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Berufsschule wird Asylzentrum

Der Landkreis will Flüchtlinge nicht mehr in Pirna erfassen, sondern sie von Dippoldiswalde aus in die Gemeinden verteilen.

© Archivfoto: Egbert Kamprath

Von Mandy Schaks und Franz Herz

Dippoldiswalde/Pirna. Die kreiseigene Grundstücks- und Verwaltungsgesellschaft GVS bereitet in Dippoldiswalde auf dem Gelände des ehemaligen Berufsschulzentrums an der Weißeritzstraße ein Asylzentrum vor. Das wird offensichtlich größer, als es bislang in der Öffentlichkeit bekannt war.

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Zum einen sollen die Asylbewerber, die aus den Erstaufnahmeeinrichtungen des Freistaates Sachsen wie Chemnitz, Dresden oder Heidenau dem Landkreis zugewiesen werden, künftig vom Drehkreuz Dippoldiswalde aus auf die Städte und Gemeinden in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge verteilt werden. Bisher erfolgt das von Schloss Sonnenstein in Pirna aus, dem Hauptsitz der Kreisverwaltung. Zum anderen wird zum neuen Verteilzentrum in Dippoldiswalde auch eine Asylunterkunft mit etwa 150 Plätzen gehören, die jederzeit bei Bedarf aufgestockt werden könne. „Wir wollen einen Puffer schaffen“, sagt Vize-Landrat Heiko Weigel. „Denn wir wissen nicht, mit wie vielen Flüchtlingen wir rechnen können.“

Die Zahlen schwankten in den vergangenen Monaten sehr, mal kam pro Woche ein Bus mit 49 Asylbewerbern an, mal waren es drei Busse. „Wir wollen vorbereitet sein, damit wir nicht in Verlegenheit kommen“, so Weigel weiter. Deshalb soll neben dem Verteilzentrum auch eine Asylunterkunft hergerichtet werden. Zunächst mit 150 Plätzen, die nicht, wie ursprünglich vielleicht vermutet, nur mal für ein, zwei Tage belegt wird, sondern dauerhaft am Netz ist, je nach Bedarf. Die Zahl kann – sollten die Flüchtlingsströme steigen und damit die Zuweisungen von Asylbewerbern in den Landkreis – relativ zügig erhöht werden. „Wir haben hier die Möglichkeit, aufzustocken und auch schnell wieder herunterzufahren“, erläutert Weigel. Das Areal am ehemaligen Berufsschulzentrum biete dafür Voraussetzungen, die es im Landratsamt in Pirna so nicht gebe.

Etliche Gebäude bereits leer

Der relativ große Gebäudekomplex befindet sich bereits im Eigentum des Landkreises. Und etliche Häuser davon stehen inzwischen leer. „Wir müssen hier also nicht teuer anmieten und ankaufen“, zählt Weigel Standort-Vorteile auf. Die Kapazitäten ermöglichten es, hier Mitarbeitern Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen und bei Bedarf auch personell aufsatteln zu können. Aber auch, Aufenthaltsräume für die Asylbewerber herzurichten. Denn zwischen ihrer Ankunft aus den Erstaufnahmeeinrichtungen und der Abfahrt in ihre neuen Unterkünfte ist noch viel bürokratische Arbeit zu erledigen.

Wenn eine größere Zahl von Flüchtlingen ankommt, kann sich das Prozedere schon mal mehrere Stunden hinziehen. Deshalb werden Aufenthaltsräume gebraucht, begründet Weigel. „Das haben wir so in Pirna nicht.“ In Dippoldiswalde werden für das Verteilzentrum mit angeschlossener Asylunterkunft bislang insgesamt drei Gebäude vorbereitet: das sogenannte Haus 3 des ehemaligen Berufsschulzentrums, die Mensa und das dahinter liegende Sanitärgebäude. „Die Turnhalle ist nicht betroffen“, betont Weigel. Mit der Einrichtung der Asylunterkunft komme die Große Kreisstadt ihrer Verpflichtung zur Unterbringung von Flüchtlingen nach.

Der Dippoldiswalder Oberbürgermeister Jens Peter (Freie Wähler) will die Bürger über diese Planungen genau informieren. Dazu ist für den 16. Februar eine Informations- und Diskussionsveranstaltung in der Stadtkirche Dippoldiswalde geplant, zu der Peter und der Dippoldiswalder Pfarrer Sebastian Schurig einladen.

Dort soll auch Heiko Weigel sprechen sowie der Leiter des Polizeireviers Wolfgang Langenbucher und Vertreter des Willkommensbündnisses.