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Beleidigungen auf Briefkopf geahndet

Recht seltsame Gegenforderungen machte ein 55-Jähriger aus dem Schwepnitzer Ortsteil Zeisholz auf, nachdem er vom Landratsamt Riesa-Großenhain zu Vorschussrückzahlungen für sein Kind aufgefordert worden war.

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Von Jost Schmidtchen

Recht seltsame Gegenforderungen machte ein 55-Jähriger aus dem Schwepnitzer Ortsteil Zeisholz auf, nachdem er vom Landratsamt Riesa-Großenhain zu Vorschussrückzahlungen für sein Kind aufgefordert worden war. Es lebt bei der Kindesmutter im dortigen Landkreis. Gefordert wurde immerhin eine fünfstellige Summe. Weil diese nach Ansicht des Zeisholzers unkorrekt berechnet war, ging er in die Offensive, allerdings auf eine Art und Weise, die in einer Vielzahl persönlicher Beleidigungen mündete.

So schrieb er am 2. Mai 2005 in einem Brief an den Landrat, dessen Mitarbeiterinnen maßten sich Dinge an, die sie nichts angehen. Sie würden Umsetzung von Fälschungen fordern, seien aber selbst Schuldner. Sie und „ihre Komplizen seien sofort vom Dienst zu suspendieren, weil sie unverantwortliches Zeug nach Zeisholz schreiben“. Auf den Briefumschlag schrieb er außer der Adresse noch Zusätze. Zum Beispiel: Die Empfängerin trage die Postgebühr und werde „wegen ihrer unmenschlichen Verbrechen bei Gericht gemeldet“. Außerdem machte der Mann seine Drohung wahr und schrieb ans Sächsische Ministerium für Soziales. Im Brief ist u.a. von Betrügereien die Rede.

Wegen dieser Sachverhalte erhielt der 55-Jährige vom Amtsgericht Kamenz einen Strafbefehl, gegen den er form- und fristgerecht in Einspruch ging. Darüber wurde jetzt vorm Amtsgericht verhandelt. Zunächst meinte er wohl, von der Anklagebank aus einen Trumpf ausspielen zu können. Zu seiner Einlassung hatte er drei handgeschriebene Seiten vorbereitet. Inhaltlich zitierte er darin bekannte Landes- und Bundespolitiker, die in den Medien speziell vor Wahlen auch manches einstecken müssen und sich für manches diffamierende Wort beim geneigten Wähler sogar noch bedankten. Zum Beispiel so: „Hätten Sie nicht gesagt, dass ich doof bin, wäre ich wesentlich ärmer“. Der Angeklagte meinte nun, da müssten die Damen des Landratsamt Riesa-Großenhain doch auch dankbar sein, wenn er sie als Unmenschen und sonst was bezeichnete, und sie hätten das zu tolerieren.

Späte Entschuldigung

Da zog Amtsrichter Thomas Kranke die Notbremse und entließ alle Zeuginnen vom Landratsamt, die in großer Anzahl erschienen waren. Danach wurde dem Briefeschreiber klar gemacht, „wohin der Hase läuft“. Da wurde der Angeklagte dann doch recht kleinlaut und entschuldigte sich in seinem „letzten Wort“ für seine Briefe und Betitelungen auf dem Umschlag. Wegen Beleidigung verurteilte ihn das Amtsgericht gemäß Antrag der Staatsanwaltschaft zu einer Geldstrafe von 900 Euro.