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Mutter des toten Babys sagt aus

Auch ein wichtiges Gutachten zum Fall in Bernstadt liegt inzwischen vor. Doch die Medizin-Experten müssen noch weiteren Fragen nachgehen.

Heftiges Schütteln eines Babys kann schlimmste Verletzungen nach sich ziehen, die bis zum Tod führen können.
Heftiges Schütteln eines Babys kann schlimmste Verletzungen nach sich ziehen, die bis zum Tod führen können. © dpa

Die Mutter des toten Bernstädter Babys hat sich zum Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge geäußert. Wie der mit den Ermittlungen betraute Staatsanwalt Sebastian Matthieu auf Nachfrage bestätigte, habe es in der Justizvollzugsanstalt Chemnitz, wo die zur Tatzeit 19-jährige Mutter seit Februar inhaftiert ist, eine Vernehmung gegeben. Bislang hatte sich die junge Frau nur vage gegenüber Ärzten und der Polizei geäußert, wie sich das Kind die Verletzungen, die wohl zu seinem Tod führten, zugezogen haben soll.

Genaue Angaben zum Inhalt Ihrer aktuellen Aussage kann der Staatsanwalt mit Blick auf die Ermittlungen zu den Todesumständen des knapp dreimonatigen Säuglings derzeit nicht machen, da die Angaben der Frau nun zunächst weiter überprüft werden müssen. Ihre Einlassungen führten aber nicht dazu, dass sie aus der Untersuchungshaft entlassen worden ist, wo sie sich seit dem Tod des Kindes im Februar befindet, bestätigt Matthieu. Bislang hatte die Frau erklärt, der kleine Junge sei von der Couch gerollt und habe sich dabei die Verletzungen zugezogen. Allerdings hatten sowohl die behandelnden Mediziner in der Dresdner Uniklinik als auch die Pathologen Misshandlungsspuren am Körper des Kindes festgestellt, wie sie beispielsweise durch heftiges Schütteln entstehen können.

Schlimme Befürchtungen bestätigt

Speziell zu diesen Verletzungen hatte die Staatsanwaltschaft ein forensisch-neuropathologisches Gutachten von Experten aus Hamburg-Eppendorf angefordert. Dieses liegt inzwischen vor und bestätigt den Verdacht, umreißt Matthieu zunächst die Ergebnisse, will aber hier nicht auf Details eingehen. Fest steht nach der Vernehmung der Mutter jetzt aber auch, dass "eine umfangreiche Nachbegutachtung sowohl in Hamburg als auch bei der Rechtsmedizin Dresden angeordnet wurde, um die Plausibilität der Aussagen der Beschuldigten zu prüfen", erörtert der Staatsanwalt. Diese bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung gefundenen Spuren ließen zudem darauf schließen, dass das Baby mehrfach Gewalt ausgesetzt war.

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Außerdem ist auch die Begutachtung der Mutter selbst zur tatzeitbezogenen Schuldfähigkeit noch nicht abgeschlossen. "Eine solche Untersuchung ist bei derart schwerwiegenden Vorwürfen obligatorisch", erklärt Matthieu den Hintergrund. Derzeit nehmen zudem die am Verfahren beteiligten Anwälte - der Mutter und des Kindsvaters - Einsicht in die Aktenlage. Zeugenbefragungen, unter anderem von Ärzten, Familienhebamme, Jugendamt und im persönlichen Umfeld der Familie, sind weitgehend abgeschlossen. Dennoch lässt sich mit Blick auf noch offene medizinische Fragen schwer abschätzen, wann die Recherchen soweit abgeschlossen sein werden, dass die Staatsanwaltschaft über ihr weiteres Vorgehen entscheidet. Im August steht aller Wahrscheinlichkeit nach ein Haftprüfungstermin an, der über den weiteren Verbleib der Frau bis zu einer möglichen Verhandlung entscheiden wird.

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