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Beleuchtung für die Katzenstufen?

Die Großfraktion will den Weg in Meißen beleuchten lassen, weil dort Kinder zur Schule gehen würden - an der Sinnhaftigkeit gibt es Zweifel.

Laut eigener Zählung haben die Katzenstufen, die hinter der EPT-Tankstelle an der Hafenstraße im Stadtteil Niederfähre/Vorbrücke beginnen und hinauf zum Stadtteil Proschwitz führen, 225 Stufen.
Laut eigener Zählung haben die Katzenstufen, die hinter der EPT-Tankstelle an der Hafenstraße im Stadtteil Niederfähre/Vorbrücke beginnen und hinauf zum Stadtteil Proschwitz führen, 225 Stufen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Ob er schon davon gehört hätte, dass die Katzenstufen beleuchtet werden sollen, lautet die Frage an einen älteren Herren, der gerade sein Auto am Fuße derselben abgestellt hat. Ungläubig antwortet er: "Nein." Was er davon halte, so die nächste Frage. Er tippt sich mit dem rechten Zeigefinger an die Stirn. Wer hier unbedingt lang müsse, wenn es dunkel sei, der solle sich doch eine Stirnlampe aufsetzen. Aber die Katzenstufen seien auch ein Schulweg für Kinder, lautet der Einwand. Der ältere Herr tippt sich wieder an die Stirn. 

Er habe seinen Weinberg seit 30 Jahren hier, aber an den Katzenstufen sehe er meist nur Wanderer oder Spaziergänger auf dem Weg zum Weingut des Prinzen zur Lippe, manchmal würden Leute mit gepacktem Rucksack an der Treppenanlage für ihre nächste Tour üben, andere sie zum Training hinauf- und hinunterlaufen. 

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Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Stadtrates am kommenden Mittwoch, dem 22. April, findet sich der Punkt "Beleuchtungskonzept Meißen–Proschwitz". Im entsprechenden Beschlussvorschlag heißt es: "Die Fraktion U.L.M./FDP/FB/CDU beantragt, in den Haushaltsplan 2020 der Stadt Meißen 20.000 Euro für die Planung eines Beleuchtungskonzeptes für Verbindungswege Meißen-Proschwitz aufzunehmen." 

Als Begründung wird angeführt, dass der Meißner Ortsteil Proschwitz entweder über die Straße Dieraer Weg, "wo mit der letzten Baumaßnahme kein Fußweg bis nach Proschwitz realisiert wurde" zu erreichen ist. Weitere Zugänge seien der Waldweg durch den Heiligen Grund und die Katzenstufen." Alle drei Zuwegungen sind am frühen Morgen und am Abend ohne Beleuchtung. 

Da auch in Proschwitz Kinder wohnen und dies ein Schulweg ist, aber auch abends Veranstaltungen durchgeführt werden, ist es dringend geboten, eine Beleuchtung auf den Katzenstufen zu schaffen." Finanziert werden sollen die 20.000 Euro Planungskosten durch nicht verbrauchte Mittel aus der Haushaltsstelle der Personalkosten sowie zukünftigen Einnahmen aus Verkauf bzw. Verpachtung, schlägt die Großfraktion in ihrer Beschlussvorlage vor.

"Zur Anzahl der Schulkinder, die aus Proschwitz nach Meißen zur Schule gehen, können wir keine genaue Auskunft geben, da uns keine Wohnortdaten der Schüler vorliegen.  Diese sind nur den Schulen bekannt", heißt es aus der Pressestelle der Stadt auf eine entsprechende SZ-Anfrage. Generell könne "die Anzahl der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen für den Bereich Proschwitz nicht ermittelt werden". Und: "Wir weisen darauf hin, dass diese die Möglichkeit haben, nicht nur Meißner Schulen zu besuchen, sondern beispielsweise auch die Grundschule in Zadel." Was die Beleuchtung der Katzenstufen am Ende koste, sei nur im Ergebnis einer konkreten Planung zu ermitteln. 

Nach der eigentlichen Treppenanlage verlaufen die Katzenstufen als Wirtschaftsweg durch Meißen.
Nach der eigentlichen Treppenanlage verlaufen die Katzenstufen als Wirtschaftsweg durch Meißen. © Claudia Hübschmann

Auf den Plan zur Beleuchtung der Katzenstufen angesprochen, sagt Linken-Stadtrat Ingolf Brumm: "Da können wir gleich den ganzen Wald beleuchten. Die Katzenstufen sind Jahrhunderte lang ohne Laternen ausgekommen." Außerdem habe die Stadt in der aktuellen Situation wohl andere Sorgen. Die Steuereinnahmen würden im Sturzflug nach unten gehen, prophezeit er, "da haben wir kein Geld für solche Faxen". Oberste Priorität müssen der Ausbau und die Sanierung der Schulen haben. "Wir müssen erst einmal einen Kassensturz machen." 

Martin Bahrmann, Chef der konservativen Großfraktion im Meißner Stadtrat, die den Beleuchtungsantrag eingebracht hat, sieht das ganz anders. Es würden erstaunlich viele Leute die Katzenstufen benutzen, "vor allem die Winkwitzer, die da oben wohnen". Eine Beleuchtung sei "auf alle Fälle besser, als durch den dunklen Wald zu gehen". 

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Ob es gegenwärtig nicht andere Probleme, als die Beleuchtung der Katzenstufen gebe, lautet die Frage. Es gehe darum, das Projekt erst einmal in den Haushalt der Stadt aufzunehmen, unabhängig davon, ob gerade Geld dafür vorhanden sei. Denn: "Wenn das Projekt nicht im Haushalt steht, dann könnten wir es nicht machen, auch wenn wir Geld dafür hätten." 

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