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Bahnhof: Neuer Eigentümer, viele Fragen

Ein Investor aus Berlin hat das markante Wilthener Gebäude erworben, doch der Bürgermeister ist skeptisch.

Wilthens Bürgermeister Michael Herfort ist frustriert. Zwar hat der Bahnhof jetzt einen neuen Eigentümer. Die Zukunft des Gebäudes bleibt aber weiter offen.
Wilthens Bürgermeister Michael Herfort ist frustriert. Zwar hat der Bahnhof jetzt einen neuen Eigentümer. Die Zukunft des Gebäudes bleibt aber weiter offen. © SZ/Uwe Soeder

Wilthen. Beim Gebot von 21.000 Euro fiel in Berlin der Hammer. Dann hatte der markante Wilthener Bahnhof einen neuen Eigentümer. Insgesamt drei Bieter hatten bei der Auktion, die am 27. März per Live-Stream übertragen wurde, ihre Angebote abgegeben. Das Mindestgebot von 12.000 Euro wurde durch die Bieterschlacht fast verdoppelt. Für sich entschieden hat sie ein Mann aus Berlin.

Wie das Auktionshaus bestätigt, sei der Kauf notariell rasch vollzogen worden. Auf Anfrage ließ der neue Eigentümer aber ausrichten, dass er sich zu seinen Plänen rund um die Zukunft des Gebäudes öffentlich nicht äußern wolle.

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Auch Wilthens Bürgermeister Michael Herfort (CDU) weiß bislang nicht mehr als den Namen und den Wohnort des Käufers: "Und das auch nur, weil uns das Notariat angefragt hat, ob wir von unserem Vorkaufsrecht Gebrauch machen wollen. Bis heute hatte ich keinen Kontakt zu dem neuen Eigentümer."

Undichte Dächer, feuchte Mauern

Herfort ist skeptisch: "Ich kann mich an keinen Berliner Besucher erinnern, der bei der Besichtigung am 12. März dabeigewesen wäre. In Wilthen ist dieser Mann unbekannt." Das Schlimmste wäre, fährt der Bürgermeister fort, wenn der Käufer den Bahnhof ungesehen gekauft hätte, um die festen Mieteinnahmen einzustreichen, ohne in den Erhalt der Immobilie zu investieren. "Dann kämen wir vom Regen in die Traufe. Das Gebäude reißt sich ja praktisch selber ab", so Herfort. Bewohnt ist der Bahnhof schon lange nicht mehr. Die Bahn hat als Mieter in einem Teil des Gebäudes Technik untergebracht.

Das 140 Jahre alte Bauwerk ist in einem bedauernswerten Zustand. Die Holzbalkendecken sind eingestürzt, die Dächer undicht, die Mauern feucht. "Wenn der Mann jetzt nicht sofort Sicherungsmaßnahmen durchführt, zerfällt sein neues Eigentum innerhalb kürzester Zeit. Wir reden hier von Wochen, die den Ausschlag bringen", sagt Herfort.

Zwei Millionen Euro, schätzt er, würde es kosten, das Bahnhofsgebäude, das aus zwei Kopfbauten und einem Verbindungsbau besteht, wieder instand zu setzen. Seine Idealvorstellung vom neuen Eigentümer daher: "Jemand mit Geld, einem Konzept und einer guten Verbindung zu Bahn und Stadt." Denn Unterstützung durch Fördermittel sieht der Bürgermeister auf den neuen Besitzer nicht zukommen: "Gerade nach der Corona-Krise werden wir schauen müssen, wofür jemand Geld bekommt. Das gibt es dann sicher nicht für die Verwirklichung von Utopien in einem Gebäude von 1877."

Neuer Fußweg zum Bahnhof geplant

Seinen Frust über die ungeklärte Zukunft des Bahnhofs merkt man Michael Herfort an. Das größte Versäumnis im Zusammenhang mit der Nutzung der Immobilie sieht er bei der Bahn: "Es war ein Verbrechen,  das Gebäude genau wie viele andere einfach aus dem Bestand herauszulösen und zu veräußern. Als Mieter habt sie ihre Technik einsturzsicher darin eingebunkert und den Bahnhof dem Verfall preisgegeben."

Ungeachtet der offenen Fragen plant der Bürgermeister weiter die Anbindung der Bahnstation an das Ortszentrum und den Personennahverkehr: "Wir sind in enger Abstimmung mit dem Verkehrsverbund Zvon und planen einen Reisenden-Überweg - also Fußweg - zwischen dem Handelszentrum Oberland und dem Bahnhof. In zwei Minuten können Reisende dann von den Schienen bis zum Platz hinter dem Aldi gelangen. Dort könnten die Busse halten", erzählt Herfort von den Plänen, die bis 2022 umgesetzt werden sollen.

Rücksicht auf den unbekannten Investor aus Berlin braucht er dabei nicht nehmen: "Verkauft wurde allein das Bahnhofsgebäude mit der Fläche, auf der es steht. Ein Grundstück, dass man eigentlich bräuchte, um das Gebäude zu entwickeln, ist nicht Bestandteil des Verkaufs."

Hoffnung auf ein versöhnliches Ende

Wohl aber der Schlüssel, der die Tür zur neuen Immobilie öffnet. Den hat noch immer der bisherige Bahnhofs-Besitzer Reinhard Hager. "Ich würde schon gern mit dem neuen Eigentümer ins Gespräch kommen. Wir werden immerhin zwangsläufig weiter in Kontakt stehen, schließlich bleibe ich Mieter in dem Gebäude", sagt er, kennt aber bislang ebenfalls lediglich die Adresse seines Nachfolgers.

Am 1. Juni, sagt Hager, soll der Grundbucheintrag geändert werden. Sobald es möglich ist, will er selbst noch einmal nach Wilthen kommen. Er  hofft, dabei auch die Schlüsselübergabe organisieren zu können. "Ich wünsche mir, dass das alles ein versöhnliches Ende nimmt", sagt er.

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