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Dippoldiswalde

Lithium aus Zinnwald in E-Autos?

Für den Bergbau sind noch einige Hürden zu nehmen. Jetzt wurde eine davon überwunden.

Ein Mitarbeiter bereitet Lithium-Proben zur Analyse vor. Diese Arbeiten können nun für Zinnwald fortgesetzt werden.
Ein Mitarbeiter bereitet Lithium-Proben zur Analyse vor. Diese Arbeiten können nun für Zinnwald fortgesetzt werden. © PR/Bacanora Lithium

Dieser Februar war für die Deutsche Lithium GmbH mit ihren Erkundungs- und Bergbauvorhaben in Zinnwald ein kritischer Monat. Nun stehen die Vorzeichen aber wieder auf Positiv. Die beiden Eigentümer des Bergbau- und Erkundungsunternehmens haben ihre Verhältnisse neu geordnet.

Die Deutsche Lithium hat zwei Eigentümer. Der erste ist der Solarworld-Konzern, der 2010 in die Lithium-Suche eingestiegen ist und 2011 die offizielle Erlaubnis vom Oberbergamt dafür bekommen hat, damals noch unter dem Namen Solarworld Solicium GmbH. Der Solarworld-Konzern geriet allerdings in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Vor drei Jahren verkaufte er die Hälfte des Tochterunternehmens an das kanadische Unternehmen Bacanora Minerals, das seitdem auch die Linie vorgibt. Das gemeinsame Unternehmen hieß nun Deutsche Lithium GmbH. Prof. Armin Müller, der schon bei Solarworld für das Lithiumprojekt verantwortlich war, blieb Geschäftsführer. Peter Secker, der Bacanora-Chef, wurde ihm zur Seite gestellt. Wenige Monate danach ist Solarworld in die Insolvenz gegangen.

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Aber beide Partner blieben eng verbandelt. Jeder hatte das Recht, eine sogenannte Option, die Anteile des anderen zu kaufen. Der Solarworld-Insolvenzverwalter hätte dies sogar zum symbolischen Preis von einem Euro tun können. Nur hätte er dann die weiteren Kosten für die Entwicklung des Lithium-Projekts tragen müssen. Daher haben sich jetzt der Insolvenzverwalter von Solarworld, der Düsseldorfer Jurist Horst Piepenburg, und Bacanora-Chef Peter Secker auf einen neuen Vertrag geeinigt, wie Bacanora mitteilt. 

Demnach verzichten beide auf ihre Aufkauf-Optionen. Jede Seite besitzt jetzt völlig unabhängig vom anderen die Hälfte der Deutschen Lithium. Außerdem verpflichtet sich Bacanora, in den nächsten beiden Jahren mindestens 1,35 Millionen Euro an die Deutsche Lithium zu geben für die weitere Entwicklung des Zinnwalder Projekts. Damit sollen die Erkundung des Lithium-Vorrats und die Forschungsarbeiten für die Weiterverarbeitung des Rohstoffs vorangetrieben werden.

Jeder Partner hat einen Vorteil

Armin Müller, Geschäftsführer der Deutsche Lithium GmbH, sieht in der Neuregelung Vorteile für alle drei Partner. Die Finanzierung und die weitere Entwicklung des Lithium-Projekts in Zinnwald ist für die nächsten zwei Jahre gesichert. Damit ist der Bestand der Deutschen Lithium gesichert. Solarworld ist der zweite Betroffene. Hier hat jetzt der Insolvenzverwalter freie Hand, um seinen Anteil zugunsten der Gläubiger zu verwerten. Und Bacanora als dritter Partner bleibt der führende Part in dem Projekt. 

Peter Secker sagt dazu in einer Pressemitteilung: „Wir begrüßen die Änderungen in dem Joint-Venture-Vertrag und gehen jetzt die Arbeiten für die weitere Entwicklung und Planung des Lithium-Projekts in Zinnwald an. Wir haben eine starke Geschäftsführung vor Ort, treiben das Vorhaben weiter voran und arbeiten mit möglichen Investoren an der Finanzierung. Wir sind voll überzeugt, dass Zinnwald das Potenzial hat, ein führender Lieferant für die europäische Batterie-Industrie zu werden.“

Die Deutsche Lithium hält die Lizenz, in Zinnwald Rohstoffe zu erkunden sowie ein Bergwerk aufzubauen. Dafür hat das Unternehmen bereits einen Rahmenbetriebsplan ausgearbeitet, der auch schon öffentlich vorstellt wurde. Derzeit liegen die Stellungnahmen der betroffenen Stellen, beispielsweise der Stadt Altenberg, beim Oberbergamt in Freiberg zur Prüfung. 

Diese Planung weiter voranzutreiben, ist momentan eine der Hauptarbeiten für die Deutsche Lithium, sagt Geschäftsführer Müller. Darüber hinaus hält das Unternehmen eine Lizenz, Lithiumvorräte im Raum Falkenhain zu erkunden. Dieses Projekt würde aber nur dann interessant, wenn Zinnwald wirklich in Betrieb ginge. Dann könnte ein zusätzlicher Abbau in Falkenhain helfen, die Aufbereitungsanlagen auszulasten und den Betrieb wirtschaftlicher zu gestalten.

160 Millionen Anlaufkosten

Die größte Hürde ist jetzt, die Finanzierung für das Bergwerk zu sichern. Die Anlaufkosten für das Auffahren eines Abbaus unter Tage und die Errichtung einer Aufbereitungsanlage werden auf rund 160 Millionen Euro geschätzt. Das Geld müsste ein Investor erst einmal mitbringen. Es käme aber wieder rein. Die Machbarkeitsstudie, welche die Deutsche Lithium im vergangenen Jahr vorgestellt hat, geht davon aus, dass mit den Vorräten in Zinnwald ein Bergwerk 30 Jahre lang wirtschaftlich betrieben werden kann und jährlich einen Ertrag von 58,5 Millionen Euro bringt.

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Die Konkurrenz anderer Lithiumanbieter ist allerdings groß, beispielsweise aus Australien oder Südamerika. Die Hoffnungen für Zinnwald begründen sich im Wesentlichen darauf, dass es nahe an der deutschen Automobilindustrie liegt. Diese wird, wenn sie stärker als bisher auf Elektroautos setzt, einen großen Bedarf an Akkus haben, und dafür wird Lithium benötigt. Armin Müller verfolgt daher aufmerksam das Projekt von Tesla in Brandenburg. Die geplante Produktionsstätte in Grünheide bei Berlin wäre von Zinnwald aus sehr günstig zu erreichen. 

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