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Berliner kauft Traumschloss

Der neue Eigentümer will noch deutlich mehr aus dem Oberlichtenauer Barockbau machen.

Die Familie Holthuizen aus Holland hat sich nach elf Jahren aus Oberlichtenau zurückgezogen und das Barockschloss an die neuen Besitzer, eine Familie aus Berlin, übergeben.
Die Familie Holthuizen aus Holland hat sich nach elf Jahren aus Oberlichtenau zurückgezogen und das Barockschloss an die neuen Besitzer, eine Familie aus Berlin, übergeben. © SZ/Reiner Hanke, Montage: SZ

Oberlichtenau. Ein schwarzer Kombi mit Berliner Kennzeichen ist vor dem Oberlichtenauer Barockschloss gesichtet worden und es gibt Verkaufsgerüchte. Immobilienmakler Harald Kießlich bestätigte jetzt: Ein Schloss sei nicht leicht zu verkaufen, aber zu Oberlichtenau könne er sagen: „Es gibt einen neuen Eigentümer.“ Für 500 000 Euro wechselte es laut Immobilienseite im Internet den Besitzer. Deutlich weniger, als noch vor Wochen veranschlagt worden war. Der neue Hausherr komme nicht aus der Region, mehr lässt der Makler selbst nicht durchblicken. Aber er hat familiäre Wurzeln auf väterlicher Seite im Vogtland und mütterlicherseits in der Niederlausitz, ist zu erfahren.

Erbe wollte den Bau nicht

Erst in der Vorwoche war die Übergabe durch die Alteigentümer. Das waren Ank und Harm Holthuizen aus Holland. 2008 hatten sie das Schloss von der damaligen Gemeinde Oberlichtenau gekauft. Und es war 2014 schon eine Überraschung, als die Eigentümer ankündigten, sich wieder von dem prächtigen Barockbau trennen zu wollen. Ursprünglich sollte der jüngste Sohn das Schloss erben, wolle das aber nicht, hieß es. So bleibe nur der Verkauf. Nicht heute oder morgen, wie es damals hieß. Denn das sei bei einem Schlossverkauf ein langfristiger Prozess. Den Holländern ging es vor allem auch darum, den richtigen Käufer zu finden, der das Schloss in ihrem Sinne und in dem der Oberlichtenauer weiterführen werde, betonten sie.

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Genau das will der neue Schlossbesitzer Andreas von Hünefeld tun. Der 57 Jährige ist Kaufmann und als Berater in der Gastronomiebranche tätig. Durch Internetrecherchen und einen Bericht in der SZ sei er auf das Schloss gestoßen. Seine Frau Daniela und er waren auf der Suche nach einem repräsentativen Veranstaltungsort für Hochzeiten. Der Barockbau mit seinem Festsaal und 33 Zimmern sei genau das Traumschloss für eine Traumhochzeit: „Wir haben uns sofort in das Schloss verliebt. Es ist sensationell.“ Andreas von Hünefeld ist sich gewiss: „Aus dem Barockbau lässt sich viel mehr machen als bisher.“ Dazu gibt es bereits Vorstellungen.

Andreas v. Hünefeld hat den Schloss-Schlüssel übernommen und viel mit dem Barockbau vor.
Andreas v. Hünefeld hat den Schloss-Schlüssel übernommen und viel mit dem Barockbau vor. © privat

Auch für die Stadt Pulsnitz hängt ja einiges an dem Schloss. Denn der Barockbau von 1730 mit seinen 51 000 Quadratmetern Park ist touristisch bedeutsam. Dabei geht es um die Öffentlichkeit und die Pflege des Schlossparkes zum Beispiel. Zudem ist der Barocksaal offizielles Trauzimmer. Im Rathaus war vom Verkauf bislang allerdings noch nichts bekannt, und auch eine gewisse Skepsis, ob es tatsächlich der Fall ist. Immobilien Makler Harald Kießlich versichert, dass der Kaufvertrag der Stadt in den nächsten Tagen zugehen müsste.

Park bleibt offen

Er werde sich natürlich noch vorstellen, erklärt Andreas von Hünefeld. Seine Familie komme aus der Lausitz, aus einem kleinen Orte Namens Cabel und wisse wie die Leute hier denken und fühlen und vor allem, welche Bedeutung ein solches Schloss für die Menschen hat. Es soll ein Veranstaltungsschloss werden, nicht nur Trauungen, sondern für Hochzeitsfeiern mit Bankett, Tanz und vielem mehr, auch für Konzerte: „Wir wollen die ganze Klaviatur bespielen.“ Dabei wolle er die Stadt und den Ortsteil mit ins Boot holen. Der Park soll natürlich geöffnet bleiben. Dort war in vergangenen Jahren die große Schlossparty ein riesiges Event. 2020 wäre es die zehnte. Andreas von Hünefeld steht dem aufgeschlossen gegenüber, er könne es sich gut vorstellen. Die Kinderarche Sachsen bleibe ebenfalls mit ihrer Wohngruppe im Nebengebäude.

Investitionsbedarf bestehe, das sei ihm bewusst. Auch dafür wolle er mit Veranstaltungen Geld erwirtschaften. Das Dach habe bei den Sanierungsaufgaben Priorität. Es sei aber eine Größenordnung, die nicht im Alleingang zu bewältigen ist. Das brauche eine große Vorbereitung und zeitlichen Vorlauf von der Planung bis zu den Fördermitteln. Derzeit lebe er mit seiner Frau und den beiden Söhnen noch in Berlin. Er wolle aber seinen Lebensmittelpunkt nach Oberlichtenau verlagern.

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