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Der Erste, der den K2 auf Skiern runterfährt

Der Pole Andrzej Bargiel stürzt sich mit zwei Brettern vom gefährlichsten Berg der Welt. Doch das ist nichts im Vergleich zur Leistung seiner Mutter.

Geschafft: Andrzej Bargiel ist als erster Mensch auf Skiern vom schwierigsten Berg der Erde runtergerast.
Geschafft: Andrzej Bargiel ist als erster Mensch auf Skiern vom schwierigsten Berg der Erde runtergerast. © dpa PA/AP

Von David Ryborz

München. Exakt 8.611 Meter über dem Meeresspiegel schnallte er sich seine Skier an. Kurz nachdem Andrzej Bargiel den K2 bestiegen hatte, den zweithöchsten, gefährlichsten Berg der Erde, stürzte er sich in ein noch risikovolleres Unterfangen. Es ging wieder runter – als erster Mensch auf zwei Brettern, zwischen Felsen und Schluchten, links und rechts immer den Tod vor Augen.

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„In dem Moment, als ich auf meine Skier stieg, realisierte ich, dass mir der schwierigste Teil noch bevorsteht“, sagt der Pole. Bis dahin kam keiner auf die Idee, den K2 auf Skiern runterzufahren. Denn auch die Chance, ohne Ski wieder gesund vom Gipfel heimzufahren, ist nicht groß. Durchschnittlich kehren von vier Alpinisten drei lebendig zurück. Umso beeindruckender und verrückter war die Mission.

Nach der gut 60-stündigen Kletterei ohne zusätzlichen Sauerstoff erreichte er die Spitze. „Ich war so fokussiert, dass ich es nicht genießen konnte. Es gab keinen Grund, schon zu feiern.“ Für viele andere zwar schon, aber der 32-Jährige hatte „ein anderes Ziel“: die schwierigste „Piste“ der Welt zu überleben. Die ersten Schwünge führten vorbei an offenbar schockierten Kletterern, die sich noch über die letzten Meter zum Gipfel plagten. Es folgte eine achtstündige Abfahrt, bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad Celsius, 3.600 Meter bis zum Basislager. „Es gab einige heikle Momente. Ich hatte Angst, dass ich eine Lawine auslöse, die eventuell andere Kletterer begraben könnte.“ Und eine Nebelwand in der Todeszone über 8.000 Meter machte ihm das Leben schwer. Ohne Sicht sei es „eine ziemliche Erfahrung“ gewesen.

Der schroff aufragende K2 im Karakorumgebirge in Kaschmir gilt unter Bergsteigern aufgrund seiner steilen Wände als schwierigster Achttausender. Er liegt an der indisch-pakistanisch Grenze.
Der schroff aufragende K2 im Karakorumgebirge in Kaschmir gilt unter Bergsteigern aufgrund seiner steilen Wände als schwierigster Achttausender. Er liegt an der indisch-pakistanisch Grenze. © dpa

Bargiel musste abwarten, den richtigen Moment wählen und durfte sich keinen Fehltritt leisten. „Eine falsche Bewegung, und ich falle Hunderte Meter in die Tiefe.“ Erst im Basislager auf 5.000 Metern spürte er eine „extreme“ Erleichterung, nachdem Bargiel den ersten Versuch ein Jahr davor abbrechen musste. Vor dem Aufstieg hatten er und sein Bruder Bartek noch einen Einsatz als Lebensretter. Mithilfe einer Drohne wurde der von seinen Kollegen bereits für tot erklärte Schotte Rick Allen gefunden und in Sicherheit gelotst.

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Jetzt soll der Mount Everest mit seinen 8.848 Metern folgen. „Es ist definitiv möglich“, mit Skiern den höchsten Berg der Welt herunterzufahren. „Für mich ist die Herausforderung, das ohne zusätzlichen Sauerstoff zu machen, da es sehr hoch ist.“Derzeit sei die Lage aufgrund der Corona-Krise „sehr schwierig“, weil er kaum etwas planen könne. Es hänge viel davon ab, ob Flugreisen wieder erlaubt werden. Bereits 2019 hatte Bargiel einen Versuch am Dach der Erde unternommen. Doch die Bedingungen wären zu gefährlich gewesen.

Das Leben biete aber trotzdem noch größere Herausforderungen. „Meine Mutter hat elf Kinder auf die Welt gebracht.“ Das könne er mit der Abfahrt vom K2 auf Skiern nicht vergleichen. (sid)

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