merken
PLUS

Bereit für den Besucheransturm

Pro Tag kommen jetzt um die 1 000 Gäste ins Cunewalder Bad. Bevor es öffnet, hat das Team so einiges zu tun.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

Cunewalde. Täte es ein Besucher, würden ihn die Badmitarbeiter sofort zurückpfeifen. Doch Rico Koslowski darf das. Muss es sogar. Langsam läuft der Leiter des Cunewalder Erlebnisbades auf der breiten Edelstahlrutsche von unten nach oben. Lässt dabei den Blick über den Boden schweifen. Eine kleine Unebenheit erregt seine Aufmerksamkeit. Er bückt sich, fährt mit den Fingern darüber. Der Knubbel löst sich. „Da hatte sich nur irgendwas festgesetzt“, konstatiert Rico Koslowski. Es handelt sich also nicht um einen Kratzer oder anderen Schaden, der zu Verletzungen führen könnte. Die Kontrolle der beiden Rutschen gehört zu den Arbeiten, die das Team des Bades jeden Tag erledigt, bevor die ersten Gäste kommen. Ab 9 Uhr ist geöffnet. Anderthalb Stunden vorher fangen Schwimmmeister Rico Koslowski und die beiden Fachangestellten für Bäderbetriebe Isabelle Weder und Julia Schäfer mit den Vorbereitungen an. Derzeit meist sogar noch eher, um für den Besucheransturm gewappnet zu sein. Um die 1 000 Leute kommen gegenwärtig pro Tag. Unterstützt werden die drei Fachleute von drei Hilfskräften an der Kasse und einer in Teilzeit beschäftigten Reinigungskraft. – Zuerst holt Isabelle Weder den Bodensauger aus dem Lager, wirft den gelb-blauen Kasten ins Erlebnisbecken. Luftblasen steigen auf, während er nach unten sinkt. Die junge Frau, die ihren Beruf im Cunewalder Bad erlernt hat, drückt eine Taste der Fernbedienung. Das Gerät rollt langsam los, saugt ein, was sich auf dem Boden des Beckens gesammelt hat, zum Beispiel Sand und Haarklemmen. Während es selbstständig arbeitet, geht Isabelle Weder zu den Toiletten, füllt dort Papier nach. Rico Koslowski begibt sich inzwischen auf den täglichen Rundgang. Das komplette Gelände läuft er ab. Den Wasserspielplatz, die Liegewiesen, das Volleyballfeld, die Bereiche rund um die Becken – und eben auch die Rutschen. „Dabei wird kontrolliert, ob alles in Ordnung, alles sauber, alles sicher ist“, sagt der 31-Jährige. Nebenbei hebt er hier ein pinkfarbenes Bonbonpapier auf, dort eine kleine schwarze Plastikgabel, die jemand nach dem Pommes-Genuss fallen ließ. Viel gibt es nicht zu beanstanden. Denn wenn um 20 Uhr das Eingangstor geschlossen wird, geht das in zwei Schichten arbeitende Badpersonal, noch lange nicht nach Hause. An die zwei Stunden dauert die Nachbereitung. In dieser Zeit werden unter anderem die Sanitäranlagen gereinigt, Müll aufgesammelt und die Einnahmen abgerechnet.

Anzeige
Ab jetzt kauft man Hyundai bei Winter!
Ab jetzt kauft man Hyundai bei Winter!

Winter Automobilpartner hat vier Standorte in Ostsachsen – und ab sofort eine dritte Top-Automarke im Angebot.

Der morgendliche Kontrollgang dauert eine halbe bis dreiviertel Stunde. Währenddessen laufen hier und dort und da weitere Vorbereitungsarbeiten. Max Heine, der in der Gemeindeverwaltung eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten absolviert und derzeit im Bad eingesetzt ist, schiebt eine Kehrmaschine über die gepflasterten Flächen. Mehrere Mitarbeiter einer Gärtnerfirma verschneiden Sträucher und Stauden. „Das Rasenmähen machen wir selbst; abends wenn die Besucher weg sind“, sagt Rico Koslowski, der gerade einen kleinen schwarzen Plastikkoffer aus dem Schwimmmeister-Raum geholt hat. Darin befindet sich alles, was er für die Wasserproben braucht, die laut Vorschrift dreimal am Tag vorzunehmen sind. Dabei werden der Chlorgehalt und der pH-Wert geprüft. Der Meister für Bäderbetriebe taucht ein Glasröhrchen ins Schwimmerbecken, steckt es dann in ein kleines Gerät, auf dem Photolyse steht. Aus einem kleinen Fläschen gibt er sechs Tropfen dazu, aus einem anderen zwei. „Das sind verschiedene Reagenzien“, erklärt er. Nach einer Minute zeigt das Messgerät die Ergebnisse an. Rico Koslowski vergleicht sie mit den Normwerten, die er im Kopf hat. Alles in Ordnung. Die Zugabe von Chlor und die Regulierung des pH-Wertes erfolgen vollautomatisch. Die Bad-Beschäftigten müssen nur regelmäßig die Werte kontrollieren, die die Aufbereitungsanlagen an kleinen Bildschirmen anzeigen. Und sie müssen jeden Abend die Filter spülen und aller zwei bis drei Tage die Grobsiebe der Umwälzpumpen reinigen, in denen sich vor allem Haare und Gras sammeln.

All das erfolgt vor oder nach dem Badebetrieb. Während Besucher da sind, haben Rico Koslowski, Isabelle Weder und Julia Schäfer anderes zu tun – vor allem die Sicherheit zu gewährleisten. Erst am Donnerstag musste der Bad-Chef ins Wasser springen, um einen Fünfjährigen zu retten. Der Junge konnte nicht schwimmen, war aber auf der großen Rutsche gerutscht. Dabei hatte er einen Schwimmflügel verloren und drohte unterzugehen. „Die Großeltern sonnten sich seelenruhig auf der Liegewiese“, berichtet Rico Koslowski. Überhaupt beobachtet er zwei Tendenzen, die ihm Sorgen bereiten. „Einerseits denken immer mehr Leute, dass sie die Verantwortung für die Kinder an die Schwimmmeister abgeben können, sobald sie Eintritt bezahlt haben. Die Aufsichtspflicht liegt aber bei ihnen. Andererseits können immer weniger Kinder richtig schwimmen“, berichtet er. Doch Zeit, sich darüber zu ärgern, ist jetzt nicht. Die Uhr steht auf kurz vor neun und das Thermometer zeigt schon 24 Grad. Rico Koslowski lässt seine Blicke noch einmal übers Bad schweifen und nickt zufrieden. Alles ist bereit für den großen Ansturm.