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Die Eroberung der Nonnenfelsen

Vor 160 Jahren eröffnete dort ein Jonsdorfer Weber ein Berggasthaus. Ein Kammstricker und ein Müller waren seine Wegbereiter.

Die Berggaststätte Nonnenfelsen auf einer Ansichtskarte, die 1961 ein Görlitzer Verlag herausgab. Gern ließ man sich damals die Karte mit einem Sonderstempel versehen, der das 100-jährige Jubiläum der Baude (1860-1960) hervorhob.
Die Berggaststätte Nonnenfelsen auf einer Ansichtskarte, die 1961 ein Görlitzer Verlag herausgab. Gern ließ man sich damals die Karte mit einem Sonderstempel versehen, der das 100-jährige Jubiläum der Baude (1860-1960) hervorhob. © SZ

Die Vielfalt der Felsformationen des Zittauer Gebirges regte einst zu fantasievollen Namen an: Schildkröte, Papagei, Brütende Henne oder – Nonnenfelsen. Bereits 1791 stellte der Historiker und Theologe Christian Adolf Pescheck fest: "Man sieht . . . zwey Nonnen dicht nebeneinander mit Schleyer und Habit." Ihnen etwas näher zu kommen, war allerdings noch schwierig.

Erst 1846 begann der Kammstricker Johann Friedrich Seidel aus Jonsdorf, Wege und Stege nach oben zu bahnen. "Er räumte Hindernisse hinweg, wie Dornengestrüpp, Wurzeln, kleine Felsblöcke", schrieb der Zittauer Heimatforscher Rudolf Durand. Bereits ein Jahr später fand Seidel in dem Müller Sußig einen tüchtigen Mitstreiter. Sie schufen die "Felsengassentreppe", um die 537 Meter hohen Nonnenfelsen mit ihrer prächtigen Felsszenerie und ihrem prächtigen Talblick dem Naturfreund zu erschließen. Und das zu einer Zeit, in der tief verwurzelter Aberglaube die Vorstellungen der Menschen beherrschte. So führte laut Durand zum Beispiel dicker Nebel, der um die beiden steinernen Nonnen waberte, dazu, dass 1846 das Nonnenfelsengebiet als ein "schaudererregender, wüster und wilder Ort" gemieden wurde. 

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Da auch die Stadt Zittau kein Interesse an den Nonnenfelsen zeigte, fand sich erst nach Seidels Tod mit dem Jonsdorfer Weber und Häusler Karl Gotthelf Buttig ein weiterer Naturfreund, der 1858 mit zusätzlichen Erschließungsarbeiten begann. Das blieb diesmal in Zittau nicht ohne Echo. Die Stadt entsprach Buttigs Bitte und erteilte ihm die Erlaubnis, auf den Nonnenfelsen während der Monate Mai bis Mitte Oktober kalte und warme Speisen sowie Getränke an Besucher zu verabreichen.

Start mit einer Bretterbude

"Als Folge entstand 1859 eine ganz bescheidene Bretterbude", so Rudolf Durand, „der Anfang zum späteren Restaurationsbetrieb.“ Dieser öffnete schließlich am Pfingstsonntag des Jahres 1860, es war der 27. Mai, zum ersten Mal seine Pforten für die hungrigen und durstigen Gäste. Gleichzeitig begann Buttig mit dem Bau der ersten echten Baude. Da sich der Bauherr vor allem mit Nutzholz aus dem Waltersdorfer Revier verschuldete, kam das Projekt anfangs nur schleppend voran. Aber schließlich schaffte es Buttig doch, ein Ausflugslokal zu eröffnen. Allerdings drohte schon 1862 das königliche Finanzministerium wegen des ausstehenden Brandkassenzinses und der Grundsteuer, das Einkehrhaus bei Jonsdorf jederzeit und ohne jegliche Entschädigung wieder abzubrechen.

Dieses Schicksal blieb der gastlichen Stätte zum Glück bis zum heutigen Tage erspart. Allerdings brannte der Berggasthof im Jahre 1902 völlig nieder, wurde aber in der heutigen Form wieder aufgebaut und hatte etliche Pächter.

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