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Leben und Stil

Beschwipst von 0,0 Prozent

Wovon hängt es ab, ob alkoholfreies Bier wirklich schmeckt. Ein Kolumne aus der Reihe "Bierkultur" von Barbara Staudenmaier.

Barbara Staudenmaier ist Chefin im Bierspezialitäten-
laden „Hopfenkult“ in der Dresdner Neustadt.
Barbara Staudenmaier ist Chefin im Bierspezialitäten- laden „Hopfenkult“ in der Dresdner Neustadt. © Sven Ellger

Obwohl ich schon aus beruflichem Interesse gerne neue Biersorten probiere, gibt es Tage, an denen ich keinen Alkohol trinken möchte. Dann greife ich gern mal zu einem Alkoholfreien – obwohl ich dieser Art Getränk lange nichts abgewinnen konnte. Allerdings ist das Angebot in diesem Bereich in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Selbst viele kleinere und mittelständische Brauereien haben heutzutage eine oder mehrere alkoholfreie Sorten ins Sortiment aufgenommen.

Die Unterschiede zum „richtigen Bier“ sind mal kleiner und mal größer. Hefeweizen zum Beispiel hat den Ruf, auch alkoholfrei so ähnlich zu schmecken wie das Original mit Alkohol. Das hat damit zu tun, dass hier die Hefenoten und sogenannten Nebengärprodukte dominieren – auch in der Variante ohne Alkohol schmeckt das Bier stark danach. Bei schlankeren Bieren wie Pilsner oder Hellem wird es schon schwieriger: Da schmeckt das Alkoholfreie plötzlich durch die Malze zu süß oder wird durch den Hopfen zu bitter im Abgang. Um mehr Geschmacksfülle hinzubekommen, peppen manche Brauereien ihr Bier daher durch besonders aromatische Hopfensorten oder spezielle Hefen auf.

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Übrigens: Als „alkoholfrei“ gelten hierzulande Biere mit einem Restalkoholgehalt von maximal 0,5 Volumenprozent. Bei der Herstellung kommen spezielle Verfahren zum Einsatz. Gängigste Praxis: Es wird ein leichtes Bier gebraut, dem im Nachhinein der Alkohol entzogen wird. Meist bleibt ein minimaler Anteil davon im Bier zurück. Große Braukonzerne wie Bitburger werben jedoch auch mit „0,0-%-Bier“. Bis vor Kurzem hätte ich gelacht und gesagt, dass dies gar nicht funktionieren kann. Doch inzwischen habe ich mich eines Besseren belehren lassen. Es gibt tatsächlich Bier, bei dem Laboranalysen nicht mal einen winzigen Rest Alkohol ergaben.

Ich persönlich bin der Meinung, dass es egal ist, ob ein Bier nun 0,5 Volumenprozent Alkohol hat oder 0,0. Schließlich kommen selbst Fruchtsäfte auf bis zu 0,3 Prozent. Außerdem ist bewiesen, dass derart geringe Mengen keinerlei messbare Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben. Fragt sich nur, wo mein Schwips herrührt, den ich auf einer Party verspüre, die ich ausschließlich mit alkoholfreiem Bier bestreite. Meine These: Er ist der Euphorie der Nacht und jenen Freunden geschuldet, die tatsächlich von ihrem Bier betrunken sind.

Übrigens: Das AUBI – abgekürzt für AUtofahrerBIer – gilt als das erste deutsche alkoholfreie Bier und wurde 1972 in der DDR gebraut, damit Autofahrer die geltende 0,0-Promille-Grenze einhalten konnten.

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