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Bert Wendsche ergreift Partei

Nicht alle sind erfreut, dass Radebeuls Stadtoberhaupt auf der CDU-Liste in den Kreistag gewählt werden will.

Von Peter Redlich

Er hatte es vor zwei Monaten angekündigt, aber seine Entscheidung lange hinausgezögert. Seit dem Wochenende steht fest: Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche will sich als Spitzenkandidat auf der Liste der Radebeuler CDU im nächsten Jahr in den Kreistag wählen lassen. Der Parteilose bei den Konservativen. Viele vermuteten bisher, er wählt dafür die Freien Wähler aus. Schließlich käme das seiner Parteilosigkeit am nächsten.

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In den Kreistag will Wendsche, weil er der Meinung ist, dass dort einige Entscheidungen zum Nachteil Radebeuls getroffen worden sind. Zuletzt die zur Schließung der Geburtsstation in der Radebeuler Elblandklinik. „Als Kreisrat hätte ich die Möglichkeit, erstens früher von bevorstehenden Entscheidungen zu erfahren und auch Einfluss zu nehmen“, sagt er.

Warum als Parteiloser bei der CDU? Weil dort die wesentlichen Entscheidungen vorbereitet würden und somit die Einflussnahme für Radebeul am besten möglich sei, sagt er. Doch genau das kreiden Wendsche einige an, der ja einst von der SPD und den Grünen ermuntert worden war, 2001 als damaliger Stadtkämmerer für das OB-Amt zu kandidieren. Eva Oehmichen (Bürgerforum/Grüne): „Sich für Radebeul einzusetzen, bringt ihn doch in Zwiespalt. Denn als Kreisrat muss er sich ja für den ganzen Kreis einsetzen. Auch wenn das andere Bürgermeister auch nicht tun.“

Einer seiner größten Kritiker ist SPD-Fraktionschef Thomas Gey. „Damit vollzieht sich, was sich schon eine Weile andeutete“, sagt er und meint damit die aus seiner Sicht ohnehin schon vollführte Annäherung an die CDU bei Stadtratsthemen. Gey: „Schade, damit gibt er seine Neutralität auf.“ Ähnlich sieht es Michael Röhner von Die Linke. Die Parteilosigkeit von Wendsche sei damit infrage gestellt. „Ich verstehe, dass er Einfluss nehmen will, aber hätte erwartet, dass er das zusammen mit den Freien Wählern versucht“, so Röhner. Die Freien Wähler hatten um ihn geworben, sagt deren Fraktionsvorsitzender Bernd Uhlemann. Er habe früher ja auch Bürgermeister kritisiert, die sich zugleich in den Kreistag haben wählen lassen. Uhlemann: „Ja, wir hätten ihn gern bei uns gehabt und wären dann noch um eine Stimme stärker im Stadtrat gewesen. Er hat das auch überlegt und schließlich begründet, dass er dort sein wolle, wo die Beschlüsse entscheidend vorbereitet werden.“

Die stärkste Zustimmung für Wendsches Entscheidung kommt – logisch – aus der CDU und auch aus den Reihen der FDP. FDP-Fraktionsvorsitzender Frank Sparbert: „Ich kann nachvollziehen, warum Herr Wendsche jetzt in den Kreistag möchte. Er will rechtzeitig wissen, was für oder gegen Radebeul läuft. Für uns ist das kein Problem. Für die Stadt Radebeul ist es gut.“

In der CDU-Liste für den Kreistag soll Bert Wendsche an erster Stelle stehen. Noch vor jedem wirklichen Mitglied der Christdemokraten. CDU-Fraktionsvorsitzender Ulrich Reusch, bisher auf diesen Platz stehend, lässt ihm den Vortritt. Weil die Zusammenarbeit mit der CDU und allen anderen bürgerlichen Parteien in wesentlichen Fragen der Kreispolitik gut sei, sagt CDU-Stadtchef  Bernhard van Recum.

Jetzt muss das alles noch der Kreisverband der CDU bestätigen. Da hat Wendsche mit dem Landtagspräsidenten Matthias Rößler mindestens einen Fürsprecher.