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Riesa

Belgierin forscht in Riesa

Kaat Verhofstadt ist ganz bewusst an die Studienakademie gekommen – nicht nur wegen des modernen Labors.

Seit Februar arbeitet Kaat Verhofstadt regelmäßig im Labor auf dem BA-Campus in Riesa. Die Chemiestudentin aus Belgien wollte ihre Abschlussarbeit unbedingt dort schreiben.
Seit Februar arbeitet Kaat Verhofstadt regelmäßig im Labor auf dem BA-Campus in Riesa. Die Chemiestudentin aus Belgien wollte ihre Abschlussarbeit unbedingt dort schreiben. © Lutz Weidler

Riesa. Sie hätte am Ende ihres Studiums auch nach Südafrika gehen können oder in die Niederlande, erzählt Kaat Verhofstadt und lächelt. Doch statt in Kapstadt oder Amsterdam sitzt die 22-jährige Belgierin nun in einem Labor der Studienakademie in Riesa – und wirkt ziemlich glücklich damit.

„Ich wollte unbedingt nach Deutschland“, erzählt Kaat Verhofstadt. Sie habe als Kind eine Zeit lang in Koblenz gelebt, die Sprache spricht sie fließend – und outet sich als Fan der deutschen Nationalmannschaft. Da sei die Entscheidung nicht schwergefallen, nach Deutschland zu gehen. Dass es ausgerechnet Riesa wurde, hängt mit einer Kooperation zwischen der hiesigen Studienakademie und Kaat Verhofstadts Universität zusammen.

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Schon im vergangenen Jahr hatte die BA im Stadtteil Gröba einen Austauschstudenten von der UC Leuven-Limburg zu Gast, erklärt Frank Thunecke. Der Chemieprofessor ist gleichzeitig Auslandsbeauftragter an der Studienakademie. „Den Kontakt gibt es schon seit Längerem.“ Zu Planspielen seien jedes Jahr belgische Studenten in Riesa dabei. Daraus seien letztlich auch Anfragen für die vier- bis fünfmonatigen Erasmus-Praktika entstanden. Trotzdem seien Austauschstudenten an der BA in Riesa zurzeit schon eine Besonderheit, betont Frank Thunecke.

Für Kaat Verhofstadt ging es also Anfang Februar von der 77 000-Einwohnerstadt Hasselt nach Riesa. Von einem Kulturschock spricht die Bachelorstudentin nicht, räumt aber ein: „Hasselt ist eine Studentenstadt, das bemerkt man schon.“ Natürlich sei da mehr los, die Studenten prägten das Leben in der Stadt. Drei Universitäten gebe es dort, allein in ihrem Semester seien sie 170 Studenten gewesen. An der gesamten Studienakademie Riesa waren es Ende Dezember 438. 

Unzufrieden ist sie dennoch nicht. „An meiner Uni ist alles viel anonymer, es gibt eine größere Distanz zu den Studenten.“ Hier gehe es viel familiärer zu. Generell seien die Deutschen freundlicher als die Belgier, sagt Kaat Verhofstadt. „Und sie sind pünktlicher, aber trotzdem weniger stressig.“ Ohnehin sei sie an den Wochenenden nicht im Wohnheim auf dem Campus, sondern meistens quer durchs ganze Land unterwegs. Mit ihrem Freund treffe sie sich regelmäßig in einer anderen Stadt. Als Nächstes steht Leipzig auf dem Programm.

Wochentags ist die Studentin dagegen regelmäßig im Labor. Auch das sei ein gutes Argument für Riesa, sagt sie. Die Ausstattung sei moderner, außerdem sei für die Studenten der Zugang zu den Geräten einfacher – einfach, weil es nicht so viele sind. „Ich studiere Chemie mit Vertiefung in Biochemie“, erklärt Verhofstadt. Das wird in Riesa so nicht angeboten – dafür aber die Richtung Biotechnologie innerhalb des Studiengangs Labor- und Verfahrenstechnik. „Das Thema hier ist mehr mein Ding als meine eigentliche Richtung“, sagt sie. „Ich find’s hier viel cooler.“

In ihrer Abschlussarbeit befasst sie sich, vereinfacht ausgedrückt, mit dem Klonen von Genen. Was bedrohlich klingt, ist schon jetzt ein wichtiger Baustein in der Lebensmitteltechnologie und der Pharmazie, erklärt Kaat Verhofstadt. Es gehe darum, aus einem DNA-Strang spezifische Stücke zu trennen und dann zu vervielfältigen. Das Verfahren wird beispielsweise angewendet, um Insulin für Diabetespatienten zu gewinnen. 

Kaat Verhofstadts Fokus liegt darauf, die Klonierungsbedingungen zu optimieren. Die Arbeit entsteht in englischer Sprache. „Das war der Kompromiss“, erklärt Chemieprofessor Frank Thunecke und schmunzelt. Die Studentin habe jeweils eine Betreuerin in Belgien und Riesa – und keine von beiden spricht die jeweils andere Sprache gut genug. „Das ist natürlich auch für Kaat eine Herausforderung“, sagt Thunecke. Normalerweise versuche man schon, die wissenschaftlichen Arbeiten in der Muttersprache zu ermöglichen.

Mit der Arbeit in Riesa ist Kaat Verhofstadt beinahe fertig, Ende Mai geht es zurück nach Belgien. Danach will die junge Frau erst einmal ein Jahr lang arbeiten gehen. Anschließend könnte es wieder zurück nach Deutschland gehen – zum Masterstudium. „Am liebsten würde ich dann Zahnmedizin oder Pharmazie studieren.“