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Rundweg am Berzi ist jetzt eine Sackgasse

Der Bergbausanierer hat den Rundweg an der Rutschung P gesperrt. Aber wie wird das Verbot gegenüber Radlern und Fußgängern durchgesetzt?

Solche Schilder mit der Aufschrift "Sperrbereich – Betreten verboten – Lebensgefahr" stehen jetzt am Westufer des Berzdorfer Sees. Damit ist der Rundweg nicht mehr als Rundweg nutzbar.
Solche Schilder mit der Aufschrift "Sperrbereich – Betreten verboten – Lebensgefahr" stehen jetzt am Westufer des Berzdorfer Sees. Damit ist der Rundweg nicht mehr als Rundweg nutzbar. © Nikolai Schmidt

Radfahrern und Wanderern um den Berzdorfer See ist es schon aufgefallen: Der untere Rundweg ist kein Rundweg mehr. 

Am Westufer, kurz vor der sogenannten Rutschung P, stehen jetzt Schilder mit der Aufschrift „Sperrbereich – Betreten verboten – Lebensgefahr“ – und zwar auf beiden Seiten der Rutschung. Wer sich an die Schilder halten möchte, dem bleibt nichts anderes übrig, als umzudrehen. Und das, obwohl kurz davor Schilder schon fürs nächste Bier in der Blauen Lagune werben.

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LMBV spricht nicht von Rundweg

Doch warum stehen sie plötzlich hier? Gab es in jüngster Zeit eine Rutschung oder dergleichen? Nein, gab es nicht, stellt Uwe Steinhuber auf SZ-Nachfrage klar. Der Pressesprecher des Bergbausanierers LMBV möchte auch gar nicht von einem Rundweg sprechen: Es handle sich lediglich um einen unbefestigten Wirtschaftsweg der LMBV. „Das ist ein für die touristische Nutzung geduldeter Weg und entbindet die Verantwortlichen nicht davon, auf die Gefahrensituationen innerhalb des geotechnischen Sperrbereiches hinzuweisen.“

Auf der Grafik ist der gesperrte Bereich durch die Rutschung P unterhalb von Jauernick-Buschbach mit einer roten Linie gekennzeichnet.
Auf der Grafik ist der gesperrte Bereich durch die Rutschung P unterhalb von Jauernick-Buschbach mit einer roten Linie gekennzeichnet. © Grafik: LMBV

Die Rutschung P existiert seit 1981. Auf einer Breite von 1,8 Kilometern bewegten sich einst etwa 100 Millionen Kubikmeter Erdmassen. Das geschah allerdings nicht plötzlich, wie beim Setzungsfließen, sondern über viele Jahre. Heute ist die Rutschung weitestgehend mit einem dichten grünen Vegetationsteppich überzogen und bewegt sich nur noch im Millimeterbereich weiter. Das bestätigt auch Steinhuber.

Trotzdem: Aufgrund der Sicherungspflicht der LMBV am Naturschutzgebiet Rutschung P seien beidseitig der geotechnischen Sperrlinie die Schilder erneuert beziehungsweise aktualisiert worden – und zwar gemäß den mit dem Sächsischen Oberbergamt geführten Abstimmungen zu Sperrbereichen. „Die Schilder und die Hinweise sind damit nicht neu“, erklärt Steinhuber: „Sie wurden nun lediglich direkt auf der Sperrlinie aufgestellt und neu eingemessen.“

Schilder standen bisher woanders

Zuvor standen die Bergbaugelände-Schilder laut Steinhuber unmittelbar neben oder nahe bei den Naturschutzzonen-Schildern. Beide zusammen hätten keine klare Aussage ergeben mit der Mischung aus „Betreten auf eigene Gefahr“ und „Betreten verboten“. „Das ist nun meines Erachtens mit der Markierung der nicht zu übertretenden Sperrbereichslinie klarer und eindeutiger nachvollziehbar.“

Es sei für die allgemeine Öffentlichkeit nicht ohne Weiteres erkennbar, worin konkret die Gefahren im Bergbau und seinen Folgelandschaften bestehen. „Eine Hinterfragung eines jeden Verbots- oder Hinweisschildes sollte daher nicht zum Standard werden“, findet der Sprecher.

LMBV hat keine rechtliche Handhabe

Die Frage ist freilich, wie die LMBV das Verbot in der Praxis durchsetzen will. „Wir bestreifen den Abschnitt und haben dafür auch einen Dienstleister im Einsatz“, sagt Steinhuber. Eine rechtliche Handhabe gegen Menschen, die die Schilder missachten, habe die LMBV aber nicht: „Wir können nur darauf hinweisen und darum bitten, die Schilder zu respektieren.“ Auch die angrenzenden Gemeinden seien nicht verantwortlich, denn es handle sich nicht um eine öffentlich gewidmete Straße. Eine rechtliche Handhabe hätten nur die Polizei und das Sächsische Oberbergamt. „Wenn jemand hartnäckig immer wieder dagegen verstößt, kann die Polizei gerufen werden“, sagt der Sprecher. Die Nutzung des Weges könne dann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Die LMBV appelliere aber lieber an die Vernunft der Menschen.

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