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Bequemen Aussiedlern drohen Sanktionen

Aussiedler. Vor einem Jahr wurde das Großenhainer Integrationsprojekt Sesam beendet und das Heim in Rödern bezogen. Die Betreuung gewann Qualität.

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Frau R. ist hilflos. Ihr Mann ist verstorben. Zur Trauer gesellen sich finanzielle Nöte. Die Aussiedlerin bekommt nur das neue ALG II, das auch ihr Mann bezog. Sie kann die Beerdigungskosten nicht aufbringen. Da muss die Aussiedlerberatung helfen. Mitarbeiterin Gerlinde Franke erfährt nach einigem Hin und Her, dass das Sozialamt weiterhin die Kosten übernimmt. Frau R. ist erleichtert. Gut, dass es solche Hilfe gibt.

Stelle wird weiter gefördert

Als die Diakonie-Aussiedlerberatung ihr Integrationsprojekt „Sesam“ vor einem Jahr beenden musste, war aber zu befürchten, dass es einen Abbruch gibt. Keine Mittel mehr für die zielgerichtete Eingliederung von Zuwanderern, keine Mitarbeiterstellen. „Doch passiert ist das nicht“, kann Gerlinde Franke aufatmen. Seit Juli vorigen Jahres und noch bis Ende 2005 bekommt die Diakonie eine Stelle gefördert, um die Aussiedlerarbeit fortzusetzen. Für die finanzielle Unterstützung in diesem Jahr verhandeln derzeit sächsische Staatsregierung und Wohlfahrtsverbände. In Großenhain hat mit dem Integrationsprojekt die Aussiedlerberatung an Qualität gewonnen. „Wir arbeiten nach wie vor mit Zielvereinbarungen, mit denen für jeden eine konkrete Perspektive angepeilt wird“, so Franke. Das kann für den einen das Erlernen der deutschen Sprache sein. Für den anderen ist es ein Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt. Bisher gab es laut Franke nur einen deutschstämmigen Aussiedler, der so eine Vereinbarung unbegründet ablehnte. Das kann dann bedeuten, dass die Sozialleistungen gekürzt werden. Es gab auch schon Aussiedler, die wieder in ihre alte Heimat zurückkehrten.

Heute gibt es den ersten Folgetreff eines Netzwerkes, das schon im Modellprojekt „Sesam“ Partner für die Diakonie war. Arbeitsagentur, Arge, Sozialamt und regionale Bildungsträger sind darin vertreten. Dort erfahren Gerlinde Franke und Beraterin Annett Schober, die speziell mit Jugendlichen arbeitet, welche Chancen sich bieten. Wie z. B. gelernte Krankenschwestern für Altenhilfejobs weiterzubilden. Untergebracht werden alle ankommenden Spätaussiedler seit einem Jahr erstmal im Übergangswohnheim Rödern. Das Verhältnis zu den Einwohnern entspannt sich langsam. „Wir haben Spielregeln aufgestellt, damit sich die Röderner möglichst nicht gestört fühlen“, sagt Gerlinde Franke. So verlegen die Aussiedler bestimmte Freizeitbeschäftigungen auf den hinteren Hofteil.

Anfangs fließen Tränen

22 Menschen sind in diesem Jahr neu nach Rödern gekommen. Bei manchen fließen anfangs Tränen, wenn sie sich eine tolle Stadt erträumt hatten. Dann bekommen sie einen Busfahrplan in die Hand gedrückt und lernen, wie sie nach Großenhain kommen. „Ich wünschte mir, dass sich manche Aussiedler besser auf ihr Leben hier vorbereiten“, gesteht die Diakonie-Mitarbeiterin. Was da fehlte, muss die Beratung wettmachen. Die ist seit diesem Jahr übrigens auch offen für andere Ausländer mit Bleiberecht. Franke: „Es fängt sich an richtig zu vermischen.“