merken

Berliner Firma bietet am meisten

Gestern wurde das Kahlbaumgelände vor dem Görlitzer Amtsgericht versteigert. Die Bemühungen von Hagen Grothe um das Areal sind damit erledigt.

© Pawel Sosnowski

Von Sebastian Beutler

Anzeige
Richtfest in Görlitz-Weinhübel

Die eigenen vier Wände sind eines der größten Projekte im Leben. Am 16. November können Interessenten die vier entstehenden Doppelhäuser auf der Landheimstraße besichtigen.

Görlitz. Der Görlitzer Immobilienentwickler Hagen Grothe hat den Kampf um das Kahlbaumgelände verloren. Bei einer Versteigerung gestern im Görlitzer Amtsgericht bot die Blanko 129 GmbH & Co KG mit 830 000 Euro die höchste Summe, um das unter Zwangsverwaltung stehende Gelände zu erwerben. Das erste Gebot lag bei 483 500 Euro, dann steigerten sich die drei Bewerber, darunter auch die Wohnungsbaugesellschaft Kommwohnen. Die städtische Tochter stieg bei 810 000 Euro aus. Stimmen die Gläubiger zu, dann wird das Gericht am 7. Februar die Grundstücke zum Höchstgebot der Blanko-GmbH zuschlagen. Ein Gutachten nennt als Verkehrswert für die verschiedenen Grundstücke 967 000 Euro.

Ist beim Kahlbaumgelände aus dem Spiel: Hagen Grothe.
Ist beim Kahlbaumgelände aus dem Spiel: Hagen Grothe. © Nikolai Schmidt

Laut Unternehmensregister ist die Blanko 129 GmbH & Co KG Mitte Dezember vergangenen Jahres gegründet worden. Ihren Sitz hat sie in Berlin unter einer Adresse, wo verschiedene Firmen gelistet sind. Vermutlich ist sie nur die Hülle für Personen, die jetzt noch nicht in die Öffentlichkeit treten wollen oder einfach nicht bieten wollten. Am Mittwoch agierte die Hamburger Immobilienmaklerin Julia Kubis für die Blanko 129 GmbH & Co KG. Sie hatte ursprünglich Grothe bei seinem Projekt auch finanziell unterstützt, später kam es zum Zerwürfnis zwischen beiden. Grothe zahlte zwar Frau Kubis aus. Doch blieb sie mit den weiteren Gläubigern Grothes sowie dem Kölner Unternehmen „vision 358“ in Kontakt. Das war im Frühjahr vergangenen Jahres als Hilfe für Grothe geholt worden, um die finanziellen und strukturellen Probleme des Projektes in Görlitz sowie eines weiteren in Dresden zu beseitigen. Doch auch mit den Kölnern überwarf sich Grothe. Zuletzt untersagte Grothe den Kölnern, in seinem Namen zu handeln. Frau Kubis erklärte gegenüber der SZ am Mittwoch, dass sie nun erst einmal in Ruhe darüber nachdenken wolle, was sie mit dem Areal anstelle. Möglich wäre beispielsweise, dass sie das Grundstück weiterreicht an das Kölner Unternehmen „vision 358“ und dessen Inhaber Michael Hölzel. Der hatte im Sommer einen Plan entwickelt, wie das Kahlbaum-Projekt an dem Standort verwirklich werden kann. Hagen Grothe war gestern bei der Versteigerung im Amtsgericht nicht zugegen.

Für ihn endete damit der Versuch, mit Geschäftspartnern auf dem Areal der früheren 2. Medizinischen Klinik ein Gesundheits- und Bildungszentrum zu etablieren. Die Ideen dazu stammen noch aus den 2000er Jahren, als der damalige Görlitzer Amtsarzt Dr. Bernhard Wachtarz federführend ein großes Projekt der Altenhilfe und -pflege für das Kahlbaumgelände entwickelt hatte. 2013 gründete Grothe die „Dr. Kahlbaum Kompetenzzentrum für Gesundheit GmbH & Co KG“. Diese Firma erwarb das Gelände vom Klinikum Görlitz. Grothe fühlte sich der ursprünglichen Idee von Wachtarz verbunden und wollte sie abgewandelt, aber deutlich reduziert auch umsetzen. Doch verstrickte sich Grothe in finanzielle Probleme. Sie rühren zu einem großen Teil noch aus der Zeit, als er das Gelände erwarb. Damals erhielt er finanzielle Unterstützung unter anderem von zwei Deutschen, die in Großbritannien leben. Sie sind im Grundbuch mit Darlehen von jeweils 500 000 Euro eingetragen. Grothe musste diese Summen ablösen, um ihm zugesagte Darlehen für den Bau auf dem Gelände im Grundbuch eintragen lassen zu können. Doch Grothe brachte das Geld für die Gläubiger nicht auf. So betrieben die beiden Gläubiger die Zwangsverwaltung und jetzt auch die Versteigerung des Objektes. Sie müssen nun zustimmen, ob der Kaufpreis von Blanko ausreicht.

Neben diesen beiden Grundschulden sind noch weitere Lasten eingetragen. Darunter auch für die Stadt Görlitz, die direkt von der Entwicklung auf dem Areal betroffen ist. So sind in den Ausbau des Kahlbaumgeländes bereits öffentliche Fördermittel für die Sicherung des Eckgebäudes Kahlbaumallee/Moltkestraße geflossen, sie sind im Grundbuch mit rund 205 000 Euro besichert. Auch sind Grundsteuer-Forderungen der Stadt in Höhe von 5 000 Euro im Grundbuch eingetragen.

Der Bau des Kahlbaumzentrums ruht seit Herbst vergangenen Jahres, als sich abzeichnete, dass die Schwierigkeiten
Grothes größer sind und verschiedene Lösungen sich zerschlagen hatten. Zuvor war die Grundsteinlegung von Monat zu Monat verschoben worden. Noch vor den Sommerferien 2017 hatte Grothe alle potenziellen Mieter im Gewerbe-Center auf der Girbigsdorfer Straße zusammengebracht und erklärt, dass das Vorhaben wie geplant umgesetzt wird. Erste Berichte über finanzielle Probleme Grothes gab es bereits im Januar vergangenen Jahres. Unmittelbar danach forderte OB Siegfried Deinege bei seinem Neujahrsempfang mehr Respekt für den Unternehmer Grothe.

Von den Plänen der neuen Eigentümer ist nun auch abhängig, wie es für die potenziellen Mieter weitergeht. In die Häuser wollten der Verein „Initiative Görlitz“, die Freie Evangelische Oberschule, die „Dienste für Menschen gGmbH“ der Diakonie, die bereits das Altenheim auf der Liststraße in Görlitz betreibt, sowie das Pflegeunternehmen Kunze aus Weißwasser einziehen.