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Bequemer Bahnfahren auf der Borsi

An der Spenerstraße ist neben dem Kaufland extra eine neue Haltestelle gebaut worden. Sie hat eine besondere Funktion.

© Steffen Fuessel

Von Lars Kühl

Auf den Feiertag freut sich Julia Bohse jetzt besonders. Nicht nur über die freie Zeit. „Ich bin so froh, dass die Bahnen endlich wieder normal fahren.“ Die Striesenerin musste seit Mitte März auf dem Weg zu ihrer Arbeit im Zentrum immer in den Ersatzbus bis zum Fetscherplatz steigen. Dabei verlor sie täglich reichlich zehn Minuten. Doch damit ist nun Schluss. Ab morgen, 3.30 Uhr, fahren die Straßenbahnlinien 4 und die 10 wieder wie gewohnt. Gut zwei Wochen früher endet die Bauzeit für den ersten Abschnitt der maroden Ost-Magistrale Borsberg-/Schandauer Straße.

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Die neue Zentralhaltestelle: Hier wird künftig von Bus in Bahn umgestiegen

Nicht nur die Fahrbahnen sind saniert, auch die Anlagen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) wurden komplett umgebaut. Dabei ist unweit des Kauflandes die neue Zentralhaltestelle unter dem Namen „Spenerstraße“ entstanden. „Der Abstand zwischen der Mosen- und der Bergmannstraße war schon ziemlich groß“, erklärt DVB-Sprecher Falk Lösch einen Grund. Besonders, da ringsum immer mehr neue Häuser gebaut wurden und sich vermehrt Gewerbe angesiedelt hat.

Doch die inselförmige Haltestelle hat künftig auch noch eine andere, wichtige Bedeutung. Das Umsteigen vom Bus 63 in die Straßenbahnlinien 4 und 10 ist hier möglich. Ab 1. November auch vom Bus 64, der dann vom Fetscherplatz bis zur Spenerstraße verlängert wird. Der Haltebereich ist 61 Meter lang. So können, ähnlich wie an der Zwinglistraße, eine Bahn und ein Bus hintereinander stehen und aufeinander warten. Denn abends, nachts sowie am Wochenende morgens garantieren die DVB bestimmte Anschlüsse, die es bisher an der Bergmannstraße gab. Ab Freitag ist das Warten zwischen der 4 und der 63 auf die Spenerstraße verlegt.

Informationen und Abfahrtszeiten können die Fahrgäste bald an einer großen elektronischen Anzeigetafel ablesen. Die wird in den nächsten Wochen nachgerüstet. „Dabei handelt es sich um die neueste Generation mit LED-Licht“, sagt Lösch. „Die ist deutlich besser zu erkennen“.

Die neue Technik: Das Einsteigen ist einfacher und die Schienen leiser

Kleinere Fahrgastinformationstafeln haben auch die anderen drei Haltestellen im Baufeld an der Mosen-, der Bergmannstraße und am Pohlandplatz. Wie die Spener-straße sind sie jetzt ebenfalls barrierefrei. Durch das sogenannte Dresdner Kombibord, eine Eigenkreation der DVB, stoppen sowohl Bahnen als auch die Niederflur-Busse so, dass die Fahrgäste bequem und nahezu ebenerdig ein- und aussteigen können.

An der Kreuzung Spener-/Müller-Berset-/Schandauer Straße regelt ab sofort eine Ampel den Verkehr. Damit wird es nicht nur für die Fußgänger sicher, die zur Haltestelle wollen. Auch andere Verkehrsteilnehmer, die hier oft lange aufs Queren oder Linksabbiegen warten mussten, profitieren davon. Die Taktzeiten auf den Bahn- und Busstrecken werden nicht geändert. Durch die zusätzliche Haltestelle verlängert sich die Fahrzeit etwas. „Wir hoffen, dass wir das durch die neuen Gleise wieder rausfahren können“, sagt Lösch. Außerdem gehe das Ein- und Ausstiegen durch die barrierefreien Haltestellen schneller, ergänzt Andreas Neukirch, Leiter für Planung und Bau bei den DVB. Insgesamt wurden in jede Richtung 1.895 Meter Gleise verbaut. Zusammen mit dem Untergrund würden sie wesentlich länger halten als alte Schienen auf einem Schotterbett. „Zudem sind sie schalltechnisch optimiert.“ 39 Fahrleitungsmasten mussten zusätzlich aufgestellt werden. 4.780 Meter Leitungen und Tragseile wurden daran montiert.

Die Perspektive: Alle Haltestellen werden ab 2014 barrierefrei

Ab Februar soll der nächste Abschnitt der Holperpiste Schandauer in Angriff genommen werden, von der Junghans- bis zur Ludwig-Hartmann-Straße. Zumindest sieht das der Plan von Stadt und DVB so vor. Die Haltestellen Gottleubaer, Altenberger und Ludwig-Hartmann-Straße werden bis November 2014 ebenso barrierefrei gestaltet.2015 soll dann der letzte Abschnitt der Verbindung bis zur Schlömilchstraße folgen. Die Unterlagen dafür werden gerade zusammengestellt, erklärt Neukirch. Vieles hänge davon ab, was aus dem alten Straßenbahnhof in Tolkewitz wird. Geht es nach den DVB, wird die Ludwig-Hartmann-Straße dabei zweigleisig ausgebaut. Auf der schmalen Fahrbahn würden nicht nur verschlissene Schienen ersetzt, sondern auch die wartungsintensiven Weichen verschwinden. Für Autofahrer würde die Verkehrsführung dann eindeutiger. Heute wissen Ortsunkundige oft nicht, wie sie sich verhalten sollen, wenn ihnen eine Bahn auf ihrer eigenen Spur entgegenkommt. Die Bahn- und Busstrecken beziehungsweise -linien sollen sich in den nächsten Jahren nicht ändern, sagt Lösch. Bis auf eine Ausnahme: Im Moment fährt jeder zweite Bus der Linie 64 bis nach Reick, der andere endet ab November an der Spenerstraße. Perspektivisch soll dieser bis zur Zwinglistraße verlängert werden.