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Millionenprojekt Berggasthof

Die Sanierung der Baude auf dem Oybin würde zwei bis drei Millionen Euro kosten. Das hat ein Zittauer Student errechnet. Er hat auch Ideen für die künftige Nutzung.

Der Berggasthof auf dem Oybin ist baufällig, muss dringend saniert werden.
Der Berggasthof auf dem Oybin ist baufällig, muss dringend saniert werden. © Archiv: Matthias Weber

Tagtäglich zieht es Einheimische und Urlauber auf den Berg Oybin. Sie genießen, oben angekommen, die Aussicht über den Kurort. Auch Richard Hildebrand ist in seiner Kindheit oben gewesen, später hatte der Girbigsdorfer lange Zeit keine Beziehung zu dem markanten Gipfel. In den vergangenen Monaten zog es den jungen Mann öfter auf den Berg Oybin. Hildebrand, der an der Hochschule Zittau/Görlitz Wohnungs- und Immobilienwirtschaft studiert, schrieb seine Diplomarbeit über den Berggasthof und dessen notwendige Sanierung.

Knapp drei Millionen Euro werde der Erhalt des kompletten Gebäudekomplexes kosten, hat der Student berechnet. Damit sich ein derartiges Millionenprojekt rechnet, müssten seiner Meinung nach Räume umgenutzt werden. Momentan seien jedenfalls viel zu viele Räume ungenutzt, findet Hildebrand. Im Blick hat er dabei beispielsweise das zweite Kellergeschoss, in dem er sich Ausstellungsräume vorstellen könnte. Das Obergeschoss wiederum könnte zu einer Ferienwohnung für Urlauber ausgebaut werden. Denn es sei heutzutage schwierig, dass noch ein Gastwirt auf dem Berg wohnt, für den die Räume im Obergeschoss ursprünglich gedacht waren. Stattdessen könnte man sie zeitweise Urlaubern anbieten und so noch zusätzlich etwas Geld einnehmen. Der Rittersaal müsste seinerseits mehr angepriesen und öfter für Veranstaltungen genutzt werden.

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Für Richard Hildebrand gebe es noch eine zweite Variante. Dabei würde das Gebäude auf den Zustand von 1890 zurückgebaut werden. Das schließt den Abriss des Gasthofanbaus und des Korridors ein. Bestehen bleiben bei dieser Variante das Fachwerkgebäude und die Veranda. Bei dieser Sanierungsvariante würden sich die Kosten laut den Berechnungen des Studenten auf etwas mehr als 2,1 Millionen Euro summieren.

Die zweite Variante ist zwar preisgünstiger, hat aber ihre Tücken. Mit dem Abriss des Gasthofanbaus würden der große und der kleine Gastraum wegfallen, ebenso wie die Toiletten im Untergeschoss. Aber auch das hat Richard Hildebrand bedacht. Die vorhandenen Bäder und das ehemalige Büro in der oberen Etage könnten zu Sanitäranlagen umgebaut werden, schlägt der Student in seiner Diplomarbeit vor. Im Dachgeschoss könnten wiederum Übernachtungsmöglichkeiten für Urlauber entstehen. Die in den Gasträumen wegfallenden Sitzplätze könnten durch einen Balkon an der westlichen Fassade kompensiert werden.

Gleichzeitig könnte das Tagesgeschäft in den Rittersaal verlegt werden, findet Hildebrand. Da es in diesem Raum eine Fußbodenheizung gibt, ebenso wie einen Kamin, könnte er auch außerhalb der warmen Jahreszeit genutzt werden. Auch das Klavierzimmer, das seinen Namen wegen des im Raum stehenden Instruments bekommen hat, könnte nach Hildebrands Vorstellungen stärker genutzt werden und einen Extra-Zugang bekommen.

Ob eine dieser beiden Sanierungsvorschläge umgesetzt wird, hängt vor allem von der Gemeinde Oybin ab. Denn sie ist Erbbaupächterin des gesamten Burg- und Klosterareals und damit auch der Bergbaude. Jahrelang hatte sie das Recht auf den Gasthof aber dem Wirt Hans-Jürgen Brüx übertragen. Dieser Erbbaurechtsvertrag ist inzwischen aufgelöst und der Gastwirt nur noch Mieter. Damit ist der Weg für die Gemeinde frei, Fördermittel zu beantragen. Die sind auch dringend notwendig, denn allein könnte Oybin das Millionenprojekt nicht stemmen.

Schon für den Gastwirt waren in der Vergangenheit größere Umbauten nicht leistbar. Das macht der derzeitige bauliche Zustand des Berggasthofes deutlich. Richard Hildebrand hat sich für seine Diplomarbeit die bauliche Situation genauer angesehen und zahlreiche Schäden wie Risse im Mauerwerk, abgeplatzter Putz, stark angegriffene Stahlträger, Schimmel in diversen Räumen, feuchte Stellen im Deckenbereich und undichte Fenster festgestellt. Für die Gemeinde Oybin ist die Beschreibung der baulichen Situation nicht überraschend - bereits vor zwei Jahren hatte ein Sachverständiger in ihrem Auftrag die Bausubstanz beurteilt.

Für wichtig hält der Student, dass die Tragfähigkeit wiederhergestellt, das Gebäude vor eindringender Feuchtigkeit geschützt und ein energetisches Konzept erarbeitet werden.

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Oybins Bürgermeister Tobias Steiner (SPD) lobt die Arbeit von Hildebrand. Die Vorbetrachtungen seien laut Steiner soweit aufgenommen. Nun müsse das Projekt, zu dem auch der Anbau eines Aufzuges gehören soll, Schritt für Schritt auf den Weg gebracht werden. Der Bürgermeister hofft, dass bis Anfang 2020 die Konzeption steht und ab 2021 mit der Sanierungsmaßnahme begonnen werden kann.

Mit dem Anbau eines Personenaufzuges könnten mehr Gäste auf den Berg gebracht werden, findet auch Richard Hildebrands Professor. Das sei wichtig, damit sich das millionenschwere Vorhaben rechne. 

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