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Bequeme Bahnübergänge

Die neuen Querungen entlang der Magistrale erhalten viel Lob. Bei den Straßen steht die Bahn aber in der Kritik.

© André Schulze

Von Thomas Staudt

Schluss mit dem Gewackel und Gepolter: Selbst für weich gefederte Fahrzeuge war die Überfahrt über den alten Bahnübergang in der Muskauer Straße in Niesky alles andere als ein Vergnügen. Schon Tempo 30 konnte die Stoßdämpfer über Gebühr strapazieren. Wer jetzt die Gleise passiert – egal ob auf zwei oder vier Rädern, wird davon nichts mehr merken. Der Übergang ist für den Straßenverkehr wieder frei und fast drei Wochen vor dem ursprünglich angekündigten Termin am 24. Juli fertig geworden. Nicht nur dafür, auch für die Qualität der Ausführung ernteten die Deutsche Bahn und die beteiligten Unternehmen viel Lob.

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Nicht zufrieden ist man in Niesky mit dem Zustand der Straßen links und rechts der neuen Bahnübergänge. Nicht nur in der Muskauer Straße oder an der Krone, sondern auch in See oder in Petershain. Die Straßen haben durch den Umbau und den Baustellenverkehr stark gelitten. Einige Stadträte hätten es gern gesehen, wenn die Bahn sich an den Kosten für die fällige Instandsetzung beteiligen würde. Dagegen hatte sich Ulrich Mölke, der Projektleiter der Deutschen Bahn für die Niederschlesische Magistrale zwischen Knappenrode und Horka, von vornherein auf den juristischen Standpunkt zurückgezogen. Der besagt, dass die Straßen zur Benutzung da seien, ganz gleich welcher Art. Zu einer Instandsetzung sei die Bahn deshalb nicht verpflichtet. Dennoch will der Konzern der Stadt offenbar entgegenkommen. Zumindest bei der Lange Straße in See werde sich die Bahn aller Voraussicht nach zur Hälfte an den Kosten beteiligen, informierte Enrico Bachmann von der Nieskyer Tiefbauverwaltung. Auch der Koseler Weg in See solle anschließend an die Nutzung im Zusammenhang mit den Bauarbeiten instandgesetzt werden. Die Strecke See-Zeche werde fürs erste eine neue Deckschicht erhalten, 2019 dann grundhaft ausgebaut werden, so Bachmann.

Die zeitige Fertigstellung des Bahnübergangs in der Muskauer Straße ist die unbedingte Voraussetzung für die Sperrung der B 115 ab 1. August. Gleiches gilt für die Jänkendorfer Kreuzung. Die beiden Punkte werden zu neuralgischen Schaltstellen, wenn der Viadukt über die B 115 erneuert wird und der Umleitungsverkehr durch Niesky rollt. Bis Dezember ist die Muskauer Straße sogar der einzige Übergang in Niesky. Mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember soll dann auch der neue Tunnel an der Krone im Nordosten der Stadt freigegeben werden. Das ist zwar keine Alternative für große Lkw im Durchgangsverkehr, kann die Situation aber für Rettungs- und Entsorgungsfahrzeuge entspannen, die den Tunnel passieren können.

Trotz der frühen Freigabe sind die Arbeiten noch lange nicht beendet. Die Strecke ist immer noch Baustelle. Links und rechts des Übergangs ragen Stahlrohre wie riesenhafte Spargelköpfe senkrecht aus dem Erdreich. Bei Baustellenführungen stellt Magistralen-Manager Ulrich Mölke gern die Frage: „Wofür sind die wohl?“ Die korrekte Antwort lautet: Für die Lärmschutzwände. Die Stahlrohre ragen alle fünf Meter aus und bis zu sieben Meter in die Erde. Sie bilden die Fundamentierung für Doppel-T-Träger, die in die Rohre einbetoniert werden und die letztlich die Lärmschutzwände halten. Übrigens: Die Lärmschutzwände flankieren nur die Haupt-, nicht aber die Nebengleise, zur Holzverladung in der Nähe des Bahnhofs oder zum Werksgelände des Waggonbau Niesky.

Ausgelegt sind die Wände für bis zu 160 Güterzüge in der Woche. Das entspricht den bereits 2003 vorgelegten Zahlen, die 2010 nach unten korrigiert wurden. Gebaut wurde dennoch nach den alten Vorgaben. In der Anfangszeit werden jedoch nicht mehr als 18 Personenzüge der Eisenbahngesellschaft Odeg und 15 bis 20 Güterzüge die Strecke passieren. Wenn sich alles eingespielt hat, sollen es bis zu 50 Güterzüge in beide Richtungen werden. Logistikunternehmen tun sich mit einer langen Planung schwer, sagt Mölke.

Deshalb bewerbe die DB Netz AG die Magistrale derzeit, um Unternehmen dazu zu bringen, Güter von der A 4 auf die Schiene zu verlagern. Zu einer spürbaren Entspannung auf der viel befahrenen Autobahn dürfte das aber nicht führen. Über den Daumen gepeilt nur etwa ein Prozent des Lkw-Verkehrs der A 4 dürfte auf Gütertransporte aus der Region entfallen, schätzt Mölke. Den weit überwiegenden Anteil stellen polnische Lkw aus Polen oder den angrenzenden Staaten des ehemaligen Ostblocks. Seit der EU-Osterweiterung wächst der Warenaustausch von Ost nach West und umgekehrt stetig. Für weiteres Wachstum sollen leistungsfähige Verbindungen für den Güterverkehr sorgen. Die Niederschlesische Magistrale zwischen Wroclaw/Breslau und Falkenberg bildet laut Bahn die wichtigste Achse im Schienenverkehr. Das Projekt ist Bestandteil des paneuropäischen Schienenverkehrskorridors C-E 30. Die neue zweigleisige Strecke zwischen Horka und Knappenrode schließt eine wichtige Lücke in diesem Wegenetz.