinte: „So etwas wie Penny oder Lidl brauchen wir nicht.“ Sie wünsche sich eher so etwas wie einen Bäcker oder einen Tante-Emma-Laden. „Auch ein Raum, wo man sich mal treffen kann, wäre schön“, meinte eine andere Bewohnerin. Kein großer Markt, sondern eher verschiedene kleinteilige Angebote – dafür sprach sich die Mehrheit der Anwesenden aus.

© SZ-Grafik: Romy Thiel

„Für den Anbieter muss es sich aber auch rechnen“, gab Finanzbürgermeister Robert Böhmer zu bedenken. Der Eigentümer habe verschiedene Interessenten, die sich auf der Fläche ansiedeln möchten, sagte OB Alexander Ahrens (SPD) mit Blick auf eine Verkaufseinrichtung. Um wen es sich handelt, „kann ich noch nicht sagen, es laufen ja noch die Verhandlungen“, erklärt Investor Josef Krämer gegenüber der SZ.

OB deutet Kompromissbereitschaft an

Wesentlicher Knackpunkt ist aus Sicht der Stadtverwaltung die Größe. „Wir sind skeptisch, was die Auswirkungen auf die Innenstadt betrifft“, sagt Juliane Naumann. 1.600 oder 1.700 Quadratmeter Verkaufsfläche, die heute viele Handelsketten für neue Märkte ansetzen würden, hält man für zu groß. Vor Jahren hatte die Stadt Festlegungen zum Schutz des innerstädtischen Handels getroffen – und die dann auch recht rigide durchgesetzt, als sich Märkte an der Dresdner Straße vergrößern wollten. In Bezug auf Oberkaina deutete Ahrens nun Kompromissbereitschaft an: Man wolle nicht unbedingt an den 800 Quadratmetern Verkaufsfläche festhalten, die man für Nahversorger außerhalb der Innenstadt eigentlich festgelegt hat. „Bis zu 1.200 Quadratmeter könnten wir uns vorstellen.“

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Es gibt also noch Gesprächsbedarf. Doch Josef Krämer ist zuversichtlich, alle offenen Fragen nun zügig klären und die Planungen fortführen zu können. Denn im Spätsommer oder Herbst würde er gern mit der Erschließung der Fläche beginnen – damit die Zeit der Brache bald vorbei ist.

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