merken
PLUS Löbau

90 Jahre und kein bisschen leise

Frank Hille aus Ebersbach startet mit einem der ältesten Motorräder beim Lückendorfer Bergrennen - wie schon einst sein Großvater.

Frank Hille mit seinen beiden über 90 Jahre alten Motorrädern des belgischen Herstellers FN.
Frank Hille mit seinen beiden über 90 Jahre alten Motorrädern des belgischen Herstellers FN. ©  Matthias Weber

Ja, sein Großvater Felix, der war noch ein echter Draufgänger. Frank Hille (49) hat seinen Opa zwar nie kennenlernen dürfen, weil der schon vier Jahe vor der Geburt seines Enkels verstarb. Aber die Leistungen des alten Herrn, die sind in der Familie Legende. "1927 hat der Opa das erste Grillenburger Dreiecksrennen im Tharandter Wald bei Dresden gewonnen", weiß Frank Hille. Und viele Rennerfolge auf dem Motorrad folgten - unter anderem beim Lückendorfer Bergrennen. Nicht nur das Ebersbacher Autohaus, sondern auch die Leidenschaft für schnelle Motorräder hat Frank Hille von seinem Großvater geerbt. Und das zeigt er am Wochenende bei der Hatz im Zittauer Gebirge wieder auf ganz besondere Weise.

Denn es sind nicht moderne, hochgezüchtete Feuerstühle, die es Frank Hille angetan haben. Das Lückendorfer Bergrennen ist ja auch für historische Fahrzeuge. Und dort geht Hille mit dem gleichen Gerät an den Start wie einst Großvater Felix: einer "FN 500 Sport" des belgischen Herstellers Fabrique National, Baujahr 1928. Und das hat einen ganz bestimmten Grund. "Mein Großvater hat 1926 mit 26 Jahren in der Neugersdorfer Auenstraße die FN-Vertretung aufgemacht", erzählt er. Heute produziert das belgische Unternehmen nur noch Schusswaffen, damals aber auch Autos und Motorräder. Und mit ihren Motorrädern balgten sich die Belgier in den 20er- und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts dauernd mit BMW um Geschwindigkeitsweltrekorde.

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Bei 174 Stundenkilometern lag dieser Rekord 1926 - aufgestellt von einer FN 500 Sport. Den Rennhobeln von damals zeigt heute jedes Motorrad schon in der Startsekunde die Rücklichter. Aber was soll's? So schnell wie Frank Hille auf seinem 90 Jahre alten Bock trauen sich im wahren Leben noch heute wenige Fahrer den Berg nach Lückendorf hinauf. "Im letzten Jahr habe ich zwei Minuten und 22 Sekunden gebraucht, das ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 100 Stundenkilometern", sagt er - eine respektable Zeit für die 3,6 Kilometer kurvenreiche Strecke.

Weil das Rennen im letzten Jahr 95. Geburtstag feierte, hatte sich Frank Hille damals zu Ehren seines Großvaters etwas ganz Besonderes vorgenommen - und das mit sehr langem Anlauf. Seit 2004 nimmt Hille selbst am Rennen teil, immer mit historischen FN-Motorrädern, von denen er insgesamt zwölf besitzt. Zum Geburtstag sollte es aber ein baugleiches Fahrzeug sein, wie es Felix Hille einst den Berg hochprügelte - eine "FN 500 Sport", Baujahr 1926. "Fast zehn Jahre lang habe ich die Maschine aufgebaut", sagt er. Den Rahmen fand er vor Jahren bei einem Sammler in Österreich, Teile besorgte er sich auch in Belgien oder Frankreich. Für die Restaurierung - und die weiterer Oltimer-Maschinen - belebte er auch den ursprünglichen Betrieb in der Neugersdorfer Auenstraße wieder. Längst ist sein VW- und Volvo-Autohaus im Gewerbegebiet an der S148. Das Geschäft mit den FN-Motorrädern war in Neugersdorf mit dem Ende des 2. Weltkrieges vorbei. Zu DDR-Zeiten reparierten Frank Hilles Großvater und später sein Vater Bernd Hille Autos der Lizenzmarke Polski-Fiat. Ein VW-Vertrag sicherte dem Familienbetrieb 1990 den Weg in die dritte Generation.

Zum Bergrennen am Sonnabend, 3. August, geht Frank Hille wieder mit seinem "Standard"-Oldtimer, Baujahr 1928, an den Start in der "Klasse 1" für Renn- und Sportmotorräder bis Baujahr 1945. Immer mit der Startnummer 11 - wie schon der Großvater. Und er hofft, dass die Tradition des Lückendorfer Bergrennens noch lange währt. Denn ein paar Sorgen macht er sich auch - wegen des Starts der spektakulären und schnellen Motorradgespanne aus den 80er-Jahren. Die schaffen das Bergrennen in unter zwei Minuten. "Die sind eigentlich viel zu schnell für die Strecke, die machen in der Geraden über 200 Stundenkilometer", sagt Frank Hille. Und das ist nicht ungefährlich. Bei einem Oldtimer-Rennen am Großglockner habe es vor wenigen Jahren mal einen tödlichen Unfall gegeben. Danach war auch die Veranstaltung tot. "Wenn da was passiert, ist das Rennen gelaufen und die Strecke wird gesperrt", fürchtet Frank Hille.

Mehr Lokalthemen finden Sie hier

www.sächsische.de/zittau

www.sächsische.de/loebau

Mehr zum Thema Löbau