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Berufsschüler warten nicht auf Großvermieter

Während die WBG Ersatz für das Wohnheim auf der Konsulstraße plant, haben schon viele Bewohner neue Zimmer gefunden – auf eigene Faust.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ingo Kramer

Der Protest der Berufsschüler war vergeblich: Das Wohnheim auf der Konsulstraße 23 wird nun definitiv zum 31. Juli geschlossen, weil es bei Weitem nicht ausgelastet ist und seit Jahren rote Zahlen schreibt. Jetzt hat der Stadtrat die Auflösung der Wohnprojekt Görlitz GmbH beschlossen. Sie war eine Tochtergesellschaft der Wohnungsbaugesellschaft (WBG). Ihre einzige Aufgabe war die Betreibung des Wohnheims. Laut Bürgermeister Michael Wieler sieht die Stadt das nicht positiv, kann aber nichts dagegen tun.

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Nach Aussage von WBG-Chef Arne Myckert wird aber kein Schüler zum neuen Schuljahr obdachlos: „Wir richten in zwei Gebäuden Wohngemeinschaften her.“ Statt wie bisher in Zwei- und Vierbettzimmern werden künftig alle Schüler in Einzelzimmern untergebracht – und das zu den gleichen Konditionen wie bisher in der Konsulstraße. Jeder Schüler zahlt 195 Euro Warmmiete pro Monat. „Die einzige wirkliche Verschlechterung für die Schüler ist, dass es keine Betreuung mehr geben wird“, so Myckert. Im Wohnheim sind vier Erzieherinnen beschäftigt. Deren Arbeit schätzen die Schüler sehr, aber die Stellen verursachen eben auch die meisten Kosten.

Myckert muss sich aber mit seinen Plänen sputen, denn viele Berufsschüler warten gar nicht erst auf den Großvermieter. „Viele von uns Berufsschülern haben sich längst gekümmert und eigene WGs gefunden“, sagt Noch-Wohnheim-Mieterin Lisa Bittrich. Die 20-Jährige wird ab Sommer mit zwei Mitschülerinnen in einer WG in der Bahnhofstraße leben. „Ich weiß auch von anderen, die WGs gründen oder in bestehende WGs einziehen“, sagt sie. Eine Sorge der Stadtväter kann Lisa Bittrich aber zerstreuen: Ihr ist kein einziger Schüler bekannt, der von Görlitz wegziehen wird, weil das Wohnheim schließt.

Myckert selbst hat unterschiedliche Vorstellungen für die bislang 52 Bewohner der Konsulstraße. Die Berufsschüler sollen auf die Zittauer Straße 4 ziehen, die Krankenpflege-Schüler ins krankenhausnahe Eckhaus Zeppelin-/Parsevalstraße. In Letzterem sollen die neuen WGs relativ schnell fertig werden, denn die Räume seien nach Angaben Myckerts in einem recht guten Zustand. Erst einmal sind drei Wohnungen mit je drei Zimmern vorgesehen, also Platz für neun Lehrlinge. „Je nach Bedarf können wir dort auch noch kurzfristig weitere Wohnungen möblieren“, erklärt der WBG-Chef.

Auf der Zittauer Straße, wo mindestens 30 WG-Zimmer geplant sind, ist der Aufwand größer: Die Wohnungen sind in unterschiedlichem Zustand. Manche sind gut in Schuss, zum Großteil aber müssen sie nach langem Leerstand grundhaft saniert werden. Der WBG-Chef rechnet hier mit Kosten von deutlich über 200 000 Euro. „Die Arbeiten werden bis in die Sommerferien andauern, aber zum Schuljahresbeginn sind wir definitiv fertig“, so Myckert. Derzeit laufen hier die ersten vorbereitenden Arbeiten.

Doch gibt es jetzt schon unter den Berufsschülern Kritik an den Plänen für die Zittauer Straße. Auch für Lisa Bittrich kommt ein Umzug in das Gebäude nicht in Frage. „Ich mache nächstes Jahr Abitur, und da brauche ich Ruhe.“ Zum anderen hätten die Schüler bisher noch viel zu wenige Infos über die Zittauer Straße erhalten: „Wir wissen noch nicht einmal, ab wann wir dort einziehen könnten, wie groß die Zimmer sind und wie viele Schüler sich eine WG teilen würden.“ Myckert bestätigt, dass es noch keine Gespräche gab: „Das ist nach Ostern geplant.“ Elftklässler Willy Teichmann hat noch keine Einladung bekommen – und auch sonst kaum Infos. Deshalb hat auch er sich mit zwei Mitschülern nach Alternativen umgeschaut. Ob er auf die Zittauer Straße zieht oder nicht, macht er davon abhängig, wie die WGs letztlich aussehen. Eine Besichtigung des Hauses ist aber laut Myckert noch nicht möglich, denn die Räume sind längst nicht in dem Zustand, in dem sie ab Sommer vermietet werden sollen.