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Berliner verwalten Schmiedeberger Wohnungen

Der Wettbewerb lief europaweit. Vier Bieter waren dabei. Der Günstigste will in den Raum Dresden expandieren.

Von Franz Herz

Die Mieter in den rund 280 Wohnungen, die der Gemeinde Schmiedeberg gehören, bekommen ab Januar einen neuen Ansprechpartner. Viola Scharr, die bisher im Gemeindeamt mit für die Wohnungen verantwortlich war, kümmert sich künftig in der Bauverwaltung der Stadt Dippoldiswalde um die Grundstücke der Stadt und um Aufgaben, die mit dem Waldbesitz der Stadt zusammenhängen.

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Die Verwaltung der Wohnungen übernimmt im neuen Jahr die Firma Dick Immobilienmanagement aus Berlin. Das hat der Gemeinderat entschieden. Ein Kriterium gab den Ausschlag – der günstigste Preis. Dick verlangt rund 170 000 Euro für die Verwaltung, die über drei Jahre geht. Die anderen Bieter kamen aus Sachsen und Baden-Württemberg. Sie verlangten bis zu 240 000 Euro.

Die neue Verwalterfirma ist eine Personenfirma. Christian Dick führt sie als eingetragener Kaufmann. Er hat Bankkaufmann gelernt und Wirtschaftswissenschaften studiert. 1993 hat er sich in Rostock als Wohnungsverwalter selbstständig gemacht. „Erst in kleinem Stil“, wie er berichtet. Ab 1999 hat er sich erweitert und später auch ein Büro in Berlin eröffnet. Hier kümmern sich er und seine Mitarbeiter ausschließlich um die Verwaltung von fremden Immobilien. Heute ist die Niederlassung in Berlin größer, daher hat sie auch für Schmiedeberg mitgeboten.

„Wir haben ohnehin schon in Richtung Dresden geschaut“, sagt Christian Dick. Daher hat er sich auch um die Verwaltungsaufgaben beworben, welche die Stadt Dippoldiswalde und die Gemeinde Schmiedeberg zusammen ausgeschrieben hatten.

Er wird nun ein Büro in Schmiedeberg eröffnen, das an mindestens zwei Tagen die Woche besetzt ist und einen Ansprechpartner für die Mieter bietet. Das war auch in der Ausschreibung gefordert.

Berater für die Stadt

Dick ist für die klassischen Verwalteraufgaben verantwortlich. Dazu gehören das Finden von Mietern, die Verwaltung der Mieten und Nebenkostenzahlungen sowie Hausmeistertätigkeiten. Er kann sich aber auch vorstellen, für die Stadt in Zukunft als Berater tätig zu werden. Vorschläge auszuarbeiten, welche Wohnungen saniert werden sollten, Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit vorzulegen und ähnliche Tätigkeiten. Dick sagt von sich: „Wir sind genau auf solche mittleren Wohnungspakete spezialisiert.“ Insgesamt betreut seine Firma rund 7 000 Einheiten. „Da ist alles dabei, Wohnungen, Geschäfte, Garagen“, sagt er.

Er hat sich nicht nur um den Schmiedeberger Auftrag beworben, sondern auch um die Verwaltung der kommunalen Wohnungen in Dippoldiswalde; rund 40 Wohnungen vor allem in den Ortsteilen. Der Bestand der Kommunalen Wohnungsgesellschaft (KWG) gehört nicht dazu. Für Dipps hat Dick aber nicht das günstigste Gebot abgegeben.

Skepsis gegenüber Berlin

In Schmiedeberg gibt es zwar Skepsis, wenn die Wohnungen von Berlin aus verwaltet werden. Aber andererseits hat sich die Gemeinde bisher auch nicht mit voller Kraft darum gekümmert. Seit Wolfgang Großer, der für den Wohnungsbestand der Gemeinde verantwortlich war, vor zwei Jahren in den Ruhestand gegangen ist, hat Schmiedeberg keinen Nachfolger eingestellt. Viola Scharr musste diese Aufgabe neben ihren sonstigen Tätigkeiten mit erledigen.

Wenn die Kommune mit der Privatvergabe der Verwaltung Geld einspart, könnte sie das im Gegenzug wieder in die Wohnungen investieren. Erstens gibt es dort großen Nachholbedarf. In den Jahren von 2009 bis 2012 ist hier kaum etwas geschehen, weil die Gemeinde finanzielle Probleme hatte. Zweitens ist die Gemeinde mit der neuen Form der Doppik in ihrer Finanzverwaltung gezwungen, deutlicher als bisher nachzuweisen, wohin die Einnahmen aus den Wohnungen fließen.

Einheimische Bieter aus dem Landkreis haben sich nicht um den Auftrag beworben. „Wir haben Firmen, die infrage kommen, angesprochen“, sagte Schmiedebergs amtierender Bürgermeister Ulrich Kretzschmar (CDU). Doch das blieb ohne Echo.

Die Schmiedeberger Wohnungsgenossenschaft hat sich auch dafür interessiert, die Gemeindewohnungen zu verwalten. Aber sie sah sich nicht in der Lage, in der kurzen Zeit der Ausschreibung ein Angebot aufzustellen, wie Heiko Franz, der Vorstandsvorsitzende, informierte. Er arbeitet ehrenamtlich und hat eine Mitarbeiterin halbtags im Büro. Franz hat sich dazu auch mit seinem Dippoldiswalder Kollegen Falk Kühn-Meisegeier verständigt. Die Schmiedeberger Wohnungsgenossenschaft hat sich aber noch nicht ganz von der Idee einer Zusammenarbeit mit den gemeindlichen Wohnungen verabschiedet. „In Naundorf und am Brandweg stehen die Häuser nebeneinander, stoßen die Grundstücke aneinander. Da bieten sich viele Möglichkeiten an“, sagt Franz.