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Bereit für den Ansturm

Rettungsschwimmerin Kerstin Etzold passt seit 18 Jahren an der Talsperre Malter auf. Ihr Job ist schwieriger geworden.

Von Regine Schlesinger

Kerstin Etzold ist bereits beneidenswert sonnengebräunt. Karibik? Mallorca? Alles Quatsch! „Das ist reine Malter-Bräune“, sagt die Rettungsschwimmerin und lacht. Kann allerdings nicht von den letzten Tagen stammen. Die waren auch an der Talsperre verregnet und kalt. Doch jetzt soll es mit den Temperaturen wieder aufwärtsgehen. Kerstin Etzold und ihre Kollegen in den Strandbädern rings um den Stausee freut es. Sie sind schon Mitte vergangener Woche offiziell in die neue Badesaison gestartet. Doch auf einen heißen Donnerstag folgte ein gewittriger Freitag, und das war es dann erst einmal.

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Auch gestern verirrten sich nur ein paar Saunagäste kurz ins Wasser. 19 Grad sind auch noch nicht wirklich viel. Zu tun gibt es für die Mitarbeiterin der Weißeritztal-Erlebnis GmbH aber immer was. Gerade kommen zwei Angler an, die für mehrere Tage ein Boot ausleihen wollen. Eine Familie ist auf der Suche nach dem Bad-Imbiss, und ein bissel aufgeräumt werden muss sowieso immer. In diesem Jahr dank des Regens zum Glück nicht so viel wie in anderen Jahren nach dem Himmelfahrtstag. Da mussten auch schon Glasscherben auf den Liegewiesen eingesammelt werden.

Seit 18 Jahren ist Kerstin Etzold im Bad angestellt. Bekanntschaft mit der Talsperre hat die gebürtige Dresdnerin aber schon viel früher gemacht. Ende der 1960er-Jahre kam sie mit ihren Eltern zum Camping an die „Badewanne von Dresden“. Aus dem Zelt- ist längst ein Dauercamperplatz geworden, die Liebe zum Wasser ist geblieben. Nach einer Tischlerlehre in den Hellerauer Werkstätten fing die Dresdnerin als Betriebshandwerkerin beim Zweckverband Erholungswesen Talsperre Malter an.

Der Zweckverband löste sich nach der Wende auf. Für die Gemeinde waren ABM-Kräfte billiger. Zu den Entlassenen gehörte auch Kerstin Etzold, die inzwischen mit ihrer Familie in Dippoldiswalde wohnte. Als sie dann eines Tages vom Bau des Erlebnisbades hörte, bewarb sie sich und konnte – zunächst als Saisonkraft – wieder an die Malter zurückkehren. Heute hat sie sommers wie winters ihren Arbeitsplatz hier und kann sich keinen schöneren vorstellen. Das Klima unter den Kollegen stimmt, sie kann viel an der Luft und am Wasser sein, was sie sehr liebt, und hat es in der Regel mit freundlichen, gelassenen Leuten zu tun, so, wie man eben ist, wenn man sich in schöner Umgebung erholen kann. All das sind für sie Gründe, jeden Tag gerne zur Arbeit zu kommen, auch wenn die etwas besser bezahlt sein könnte.

Die Ausbildung zur Rettungsschwimmerin absolvierte die heute 54-Jährige erstmals als Jugendliche. Inzwischen hat sie die mehrfach wiederholt. Mal schaut sie drinnen im Erlebnisbad nach dem Rechten, mal draußen im Strandbad. Den Satz, „Ich möchte mal so Urlaub machen, wie du arbeitest“ bekommt sie immer mal wieder zu hören. Richtiger wird er dadurch nicht.

An einem heißen Sommertag von früh um 7 bis abends 19 Uhr vom Rettungsturm aus konzentriert das Badegeschehen im Blick zu behalten, ist ganz bestimmt kein Urlaubsvergnügen. Mit den Attraktionen auf dem Wasser wie Eisberg, Wasserschaukel und demnächst noch Wassertrampolin ist der Badespaß vor allem für Jüngere größer geworden. Zugleich ist aber auch das Unfallrisiko gewachsen, auf das Kerstin Etzold und ihrer Kollegen, die an den Wochenenden und in den Ferien von ehrenamtlichen Rettungsschwimmern unterstützt werden, ebenfalls achten müssen.

Zum Glück, sagt die Dippserin, sei etwas Schlimmes noch nicht wirklich passiert. Zu tun haben es die Rettungsschwimmer häufig mit Bienen- und Wespenstichen, auf die eine zunehmende Anzahl von Menschen allergisch reagiert. Für die Erste Hilfe liegen im Sanitätsraum des Bades Kühlakkus bereit. Die Rettungsschwimmer können sich per Funk untereinander verständigen und auch weitere Hilfe herbeiholen, zum Beispiel, wenn jemand Kreislaufprobleme oder andere gesundheitliche Schwierigkeiten bekommt. „An der Malter weht immer ein frisches Lüftchen, da merkt mancher erst zu spät, dass er sich zu viel zugemutet hat“, ergänzt Kerstin Etzold. Was sie sich für die neue Badesaison wünscht? Dass sie unfallfrei bleibt und viele warme Sommertage bringt. „Was ich mir auch wirklich wünschen würde, wäre, dass sich das Wetter früh beizeiten entscheidet, wie es wird und nicht dauernd mitten am Tag von Sonne zu Regen wechselt oder umgekehrt“, sagt sie und lacht. Mit diesem Wunsch spricht sie sicher vielen Malter-Besuchern aus dem Herzen.