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Belebt ein Riesen-Schachbrett den Rathausplatz?

Um die Innenstadt attraktiver zu gestalten, hat der Riesaer Riesa eine verspielte Idee.

Von Jane Pabst

Ob Gunter Spies alias der Riesaer Riese mit diesem Vorschlag die Stadtoberen gleich schachmatt setzt? Wenn es nach dem Maskottchen ginge, würde auf dem Rathausplatz ein mobiles Riesenschachspiel angeboten werden. Das könnte, so der 49-Jährige, sowohl Einheimische als auch Touristen zum Verweilen einladen. „Es würde nicht nur die Attraktivität der Innenstadt erhöhen, sondern auch ein Alleinstellungsmerkmal für Riesa bedeuten“, stellt Gunter Spies die Vorteile heraus. Über Kosten, Handhabe und Ort machte er sich bereits ausführlich Gedanken.

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„Circa 1000 Euro betragen die Gesamtkosten. Diese könnte man über Spenden oder eine Ausleihgebühr refinanzieren“, schlägt er vor. Die Ausleihe müsste jemand vor Ort gewährleisten. „Die Figuren und das Spielfeld könnten in einer verschließbaren Truhe verwahrt werden“, so der Riesaer Riese, der als Braumeister im Hammerbräu arbeitet. Warum er ausgerechnet auf die Idee eines Riesenschachs kam, löst er so auf: „Ich spiele selbst seit meinem 8. Lebensjahr Schach“, so Spies, der zudem Schachspiele sammelt. Circa 20 verschiedene Spiele in unterschiedlichen Größen hat er bereits zusammengetragen.

Am Schachspiel selbst fasziniert ihn, dass „man nicht vom Würfel und damit vom Glück abhängig ist“. Vielmehr müsse man seinen Kopf einsetzen. „Durch das Verlieren kann man zudem nur gewinnen. Denn dadurch wird man beim nächsten Mal besser“, sagt er. Eine Leidenschaft, die er mit Hans Stange aus Riesa teilt. Der 62-Jährige leitet seit vielen Jahren den Schachclub Riesa, von dem die erste Männermannschaft aktuell in der ersten Landesklasse spielt. Stange selbst brachte sich autodidaktisch selbst das Schachspielen vor 49 Jahren bei. Er findet die Idee vom Riesaer Riesen „durchaus nicht schlecht“.

Aber: „Wie so oft liegt der Teufel im Detail“, meint der promovierte Chemiker. So müssten die Figuren täglich hinein- und herausgeräumt werden. „Dazu müsste sich jemand finden, der am Rathausplatz einen Laden oder Café betreibt“, meint Hans Stange. Man bräuchte zudem eine riesige Kiste. „Ich halte Figuren, die 40 oder 50 Zentimeter hoch sind, als zu groß für Kinder“, gibt er zu bedenken. Aus dem Oschatzer Freizeitpark kennt er so ein Riesenschach. „Aber dort sind Restaurants direkt in der Nähe und der Park wird abends abgeschlossen“, so Stange. Er mit seinen 27 Mitgliedern stehe für die tägliche Ausleihe nicht zur Verfügung. „Aber zu bestimmten Anlässen wäre es für uns möglich. Wir könnten auch vorhandenes Material mitbringen“, bietet der Vereinsvorsitzende an. Seinem Empfinden nach besteht in Riesa grundsätzlich Interesse am Schach spielen. „Es rufen regelmäßig Eltern bei mir an, die ihre Kinder zum Schach spielen anmelden“, so der Übungsleiter, der mit derzeit 13 Schülern am Heisenberg-Gymnasium einen Schachzirkel leitet. Dennoch hat er einige Bedenken, ob der von Herrn Spies gewünschte Effekt eintritt. „Ich bezweifele, dass es die Innenstadt viel beleben würde. Schach ist ein Spiel, das sehr häufig in der Privatsphäre gespielt wird. Wenn ein Freizeitspieler öffentlich gegen einen halben Profi spielt, hat er nicht die Spur einer Chance“, meint Hans Stange, der selbst mehrfacher Kreismeister war.

Dennoch stehe der Spaß am Schach im Vordergrund. Deshalb begrüßt die Leiterin der Riesa-Information, Conny Thieme, den Vorschlag des Riesaer Riesen sehr. „Ich finde die Idee gut“, sagt sie, die selbst auch Schach spielen kann. Ob angenommen werden könnte, dass Touristen deshalb länger in der Stadt verweilen würden, kann sie nicht abschätzen. Vielmehr überlegt sie, wie man das Ganze organisiert.

„Es wäre sinnvoll, wenn die Ausleihe nicht ein Rentner in die Hand nehmen würde, sondern eine Veranstaltungsagentur oder ein Vermietbetrieb“, so Thieme. Denn es gäbe sicher auch haftungs-, versicherungstechnische und rechtliche Aspekte dabei zu beachten. Und was meint die Stadtverwaltung zum Vorschlag ihres Maskottchens? „Herr Spies hat immer tolle Ideen für unsere Stadt. Wir kennen diese jetzt noch nicht. Deshalb kann man erst nach Kenntnis der konkreten Fakten einschätzen, ob und wie so etwas überhaupt umsetzbar und finanzierbar ist“, so der Stadtsprecher Uwe Päsler.

Er betont, dass die Stadt offen ist für jede gute Idee aus der Bürgerschaft, die Riesas Attraktivität erhöhen könnte. „Herr Spies ist ja bekanntlich Marktmeister. Vielleicht wäre es ein erster Schritt, diese Idee zu den beiden Markttagen als besondere Attraktion zu präsentieren, in Eigenverantwortung von Herrn Spies und des den Markt organisierenden Unternehmens, der Magnet GmbH“, schlägt Päsler vor. Unterstützung, eine geeignete Fläche zu finden, würde die Stadt hierfür geben.